Der Entdecker des Sauerstoffs

Euer Baltic Cultures Adventskalender – Türchen 11

Als im Mai 1618 der Dreißigjährige Krieg, ein Religionskrieg, in dem Katholiken und Protestanten um die Vorherrschaft ihres Glaubens gegeneinander kämpften, in Prag entbrannte, sollte es nicht mehr lange dauern bis sich dieser auf viele Kriegsherde in ganz Europa ausweitete und der Krieg zum Kräftemessen der europäischen Großmächte ausartete. Besonders Vorpommern blieb damals nicht verschont und wurde zum Schauplatz von Kämpfen, Brandschatzungen und strengen Lebensmittelrationierungen, die schätzungsweise ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung dahinrafften. Dreißig Jahre nach Ausbruch des Krieges einigte man sich schließlich im Jahr 1648 darauf, die Waffen niederzulegen und man erklärte den Krieg für beendet. In Folge dessen wurde dem Schwedischen Reich unter anderem die Region Vorpommern mit Stettin, Stralsund und Rügen zugesprochen, welche fortan in weiten Teilen bis 1815 unter dem Namen Svenska Pommern unter schwedischer Herrschaft stehen sollte. In dieser Zeit von mehr als 150 Jahren haben in Svenska Pommern einige wichtige und für die schwedische Geschichte einflussreiche Persönlichkeiten gelebt und gewirkt, von denen wir im Adventskalender nun drei vorstellen wollen.


Carl Wilhelm Scheele wurde 1742 in Stralsund, Svenska Pommern geboren. Er hatte zehn Geschwister und die Geschäfte seines Vaters, eines Kornhändlers, gingen zeitweise eher schlecht als recht, trotzdem konnte Carl Wilhelm eine Privatschule besuchen und später nach Göteborg umziehen. Er begann dort eine Lehre in der Apotheke mit dem schönen Namen „Zum Einhorn“. Sein aus Güstrow stammender Lehrmeister entdeckte schnell sein Potential und schickte ihn nach Malmö, wo er neben seiner Lehre begann, seine ersten Versuche aufzuzeichnen. Diese Schriften wurden allerdings von den meisten Professoren abgelehnt, erst Anders Jahan Retzius, Chemiker an der Universität zu Lund, wusste seine Arbeit zu schätzen. Er wies ihn in die Arbeitsweisen der Chemie ein und wurde sein Freund und Unterstützer. Sie zogen gemeinsam nach Stockholm und setzten ihre Untersuchungen zusammen fort. Dennoch musste Scheele nebenbei weiter als Apotheker arbeiten. Erst nach einem weiteren Umzug nach Uppsala wurde das Glück ihm hold. Er arbeitete in der Apotheke eines ehemals aus Pommern Stammenden, aus welcher der renommierte Chemiker Torbern Olof Bergman seine Chemikalien bezog. Der Zufall wollte es, dass einer der Stoffe ungewöhnlich reagierte und keiner herausfinden konnte, weshalb. Erst Scheele erkannte die Lösung, woraus die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachleute hervorging. Er forschte nun als Laborant und wurde in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen – eine enorme Ehre für einen Nicht-Akademiker. Er entdeckte in dieser Zeit Sauerstoff und Stickstoff, allerdings veröffentlichte er seine Erkenntnisse erst fünf Jahre später. Dadurch verlor er einen Teil des Ruhms, da auch Joseph Priestley unabhängig von ihm in dieser Zeit den Sauerstoff entdeckte. Später reiste er nach Stockholm, legte das Examen als Apotheker ab und kaufte ein Wohnhaus samt eigener Apotheke. In den letzten Jahren seines Lebens litt er immer wieder an Rheuma und wurde schnell krank. Vermutlich hatte er einige Vergiftungen mit Chlor, Blausäure und verschiedenen Arsenverbindungen erlitten. Einen Tag vor seinem Tod heiratete er seine Haushaltsgehilfe, welche alleinige Erbin wurde, um mit einer tragischen Geschichte zu schließen. Er wurde nur 44 Jahre alt.

Zu seinen größten Erfolgen gehören die Entdeckung von Sauerstoff und Stickstoff, sowie wie vielen weiteren Elementen, die allerdings erst später als eigenständige neue Elemente verifiziert wurden. Außerdem führte er viele Analysen durch und entdeckte dadurch einige Verbindungen wie Blausäure und Zitronensäure.

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Lisa Fischer