Von alten Schweden und schwedischen Gardinen

Manchmal haben wir ein Brett vor dem Kopf, schieben lästige Dinge auf die lange Bank oder sehen das Leben durch die rosarote Brille. „Da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!“ Redewendungen und idiomatische Ausdrücke sind fest in jeder Sprache verankert. Sie regen unsere Phantasie an, lassen lustige Bilder in unseren Köpfen entstehen,  jedoch bereitet die Entschlüsselung der übertragenen Bedeutung mitunter besonders Nicht-Muttersprachlern große Schwierigkeiten. Redewendungen sind nämlich in der Regel kulturspezifisch. Sie geben uns einen Einblick in die Geschichte, erzählen vom Arbeitsalltag, vom Glauben, von Freude und Leid und geben uns einen Eindruck davon, wie die Menschen früher gedacht haben. Einige solcher Sprichwörter sind Zeugen des Kulturkontakts, enstanden in Zeiten von Krieg, gehen zurück auf wechselseitige Handelsbeziehungen oder reproduzieren Stereotype.

Im Deutschen finden sich gleich zwei Redewendungen, die auf historische Verbindungen zwischen Schweden und deutschsprachigen Gebieten hinweisen. Hat sich jemand beispielsweise etwas zu Schulde kommen lassen und muss im Gefängnis eine Haftstrafe absitzen, so sitzt derjenige idiomatisch hinter schwedischen Gardinen. Der Ausdruck wurde bereits 1906 lexikographisch belegt und geht zurück auf in Schweden produziertes Eisen, das als besonders hochwertig und stabil angesehen wurde. Die Wendung „Alter Schwede“, die heute vor allem als Ausdruck der Überraschung verwendet wird, erhielt bereits zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges Einzug in die deutsche Sprache. Es heißt, dass der preussische Kurfürst Friedrich Wilhelm seine unterlegenen protestantischen Truppen während des Krieges mit erfahrenen schwedischen Söldnern aufrüstete. Nach dem Krieg sollen diese schließlich als Ausbilder eingesetzt worden sein, da sie sich als loyal erwiesen und einen guten Einfluss auf die Soldaten und die Kampfkraft der Truppen hatten. Die schwedischen Soldaten waren dadurch sehr hoch angesehen und wurden respektvoll mit „Alter Schwede“ angesprochen.

Im Russischen (Шведский стол), Polnischen (Stół szwedzki) und Estnischen (Rootsi Laud) hat sich zudem der Begriff „Schwedischer Tisch“ für die Bezeichnung eines Buffets durchgesetzt. Sehr wahrscheinlich ist diese Benennung angelehnt an das schwedische Konzept des Smörgåsbord, einer reich gedeckten Tafel mit verschiedenen kalten und warmen Speisen, die vor allem zu Feierlichkeiten vorbereitet wird.

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David

David

Begeistert sich von A wie Astrid Lindgren bis Z wie Zlatan Ibrahimovic für alles, was sich in der schwedischen Gesellschaft abspielt. Mag die nordische Peripherie, genauso wie das kosmopolitische Stockholm und hat ansonsten ein Faible für skandinavische Kinderliteratur, Esskultur und für’s Fotografieren.
Studiert im Master Kultur-Interkulturalität-Literatur und träumt vom Leben in Schweden.