Minna Canth – Finnlands erste weibliche Schriftstellerin

Minna Canth war eine finnische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Sie war die erste Frau mit einem eigenen Flaggentag in Finnland. Ihr zu Ehren wird am 19. März im ganzen Land die finnische Flagge gehisst und der Tag als Tag der Gleichberechtigung gefeiert. Sie setzte sich stets für die Rechte der Frauen und gegen die sozialen Missstände ein.

Minna Canth via Wikimedia Commons

Geboren wurde sie unter dem Namen Ulrika Wilhelmina Johnsson am 19. März 1844 in Tampere als eines von vier Kindern in einfachen Verhältnissen. Ihre Eltern, Gustaf William und Lovisa Ulrika Johnsson, waren finnlandschwedisch und ihre Muttersprache somit Schwedisch. Sie beherrschte aber auch Französisch und Finnisch.

Ihr Vater, gelernter Textilhandwerker der Textilfabrik Finlayson in Tampere, übernahm – nach dem Umzug der Familie nach Kuopio 1853 – ein Tuchgeschäft der gleichen Fabrik. Minna Canth genoss eine gute schulische Ausbildung und begann 1863 am Lehrerseminar in Jyväskylä zu studieren. Das Seminar war das erste in Finnland, welches auch Frauen zum Studium zuließ. Bereits zwei Jahre später heiratete sie den acht Jahre älteren Naturkundelehrer Johan Ferdinand Canth. Daraufhin gab sie ihr Studium auf, um ihren häuslichen und familiären Pflichten nachzukommen. Gemeinsam bekamen das Paar sieben Kinder, die sie nach seinem Tod 1879 allein und mittellos versorgen musste.

Eine Frau findet ihre Stimme

Während ihrer Ehe ergab sich Minna Canth ihrem Schicksal als gefolgsame Frau. Erst mit der Zeit entwickelte sie das Selbstvertrauen, ihre eigene Meinung zu vertreten und fand Gehör bei ihrem Mann. Da dieser bei der Zeitung „Keski Suomi“ angestellt war, konnte auch sie dort Artikel veröffentlichen. Ihr Pseudonym war „Wilja“. Sie schrieb vor allem gegen den Alkoholmissbrauch, woraufhin sie und ihr Mann ihre Anstellungen verloren, da der Zeitungsbesitzer selbst Alkohol herstellte.

Sie begann, erste Kurzgeschichten zu schreiben. Auch in der neuen Zeitung „Päijänne“ in Jyväskylä, deren Mitherausgeber ihr Mann war, veröffentlichte sie Artikel. Später war sie als erste weibliche finnischsprachige Journalistin selbstständig tätig. Sie arbeitete unter anderem für die landesweiten Zeitungen „Uusi Suometar“, „Päivälehti“ und „Valvoja“.

Canths literarisches Schaffen

Durch das in ihrer Stadt gastierende Finnische Theater begann sie selbst Stücke zu schreiben. Noch vor Fertigstellung ihres ersten Stückes starb ihr Mann. Um finanziell abgesichert zu sein, zog sie zurück zu ihrer ebenfalls verwitweten Mutter und übernahm die Tuchhandlung ihres Vaters in Kuopio. Sie beendete ihr Stück „Murtovarkaus“ (dt. Der Einbruch) und schickte es ans Finnische Theater, wo es zu einem großen Erfolg wurde. Sie erhielt dafür den finnischen Literaturpreis.

In ihrem Stück „Työmiehen vaimo“ (dt. Die Frau des Arbeiters) von 1885 behandelte sie das Schicksal einer Frau, deren Mann das gesamte Vermögen durch seine Alkoholsucht verprasst. Wegen der vorherrschenden Gesetze kann die Frau allerdings nichts dagegen tun. Canth zeigte damit die Ungerechtigkeit dieses Gesetzes auf und verurteilte gleichzeitig den Missbrauch von Alkohol in der Gesellschaft. Bereits wenige Monate später änderte die Regierung das Gesetz und führte die Gütertrennung ein.

Canth veröffentlichte mit dem Drama „Anna-Liisa“ 1895 ein weiteres bekanntes Werk, das sich um das Schicksal einer Kindsmörderin im ländlichen Milieu dreht. Die 15-jährige Anna-Liisa wird unverheiratet schwanger und verheimlicht den Umstand bis zur Geburt. In Panik bringt sie das schreiende Kind um. Die Mutter Husso des Kindsvater Mikko hilft ihr, das Kind zu vergraben. Einige Jahre später, als Anna-Liisa Johannes heiraten möchte, erpressen die beiden die junge Frau: Wenn sie Mikko nicht heiratet, werden sie das Geheimnis verraten. Als Anna-Liisa nicht nachgibt und die Wahrheit schließlich ans Licht kommt, gibt sie ihre Tat zu. Letzten Endes wird sie von der Polizei abgeführt.

Wirken auf die Nachwelt

Gemälde von Kaarlo Vuori via Wikimedia Commons

Obwohl ihr viel Kritik in der Gesellschaft entgegenschlug, setzte sie sich weiterhin für die Frauen und ihre Rechte ein. Auch bemühte sie sich, soziale Missstände aufzuzeigen. Zehn Jahre nach ihrem Tod führte Finnland als erstes europäisches Land 1907 das Frauenwahlrecht ein. Canth gilt seit jeher als führende Repräsentantin des finnischen Realismus. Sie forderte die Gleichberechtigung der Frau und grundlegende Reformen der Frauenrechte in der Ehe. Zeitweise waren ihre Werke sogar verboten.

Heutzutage findet man ihr Gesicht auf Münzen und Briefmarken. Es gibt zahlreiche Denkmäler und Gemälde, die ihr zu Ehren erschaffen wurden. Auch ihre Theaterstücke werden weiterhin aufgeführt.

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Jaana

Wurde die Liebe zu Finnland bereits in die Wiege gelegt und mag alles, was mit der nordischen Natur, Kultur und Literatur zutun hat. Ist eine Frau der vielen Worte, träumt aber dennoch von einem Leben im einsamen Mökki. Möchte jetzt nach dem Studium der Fennistik auch anderen ihre Begeisterung zum Norden näherbringen.