Tomtes – die schwedischen Wichtel

Euer Baltic Cultures Adventskalender – Türchen 9

© Brigitta Schneiter on Unsplash

Wichtel gehören zu Weihnachten wie der Weihnachtsmann. In unserer Vorstellung sind sie oft als Gehilfen für den Weihnachtsmann tätig und arbeiten in den Spielzeugwerkstätten irgendwo am Nordpol. Skandinavische Wichtel (insbesondere die Schwedischen) wurden in Deutschland vor allem durch Astrid Lindgrens Tomte Tummetott bekannt. Und dabei wird deutlich, dass die schwedischen Wichtel von unserer üblichen Vorstellung ein wenig abweichen.

Seit heidnischer Zeit sind Tomtes als Wichtel bekannt, die vor allem auf Bauernhöfen zu finden sind, wo sie die Tiere und Bewohner beschützen. Sie werden häufig als sehr alt, klein, aber sehr stark beschrieben und haben einen langen grauen oder weißen Bart. Da Tomtes äußerst tierlieb sind, schätzen sie besonders in kalten Winternächten die Wärme der Tiere, weshalb sie häufig im Stall oder auf dem Heuboden wohnen. Gibt es keine Tiere, leben die handwerklich begabten Wesen auch gerne in der Werkstatt oder dem Tischlerschuppen, weil sie diese dann mit nutzen können.

Da Tomtes vor allem nachts aktiv sind und sich obendrein unsichtbar machen können, sieht man sie nur sehr selten. Doch spätestens wenn sie unzufrieden sind, spüren die Bewohner des Hofes seine Anwesenheit. Tomtes sind nämlich nicht nur Helfer, sondern treiben manchmal auch Schabernack, bei dem sie mit Vorliebe Dinge verschwinden und Tage später an einem anderen Ort wieder auftauchen lässt. Weshalb es sehr wichtig ist, sich mit ihnen gut zu stellen. Aus diesem Grund wird ihnen, besonders zu Weihnachten, ein Teller Hafergrütze oder Milchreis hingestellt, zusammen mit einem Löffel aus Holz. Denn wie andere Kobolde verabscheuen sie Metall.

Wie bereits erwähnt, fanden die Tomtes auch Eingang in die Literatur. Astrid Lindgrens Geschichte basiert auf einem äußerst bekannten Gedicht von dem schwedischen Autoren und Journalisten Viktor Rydberg mit dem Titel Tomten aus dem Jahr 1881. Dieses ist eines der berühmtesten schwedischen Gedicht und ist über die Jahre zu einem Synonym für Weihnachten geworden. Es handelt von einem Tomte, der in einer kalten Winternacht seine Runde über den schlafenden Hof macht und noch einmal überall nach dem Rechten sieht. Dabei sinniert er über den Sinn des menschlichen Lebens und fragt sich, woher sie kommen und wohin sie gehen, wenn ihre Zeit vorüber ist.

Alle, die ihren zweiten Advent nutzen möchten, um das Gedicht über den Tomte im schwedischen Original zu lesen, finden es hier.

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Johanna

Johanna

Hat ihr Herz schon als Kind an Schweden verloren. Bis heute begeistert sie sich für schwedische Literatur im Besonderen und skandinavische Lebensart im Allgemeinen. Hat eine unstillbare Sehnsucht nach den nahezu unberührten Landstrichen Skandinaviens und träumt von einem Häuschen auf den Schären.