Interview mit Martin Schönemann

Estland, Finland, Ägypten: In unserer Reihe über die Mitarbeitenden im Institut für Fennistik und Skandinavistik stellen wir heute Martin Schönemann vor, der im Estnischlektorat und als Dozent für Sprachwissenschaften an der Universität Greifswald tätig ist. Außerdem bringt er viel Erfahrung aus dem Ausland ins Nordische Institut.

Baltic Cultures: Würden Sie bitte kurz Ihren Werdegang beschreiben: Was haben Sie studiert und waren Sie während Ihres Studiums im Ausland?

Schönemann: Ich habe meinen Bachelor in Fennistik und Deutsch als Fremdsprache an der          Universität Greifswald absolviert. Währenddessen habe ich ein Jahr in Jyväskylä, Finnland, gelebt. Meinen Master „Deutsch als Fremdsprache im arabisch-deutschen Kontext“ habe ich in Leipzig absolviert. Während dieser Zeit war ich für ein Semester in Ägypten. Anschließend habe ich Praktika in Polen und Oulu absolviert.

Baltic Cultures: Was haben Sie nach Ihrem Studium gemacht?

Schönemann: Nach meinem Studium bin ich mit dem DAAD- Sprachassistenzprogramm für ein Jahr an die Universität Helsinki gegangen und schließlich für vier Jahre nach Tartu, Estland, als DAAD- Lektor. DAAD ist ein Austauschdienst, der Stipendien für Sprachassistenzen vergibt. Ich war in Tartu an der Uni angestellt und habe Deutschkurse, Landeskunde und Sprachwissenschaften unterrichtet.

Baltic Cultures: Seit wann sind Sie in Greifswald und wie sind Sie auf die Stadt gekommen?

Schönemann: Ich unterrichte seit Oktober 2018 in Greifswald, allerding erstmal nur für ein Semester. Zu meiner Stelle bin ich durch den langjährigen Kontakt zu den Fennisten gekommen. Zudem wollte ich gerne etwas mit Estnisch machen, weil ich die Sprache in Tartu gut gelernt habe.

Baltic Cultures: Was ist Ihre Rolle im Institut?

Schönemann: Ich gebe einen Estnischkurs für Anfänger und Fortgeschrittene. Außerdem habe ich einen Lehrauftrag in der DaF und unterrichte dort Sprachwissenschaft.

Baltic Cultures: Wozu forschen Sie gerade und was sind normalerweise Ihre Aufgaben?

Schönemann: Mein Forschungsprojekt dreht sich um die Materialentwicklung im Estnischunterricht. Ich stehe auch in Kontakt mit der estnischen Botschaft, um noch mehr Material zu beschaffen. Hier in Greifswald wechseln die Personen und Praktikanten, die Estnisch unterrichten, sehr oft. Die Fluktuation ist ein großes Problem und die bisherigen Unterrichtsmaterialien nicht wirklich gut für das Erlernen der estnischen Sprache. Ich möchte Materialien entwickeln, damit Studierende etwas in der Hand haben und es auch für die Lehrpersonen einfacher wird, Estnisch zu vermitteln.

Baltic Cultures: Warum sind Sie Fennist geworden?

Schönemann: Ich habe mich schon immer für Sprachen interessiert, die keiner kennt und die nicht viele Menschen sprechen. Erst gab es die Überlegung Mongolistik oder Sinologie zu studieren, aber da meine Vorfahren aus Finnland kommen habe ich mich schließlich für Finnisch entschieden. Außerdem hatte ich die Idee, dass man dort gut als Deutschlehrer leben kann.

Baltic Cultures: Was fasziniert Sie so sehr an Finnland und Estland?

Schönemann: Ich mag beide Länder sehr gerne, weil sie extrem entspannt und ruhig sind. Alles ist geordnet, unkompliziert und man kann so sein wie man möchte. Zudem ist die Natur dort wirklich schön. Die Esten haben außerdem nicht soviel Bedenken – es geht immer irgendwie alles gut. Deutschland ist das komplette Gegenteil. Hier wird oft viel gezweifelt.

Baltic Cultures: Haben Sie einen Lese-, Film-, oder Theatertipp aus dem Norden?

Schönemann: Die Krimis von Leena Lehtolainen gefallen mir sehr gut. Ich lese gerne im Original und sie schreibt Romane in relativ simpler finnischer Sprache. Außerdem wurde mir ein estnischer Film namens „Rehepapp“ von Andrus Kivirähk sehr empfohlen. Er ist ein aktuelles Schlüsseldrama und ich würde wirklich gerne einen Filmabend im Institut veranstalten, um den Film zu zeigen.

Wir danken Martin Schönemann für das Interview!

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Katharina Hemmer