„Auf Wiedersehen, Eisbär!“ (2018)

Ein Beitrag zum Darßer NaturfilmFestival 2018

Kaum eine Tierart steht mehr für die Gefahren und Herausforderungen des Klimawandels als der Eisbär. Das Bild eines Eisbären auf einer einsam auf dem Meer umhertreibenden Eisscholle gilt mittlerweile sogar als eine Art Symbolbild für den Umweltschutz – der Eisbär ist in den Medien recht prominent vertreten, nicht nur in Film und Fernsehen, sondern beispielsweise auch in Kampagnen von Umwelt-NGOs. Für einen Naturfilmer kann es deshalb schwierig sein, einen Film über Eisbären zu machen und dabei dieses aufgeladene Symbolbild hinter sich zu lassen und nur von den Tieren selbst und ihrer Geschichte in den schwierigen Zeiten globaler Erwärmung zu erzählen. Doch genau dies gelingt dem norwegischen Naturfilmer Asgeir Helgestadt mit dem Dokumentarfilm „Auf Wiedersehen, Eisbär“ (2018) auf ganz spielerische Weise.

© Asgeir Helgestad

Der Wind heult, der Schnee fegt hart über das Eis, ins Bild kommt ein wettergegerbtes, dick in eine Pelzkaputze gemummeltes Gesicht, am Bart hängen dicke Eiszapfen. Asgeir Helgestad ist auf Spurensuche. Der Naturfilm „Auf Wiedersehen, Eisbär!“ ist vor allem eins: eine Suche, denn seit Helgestad die Eisbärenmutter mit ihren beiden Jungen vor fünf Jahren zum ersten Mal sah, lässt ihn diese kleine Familie nicht mehr los und er macht sich immer wieder auf die Suche nach Bärenmutter Frost und ihrem Nachwuchs. Dafür reist er quer durch das Inselreich von Spitzbergen (norw.: Svalbard), das weit über dem Polarkreis im Arktischen Ozean liegt.

Schon seit zwanzig Jahren lebt Asgeir Helgestad in dieser arktischen Welt und ist fasziniert von der gewaltigen Landschaft, dem Spiel des Lichts im Laufe der Jahreszeiten, der Stille und dem Gefühl, völlig allein in der Natur zu sein. Zusammen mit Helgestad begibt sich der Zuschauer auf die gemeinsame Suche nach Frost und ihren Jungen und begegnet hier nicht nur der kleinen Bärenfamilie, sondern auch anderen Tieren, wie Polarfüchsen oder Ringelrobben.

Das Besondere an diesem Film ist die Perspektivierung, denn bei allen Begegnungen mit der Eisbärfamilie wird der Blick nicht nur auf die große, wohlgenährte Bärenmama gerichtet, wie sie liebevoll mit ihren beiden Bärenjungen spielt, die wild durch den Schnee rutschen, sondern Asgeir Helgestad zeigt auch sich selbst hinter der Kamera und seine eigenen Reaktionen auf die Begegnungen. Dabei steht der Naturfilmer nicht im Zentrum, wie es manchmal der Fall ist, wenn Naturbeobachtung und das Outdoor-Leben eines Naturfilmers zum Gegenstand des Filmes selbst werden, sondern vielmehr die vertrauliche Begegnung von Mensch und Tier. Es sind Bilder voller Freude und Hoffnung, und auch Helgestad strahlt immer wieder lächelnd hinter seiner Kamera hervor.

Helgestad erklärt, wie wichtig diese Begegnung für ihn ist: „Ich möchte die Seele des Tieres einfangen, Teil ihrer Welt werden“.

Doch aller positiven Bilder zum Trotz macht der Film stets deutlich, wie gefährdet die Bären in ihrem Lebensraum eigentlich sind. Die Begegnung mit den wenigen Menschen, die auf Spitzbergen leben oder zu Besuch kommen, enden meist tödlich für die Bären. Und auch die Konsequenzen der globalen Erwärmung zeigen sich hier besonders deutlich, was den Bären sehr zu schaffen macht. Doch statt die Eisbären zur eingangs erwähnten Symbolfigur zu stilisieren, erzählt der Film lieber eine gute Geschichte, die auch den Erzähler selbst mit ins Geschehen einbezieht.

Warnung vor Eisbären – „gilt für ganz Svalbard“

 

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Katharina

Katharina

Hat Skandinavien und besonders die Insel Bornholm in ihr Herz geschlossen. Liebt Literatur, Kunst(-handwerk) und Design aus Skandinavien und ist immer offen für Neues. Kann das Forschen auch nach dem Masterstudium nicht lassen und promoviert jetzt zu skandinavischer Literatur.