Finnland-Alumni – Teil 4: Laura Stolz

Foto: privat

Fennistik – es klingt im Namen schon an – ist die Wissenschaft von der finnischen Sprache, Literatur und Kultur. Doch was erwartet die Studierenden, die sich für das Fach entscheiden? Wie findet man zu diesem doch eher ungewöhnlichen Studiengang, und welche Laufbahnen eröffnen sich nach dem Abschluss?

In der vierten Folge unserer Reihe erzählt die Kulturreferentin der DFG Rheinland-Pfalz/Saarland Laura Stolz, wie sie zwischen Greifswald und dem Polarkreis Finnisch lernte, Mittsommerfeste feierte, mit Feuer- und Eisskulpturen arbeitete und als Tourismusmanagerin heute den Spagat zwischen Finnland und Deutschland macht.


Wie hast Du Finnland und die Fennistik für Dich entdeckt?

Nach meinem Abitur bin ich als Au-pair nach Jyväskylä gegangen. Die Gründe waren eigentlich simpel: Ich wollte rausfinden, was ich nach der Schule machen möchte und zudem etwas Finnisch lernen, da ich als Halbfinnin zwar die finnische Schule in Wiesbaden besucht hatte, jedoch keine finnischen Sätze bilden, geschweige denn mit meinen finnischen Verwandten reden konnte.

In Jyväskylä lernte ich dann schnell einige deutsche Au-pairs kennen und erfuhr von der Möglichkeit des Fennistikstudiums in Deutschland, genauer gesagt in Greifswald. Also beschloss ich, das Studium dort zum nächsten Wintersemester zu beginnen.

Welche Erwartungen hattest Du an Dein Studium und was hat Dir besonders gefallen?

Hauptziel meines Studiums war das Erwerben von Sprachkenntnissen, damit ich mich auf Finnisch unterhalten konnte. Durch ein Sprachstipendium für einen einmonatigen Aufenthalt in Savonlinna über das damalige Zentrum für internationale Mobilität CIMO sowie ein Erasmusjahr in Joensuu konnte ich meine in Greifswald erworbenen Sprachkenntnisse enorm ausbauen. Hilfreich war dabei sicherlich auch, dass ich während des Erasmusjahres bei meiner Tante leben konnte, mit der ich täglich auf Finnisch kommunizierte.

Spaß gemacht haben mir in Greifswald die landeskundlichen Kurse sowie die Grammatikkurse. Außerdem gefielen mir die familiäre Atmosphäre am Nordischen Institut und der Charme der historischen Villa, in der das Institut sich damals noch befand. Wir hatten dort viele Gelegenheiten, nordische Feste zu feiern, wie die Pikkujoulu-Feier vor Weihnachten, die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag Finnlands, das Lichterfest Lucia und das Mittsommerfest Juhannus, aber auch gemeinsame Karaoke-Abende.

Nach meinem Bachelorstudium in Greifswald zog ich für zwei Jahre an den Polarkreis, um an der Universität Rovaniemi den European Master in Arts, Culture and International Management zu studieren.

Welche Erfahrungen hast Du aus Deinem Studium in Finnland mitgenommen?

Das Studium – zuerst in Joensuu und dann in Rovaniemi – hat mir sehr gut gefallen, da wir Studierenden relativ viel Freiraum in der Fächerwahl hatten. Gerade, dass ich an der Kunstfakultät ansässig war, gab mir die Möglichkeit, viele spannende Kurse und Exkursion wahrzunehmen, wie eine Exkursion nach Kilpisjärvi, bei der Studierende und Doktoranten aus Kunst und Naturwissenschaft gemeinsame Projekte entwickelten. Dazu kamen noch Workshops mit Feuer- und Eisskulpturen.

Wie ging es nach Deinem Studium weiter?

Während ich meine Masterarbeit schrieb, war ich vier Monate am Finnland-Institut in Berlin als Praktikantin tätig, wo ich viele Kontakte zu finnischen Kunst- und Kulturschaffenden knüpfte und einige Musikerinnen und Musiker traf, die ich schon in Rovaniemi kennengelernt hatte. Leider half mir dieses Praktikum nicht über die Schwierigkeiten hinweg, einen Job im Bereich Kulturmanagement zu finden. Das mag daran liegen, dass ich während meines Studiums keine weiteren Praktika gemacht hatte, um mich zu spezialisieren: Kulturmanagement ist ein breit gefächertes Gebiet und reicht von Marketing über Veranstaltungsorganisation bis hin zur Museumsarbeit. Nach einigen Nebenjobs und zahlreichen Bewerbungen durfte ich ein Praktikum bei einem Kunstverein in Stuttgart machen. Diese Tätigkeit war die Grundlage für mein Volontariat beim Kloster Bronnbach in Wertheim, wo ich im Bereich Kulturmanagement/Kulturmarketing arbeitete und schließlich die Zusage zu meiner derzeitigen Stelle als Tourismusmanagerin erhielt.

Bei meiner jetzigen Tätigkeit versuche ich natürlich auch weiterhin etwas finnische Kultur einfließen zu lassen. Deshalb engagiere ich mich als Kulturreferentin für den Landesverein Rheinland-Pfalz/Saarland der Deutsch-Finnischen Gesellschaft. In diesem Ehrenamt organisiere ich Konzerte finnischer Musikerinnen und Musiker. Das macht wirklich Spaß, denn ich darf mir ihre Musik schon bei der jährlichen Kulturtagung der DFG in Helsinki live anhören und mitentscheiden, wer im nächsten Jahr zu uns auf Tournee kommt.

Welchen Ratschlag würdest Du einem*r angehenden Student*in der Fennistik geben?

Da die Fennistik ein Orchideenfach ist, würde ich empfehlen, sich schon während des Studiums zu orientieren, in welche Richtung man einmal beruflich gehen möchte. Entscheidend finde ich jedoch, dass man Fennistik aus Interesse studiert, Spaß daran hat und sich von Vorurteilen, dass man damit ja eh keinen Job findet, nicht abschrecken lässt. Ein Orchideenfach bringt in Bewerbungsprozessen oft Aufmerksamkeit ein, die man nicht unterschätzen sollte! Und viel wichtiger ist sowieso, etwas zu machen, worauf man wirklich Lust hat!

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Claudia Nierste

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