Vom Glauben und Zweifeln: Herrens Veje (DK 2017)

Special: Dänische TV-Serien für den Sommer (Teil 2)

Die Wege des Herrn …

sind unergründlich. Das zeigt sich auch in der neuen dänischen Serien „Herrens Veje“ (wörtlich übersetzt „Die Wege des Herrn“) des Drehbuchautoren Adam Price, der vor allem für die Erfolgsserien Borgen bekannt ist. Und nach der Politik widmet sich Price nun einem anderen komplexen Thema: aus der Sicht einer Priesterfamilie erzählt die Serie von der Religion und dem Glauben und Zweifeln.

Im Zentrum der Handlungen stehen in dieser ersten Staffel vor allem die Männer der Familie. Dreh- und Angelpunkt ist der Familienvater und Priester Johannes (Lars Mikkelsen), der seine Wurzeln nicht nur über 250 Jahre zurückverfolgen kann, sondern in dessen Familie es seit jeher immer mindestens einen Pfarrer in jeder Generation gab. Gegenüber seiner Familie und seinen Mitarbeitern erscheint er ebenso gottgleich wie tyrannisch. Doch so charismatisch und leidenschaftlich er einerseits angesichts seiner Gemeinde auftritt, so ungerecht und unvorhersehbar verhält er sich gegenüber seiner Familie. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in seinem ungleichen Umgang mit seinen Söhnen wieder. August (Morten Hee Andersen), der ebenfalls Priester ist und damit in die Fußstapfen seines Vaters tritt, ist der bevorzugte Sohn und kann in Johannes‘ Augen nichts falsch machen. Christian (Simon Saers), der ältere der beiden Brüder, hat sich hingegen von Gott und Religion abgewandt und ist der ewiger Versager, der seinem Vater nichts als Enttäuschung bereitet. Die beiden Brüder befinden sich in einem stetigen Kampf zwischen dem Wunsch nach der Anerkennung ihres Vaters und dem Versuch endlich aus seinem überlebensgroßen Schatten zu treten, der sie schließlich verzweifelte Entscheidungen treffen lässt. Dass sie auf der Suche nach ihrem Platz im Leben Hilfe benötigen, sehen allerdings weder Johannes noch seine Frau Elisabeth (Ann Eleonora Jorgensen), die zunehmend unter Johannes‘ Wutanfällen und seiner Alkoholsucht leidet.

Price schafft es, uns als Zuschauer an seine Figuren und ihre Konflikte zu binden. Durch den Fokus auf die Familie wird die doch oft eher theoretische Suche nach dem Sinn des Lebens zu einem persönlichen Thema, in dessen Zentrum Lars Mikkelsens Johannes steht, den wir in einem Augenblick zutiefst verabscheuen, um ihm im nächsten aus tiefsten Herzen zu bemitleiden.

Herrens Veje ist eine Zusammenarbeit zwischen dem dänischen Sender DR und unter anderem dem deutsch-französischen Sender arte. International wird die Serie unter dem Titel „Ride upon the Storm“ vertrieben, einem Zitat aus William Cowpers Gedicht „God moves in a mysterious way“ aus dem Jahr 1774.

Manch einer wird sich über die trüben Farben der Serie beschweren, doch davon sollte man sich nicht abhalten lassen, wenn die Serie ab Ende September diesen Jahres im deutschen Fernsehen bei arte ausgestrahlt wird. Die zweite Staffel erscheint im Herbst in Dänemark und wird sich dann aller Voraussicht nach mehr den Frauen widmen.

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Johanna

Johanna

Hat ihr Herz schon als Kind an Schweden verloren. Bis heute begeistert sie sich für schwedische Literatur im Besonderen und skandinavische Lebensart im Allgemeinen. Hat eine unstillbare Sehnsucht nach den nahezu unberührten Landstrichen Skandinaviens und träumt von einem Häuschen auf den Schären.