Nach Venezuela!

3. Kunst und Klänge: Eine musikalische Schlechtwettertherapie aus Litauen

Quelle: Pixabay

Ein vergilbtes Plakat im Busbahnhof, ein emphatischer Werbespot im Fernsehen oder der an einer Imbissbude vorbeiziehende Geruch fremder Gewürze – für akutes Fernweh bedarf es oft nicht vieler Anstrengungen.
Wenn die Temperaturen in den Keller fallen und der Himmel in sein 50-Shades-Of-Gray-Cosplay schlüpft, werden sie begehrter als alles andere auf der Welt – die warmen Orte, an denen man den ganzen Tag mit einem guten Buch auf der Veranda sitzen kann und sich vom Sonnenschein die Haut streicheln lässt. Das Schmuddelwetter, das uns Anfang Dezember zu triezen wollen scheint, ist bekanntermaßen keine rein norddeutsche Spezialität, auch rund um die Ostsee hat man sich gegen Nässe und Dunkelheit zu wappnen.

Die litauische Musikgruppe Antikvariniai Kašpirovskio Dantys (dt. Kašpirovskis’ antiquierte Zähne, vermutlich bezugnehmend auf den Wunderheiler Anatoli Kaschpirowski) liefert mit ihrem Hit „Į Venesuelą“ die Hymne für jene Tage, an denen sich die ganze Welt gegen einen verschworen zu haben scheint: Die Kinder nerven, Partner oder Partnerin sind nicht zufriedenzustellen und sogar die Lohnzahlungen sind im Rückstand. Die Antwort? Auf nach Venezuela! Auf in das Land, in dem die Sonne scheint und die Liebe brennt! Vom Fernweh beseelt brechen sie aus und fliehen vor dem Alltagstrott über den Atlantik. Als der Lada mit litauischem Kennzeichen an der venezolanischen Grenze vorfährt, ist das Ziel nicht mehr fern: der Birkenbaum, vor dem man die Zehen in den Sand stecken und alle Sorgen vergessen möchte.

Mit einer ansteckend bunten Mischung aus World-Musik, Folk und Balkan-Beats, den ich an dieser Stelle liebevoll Baltic-Beats taufen möchte, verzaubern Antikvariniai Kašparovskio Dantys das litauische Publikum in ausverkauften Sälen und regen auch die nicht-litauischsprachigen Zuhörer zum Mittanzen und Mitsingen an. „Į Venesuelą“ verabreicht euch eure Dosis Endorphin für all die Tage, an denen der Drucker streikt, die nächste Frist näher rückt und der Weihnachtsmarktbesuch buchstäblich ins Wasser fällt.

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Marcel

Hat einen Narren am östlichen Ostseeraum gefressen und träumt ständig vom Reisen. Beschäftigt sich in der Universität in erster Linie mit dem Deutschen und dem Russischen, unterhält aber nebenher eine intensive Liebesbeziehung zum Baltikum, insbesondere Estland. Brennt für fremde Sprachen und gesellschaftliche Themen, Funken sprühen aber auch in Sachen Kultur und Literatur.