Was ist schon menschlich?

© Frank V. via Unsplash

Nachdem die schwedische Sciencefiction-Serie Äkta människor (in Deutschland unter dem Titel Real Humans vertrieben) vor ein paar Jahren bereits ein britisch-amerikanisches Remake mit dem Titel Humans bekommen hat, soll die britische Serie nun ihrerseits eine chinesische Neuinterpretation bekommen. Eine gute Gelegenheit also, um noch einmal einen Blick auf das schwedische Original zu werfen.

Äkta människor stammt aus der Feder von Lars Lundström und wurde zwischen 2012 und 2014 vom schwedischen Fernsehsender SVT ausgestrahlt. Die Serie spielt in einer nicht näher genannten Zukunft, in der die Nutzung humanoider Roboter ganz alltäglich ist. Diese Hubots (kurz für Human Robot) sehen den Menschen sehr ähnlich, sind aber für gewöhnlich an ihrem zu perfekten Äußeren als Roboter zu erkennen. Sie arbeiten in Fabriken, als Angestellte, Altenpfleger und Prostituierte, wobei es für jeden Zweck, dem sie dienen, unterschiedliche Modelle mit variierenden Ausstattungen gibt. Durch Beobachtung und Nachahmung sind sie in der Lage menschliches Verhalten zu erlernen, ohne jedoch die Emotionen dahinter nachvollziehen zu können. Während die meisten Menschen die Erleichterung im Alltag durch die Hubots zu schätzen wissen, ist ein Teil der Bevölkerung den Androiden gegenüber feindlich eingestellt. Unter ihnen vor allem die politische Bewegung Äkta människor, die sich für eine hubotfreie Gesellschaft einsetzt. Bis auf eine kleine Gruppe sogenannter freier Hubots, haben die Roboter keinen freien Willen und gehorchen ihrem Besitzer widerstandslos. Eine Reihe von Regeln – in Anlehnung an den Sciencefiction-Schriftsteller Isaac Asimov benannt – sorgen dafür, dass es Hubots unmöglich ist Menschen zu verletzen. Da sie außer dem regelmäßigen Aufladen keinerlei Pausen benötigen, sind sie die perfekten Arbeitskräfte.

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Im Zentrum der Handlung stehen zwei Familien, die exemplarisch für die Gesellschaft stehen und anhand derer die emotionalen Spannungen, verursacht durch künstliche Intelligenz, dargestellt werden. Da ist beispielsweise Roger, ein Fabrikarbeiter, der, nachdem ihn seine Frau bereits für ihren Fitness-Hubot verlassen hat, nun auch bei der Arbeit fürchten muss, durch eine Maschine ersetzt zu werden. Seine Nachbarin Inger Engmann, Rechtsanwältin und Mutter von drei Kindern, hat ähnliche Befürchtungen, als sie feststellt, dass ihre jüngste Tochter sich lieber von ihrem neu erworbenen Haushaltshubot Anita vorlesen lässt, da dieser nie müde wird. Ihre Menschlichkeit wird plötzlich zum Makel. Doch während Roger sich radikalisieren lässt, stellt Inger mit der Zeit fest, dass Hubots vielleicht doch menschlicher sind, als sie gedacht hat.

Äkta människor ist spannend und unterhaltsam, doch am besten ist die Serie, wenn sie sich mit gesellschaftlichen Themen beschäftigt. Es geht um die Angst vor dem technischen Fortschritt und der damit einhergehenden Frage wie austauschbar wir sind. Dabei hält die Serie uns auch den Spiegel vor. Denn bräuchten wir wirklich Arbeitssklaven, die sich um die Alten kümmern, wenn wir weniger nach Perfektion, Erfolg und Anerkennung strebten und uns stattdessen mehr Zeit füreinander nähmen oder undankbare Jobs angemessen entlohnen würden? Natürlich wird dies alles überspitzt dargestellt, doch als Zuschauer bleibt das Gefühl, dass hinter all dem mehr als nur ein Funken Wahrheit steckt.

Der zweite zentrale Aspekt ist die Definition von Menschlichkeit. Denn was genau ist der Unterschied zwischen einem Menschen und einer Maschine? Unterscheiden sich programmierte Gefühle und Moralvorstellungen von denen, die wir unser Leben lang erlernen? Und wer haftet eigentlich für die Verbrechen eines Roboters? Die Serie diskutiert diese Fragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln wie Religion, Rechtswesen und Philosophie, ohne dem Zuschauer dabei eine Ansicht aufzudrängen.

Während für die britische Version Humans momentan über eine vierte Staffel spekuliert wird, endete Äkta människor aus Kostengründen zur Enttäuschung vieler relativ offen nach der zweiten Staffel, obwohl ein Skript für eine dritte vorhanden war.

Fest steht auf jeden Fall, dass das Thema künstliche Intelligenz in Zukunft im Zuge der fortschreitenden Technologisierung vermutlich eher stärker in den Fokus treten wird und wir uns alle vielleicht mal ein wenig Zeit nehmen sollten, um darüber nachzudenken, was uns eigentlich menschlich macht.

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Johanna

Johanna

Hat ihr Herz schon als Kind an Schweden verloren. Bis heute begeistert sie sich für schwedische Literatur im Besonderen und skandinavische Lebensart im Allgemeinen. Hat eine unstillbare Sehnsucht nach den nahezu unberührten Landstrichen Skandinaviens und träumt von einem Häuschen auf den Schären.