Sommerkurse in Finnland

Du lernst schon seit einem halben Jahr, einem Jahr oder sogar noch länger Finnisch, warst aber noch nie in Finnland und kennst, abgesehen von deinen Kurskameraden, auch keinen anderen, der Finnisch lernt? Wie klingt denn folgender Vorschlag: drei Wochen Finnland, Sprachkurs, Kulturveranstaltungen, Leute aus der ganzen Welt, die auch Finnisch lernen – und das alles gratis! Gibt’s nicht, sagst du? Gibt’s wohl, wissen wir!

Jedes Jahr im Sommer (und übrigens auch im Winter) bieten viele Universitäten in Finnland sogenannte Sommerkurse an. Neben den kostenpflichtigen universitären Sprachkursen der finnischen  „Sommeruniversitäten“ gibt es für Fachstudierende der finnischen Sprache und Kultur auch solche, die vom finnischen Bildungsministerium (OPH) organisiert und finanziell unterstützt werden. Diese Sommerkurse können ganz normale Sprachkurse auf verschiedensten Niveaus sein – oder aber Kurse mit einem bestimmten Thema, die sich an  fortgeschrittene Lerner richten, komplett auf Finnisch gehalten werden und in denen man mehr über die finnische Literatur und Kultur erfährt. Die Sommerkurse dauern in der Regel 2-3 Wochen, finden in Finnland statt und sind durch die Unterstützung des Bildungsministeriums für Studenten kostenfrei – in vielen Fällen kann man sogar noch eine (mehr als ausreichende) finanzielle Reiseunterstützung beantragen. Die einzigen anfallenden Kosten sind Essensausgaben (meistens ist Selbstverpflegung angesagt) und Bustickets. Unterricht ist von Montag bis Freitag und am Wochenende gibt es je nach Sprachkurs kulturelle Angebote oder man hat Zeit, selber in Finnland herumzureisen oder Freunde, Verwandte und Bekannte zu besuchen.

Ein Saunausflug am See ist garantiert immer dabei! © Julia Nauck

Diesen Sommer wurde an der Universität Tampere ein Pilotprojekt gestartet und ein Sommerkurs angeboten, der sich mit dem Übersetzen befasst. Besonders dabei war, dass die Teilnehmer nicht nur in die eigene Muttersprache übersetzen sollten, sondern auch von der Muttersprache ins Finnische – eine bisher unbekannte Herausforderung für die meisten. Denn viele von uns hatten bisher wenig Erfahrung im Übersetzen.

Die Lehrer kamen von der Universität Tampere und haben früher selbst einmal als Übersetzer gearbeitet, konnten also Insider-Tipps geben. Mit dabei waren auch studentische Tutoren, die für die Freizeitveranstaltungen zuständig waren.

Die drei Wochen waren unterteilt in eine Woche Fachtextübersetzung, eine Woche Literaturübersetzung und eine Woche selbstständiges Arbeiten – eine gute Aufteilung, denn so hatte jeder die Möglichkeit, sich an verschiedenen Texten und Textsorten auszuprobieren und am Ende einen Text seiner Wahl zu übersetzen. Tatsächlich ging es eher darum, anhand von vielen verschiedenen Texten Erfahrungen im Übersetzen zu sammeln, als darum, am Ende eine möglichst gute Übersetzung abzuliefern. Daher war die Zeit für das Übersetzen eines Textes knapp bemessen. Wenn man sich nicht mit seiner Rohübersetzung zufrieden geben wollte, musste man sich nachmittags in der Freizeit noch einmal an den Text setzen.

Im Unterrichtsprogramm waren auch kulturelle Veranstaltungen (Theaterbesuch und Saunaausflug) und Vorlesungen von Dozenten der Universität Tampere eingeplant, sodass nicht jeden Tag von früh bis spät übersetzt wurde. Die übersetzten Texte wurden in einem Portfolio gesammelt, das jeder am Ende vorgestellt hat und das auch (sehr lieb) von unseren Lehrern benotet wurde.

Die Sommerkurse sind oft schon im Juni und Juli – dann ist in Finnland das beste Sommerwetter. ©Julia Nauck

Kurz und knapp:

Sommerkurse sind eine gute Möglichkeit, raus aus dem gewohnten Lernumfeld zu kommen und sein Sprachniveau zu verfestigen oder sogar zu verbessern. Der Sprachunterricht nimmt zwar den größten Teil der Zeit ein, jedoch gibt es entweder im Kursprogramm oder dann in der Freizeit viele kulturelle Veranstaltungen. Da die Wochenenden auch frei sind, hat man also sehr viele Möglichkeiten, das Land kennenzulernen und herumzureisen.

Die Sommerkurse sind für Studenten kostenfrei – oft bekommt man sogar noch eine finanzielle Reiseunterstützung dazu. Das Kursprogramm findet man auf den Seiten des finnischen Bildungsministeriums. Und nebenbei: Ganz umsonst ist der Lernaufwand dann auch nicht – für die Sommerkurse gibt es ECTS-Punkte, die man sich anerkennen lassen kann.

Sommerkurse gibt es übrigens nicht nur in Finnland! Lernst du noch andere Sprachen? Dann schau doch mal auf den Internetseiten von anderen Universitäten nach, ob diese auch Sommerkurse anbieten! 😉

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Julia

Julia

Fühlt sich in den finnischen Wäldern am wohlsten und träumt von einer eigenen Sauna im Garten. Hier in Greifswald, wo sie sich mit Skandinavistik und Fennistik beschäftigt, kann sie ihr Fernweh mit anderen teilen und ihre Liebe für Regen entdecken. Sonst immer auf der Suche nach nordischer Inspiration und abenteuerlichen Geschichten.