Finnland-Alumni – Teil 3: Ilse Winkler

Foto: privat

Fennistik – es klingt im Namen schon an – ist die Wissenschaft von der finnischen Sprache, Literatur und Kultur. Doch was erwartet die Studierenden, die sich für das Fach entscheiden? Wie findet man zu diesem doch eher ungewöhnlichen Studiengang, und welche Laufbahnen eröffnen sich nach dem Abschluss?

In der dritten Folge unserer Reihe berichtet Ilse Winkler von überraschenden Entdeckungen im Urlaub, finnischem Frakturdruck in Greifswald und ihren Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt.

Wie hast Du Finnland und die Fennistik für Dich entdeckt?

Im Urlaub habe ich mich in Land und Leute und vor allem in die finnische Sprache verliebt. Natürlich hatte ich gehört, dass es so gut wie unmöglich ist, Finnisch zu lernen, aber dann erzählte mir die Vermieterin unseres Mökkis Folgendes: Ein paar finnischsprachige Einträge in ihrem Gästebuch stammten von einer deutschen Frau, die seit vielen Jahren immer wieder dort Urlaub machte. – Da wusste ich, es ist zu schaffen. Nach dem Urlaub schrieb ich mich in Deutschland gleich in einen Finnischkurs an der Volkshochschule ein. Als mir im Lauf der Jahre die Kurse ausgingen, weil auf meinem Niveau nicht genug Kursteilnehmer zusammenkamen, merkte, ich, dass ich als studierte Germanistin reif war für ein Masterstudium der Fennistik.

Was hat Dich im Studium besonders interessiert?

Alles, was mit Finnland zusammenhing. Dass Schwedisch (Spracherwerb, Literatur, Phonetik etc.) durch mein Zweitfach Skandinavistik so viel Platz einnahm, war mir dagegen ehrlich gesagt eher lästig. Besonders interessant fand ich die Sprach- und Literaturgeschichte des Finnischen. Als Highlight habe ich die alten Zeitungen mit Frakturdruck empfunden, die Prof. Pantermöller mitbrachte und deren Artikel einen guten Einblick in die finnische Mentalität gaben.

Was hast Du nach dem Studium gemacht?

Ich habe Übersetzungsseminare besucht, mich mit dem deutschen Literaturbetrieb vernetzt, so gut ich konnte, und versucht, einen Fuß in die Tür des Übersetzungsbusiness zu bekommen.

Welchen Ratschlag würdest Du einem*r angehenden Student*in der Fennistik geben?

Das ist schwer zu beantworten. Wenn man vom Norden begeistert und bereit ist, sich einige Jahre lang ins Thema zu vertiefen, ist es auf jeden Fall sehr zu empfehlen. Es macht Spaß, und man ist Gesprächsthema auf jeder Party, denn wer kann schon Finnisch? Aber: Man sollte wissen, dass nach dem Studium nur wenige ausschließlich von der Fennistik leben werden. Es ist besser, wenn man sich noch ein zweites Standbein aufbaut.

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Claudia Nierste

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