Är det inte dags för fika?

Über die liebste Freizeitbeschäftigung der Schweden 

Bei einem Besuch in Schweden ist eines der ersten Worte, das man zu hören bekommt und bestimmt so schnell nicht wieder vergessen wird, das Wort fika. Dieser schwedische Ausdruck ist essentiell für jeglichen Aufenthalt im hohen Norden. Wer die Tradition kennt, weiß, dass die Übersetzung „Kaffeepause“ in einem deutschen Wörterbuch dieser Aktivität nicht im Geringsten gerecht wird. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Ausdruck, der so schwierig ins Deutsche zu übertragen ist? Und woher kommt eigentlich dieses etwas eigenartige Wort?

Fika – das können die Schweden jederzeit, an jedem Ort und am liebsten den ganzen Tag. Aus dem kulturellen und sozialen Leben ist es nicht wegzudenken. Fika ist inzwischen zu einer der beliebtesten (Freizeit-)Beschäftigungen im Land geworden, geradezu zu einer „sozialen Institution“. Das Unternehmen Gevalia, eine bekannte schwedische Kaffeerösterei, hat sogar Befragungen zu den fika-Gewohnheiten der Schweden durchgeführt (Gevalias fikarapport), aus denen hervorgeht, dass diese pro Jahr insgesamt etwa 9,5 Tage mit fika verbringen (2013).

Kaffeepausen scheinen also eine wesentliche Rolle im Alltag der Schweden zu spielen. Deshalb ist es auch nicht allzu überraschend, dass sich für diese Aktivität ein eigenes Wort etabliert hat. Der Ausdruck fika ist dokumentiert seit dem frühen 20. Jahrhundert, was natürlich nicht bedeutet, dass man erst dann anfing, Kaffeepausen zu machen. Wie es im Deutschen bis heute der Fall ist, hat es vorher schlicht und einfach kein einzelnes Wort gegeben, mit dem diese Art der Pause beschrieben werden konnte. Es gibt verschiedene Erklärungen dafür, wie der Ausdruck entstanden sein könnte. Hier zwei der glaubwürdigsten Theorien:

Weit verbreitet ist die Erklärung, dass das Wort fika anfangs in verschiedenen Typen von Slang oder Dialekten verwendet wurde. Sein Ursprung liegt demnach in der Vertauschung der Silben des Wortes kaffi, welches eine Variation des gewöhnlich gebräuchlichen Wortes kaffe war. Man kann also davon ausgehen, dass zu Beginn weder Tee oder Saft noch Limonade getrunken wurde; Getränke, die heute durchaus übliche Alternativen unter nicht-Kaffeetrinkern darstellen.

Eine weitere Theorie leitet das Wort von einer heimlichen Codesprache ab, der sogenannten fikonspråket, die seit Beginn des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. In dieser werden ebenfalls die Silben eines Wortes vertauscht, jedoch außerdem mit dem Wort fikon ,Feigeʻ neu zusammengesetzt. Das ursprüngliche Wort wird nach dem ersten betonten Vokal in zwei Teile zerlegt. Daraufhin vertauscht man die beiden entstandenen Wortteile und setzt die Silbe „fi-“ vor den ersten Teil und die Silbe „-kon“ hinter den zweiten Teil. Aus der Stadt U-ppsala wird auf diese Weise beispielsweise Fi-ppsala U-kon. Und aus dem Ausdruck dri-cka ka-ffe ,Kaffe trinkenʻ wird so fi-ka dri-ckon fi-ffe ka-kon. Da es auf Dauer etwas umständlich war, diese Formulierung zu benutzen, jedes Mal, wenn man Kaffee trinken wollte, blieb schließlich nur noch das erste Wort, also fika, übrig.

Fragt man die Schweden selbst, was sich hinter diesem Phänomen verbirgt, erhält man unterschiedliche Antworten. Es wird bezeichnet als eine Pause im Alltag, als Entschuldigung dafür, die Arbeit zu unterbrechen – am liebsten mehrmals am Tag –, als Zeit der Erholung oder als Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen. Eines wird dabei sehr schnell klar: Mit einem einzigen Wort lässt sich fika nicht beschreiben, es verbirgt sich wesentlich mehr dahinter als eine einfache Tasse Kaffee: Vielmehr bedeutet es, Energie zu tanken, den Kopf frei zu bekommen. Aber auch sich in angenehmer und ungezwungener Atmosphäre auszutauschen, soziale Kontakte zu pflegen und neue zu knüpfen. Dabei kann das Themenspektrum von Klatsch und Tratsch im Freundeskreis über Probleme am Arbeitsplatz bis hin zu tagesaktuellen Geschehnissen in der Politik reichen. Die Tasse Kaffee wird dabei beinahe zur Nebensache. Aber nur beinahe – denn ganz ohne würde es ja doch nicht gehen.

Wird die fika-Pause in der Freizeit vor allem genutzt, um sich mit Freunden und Bekannten zu treffen, bietet der eigens dafür eingerichtete fika-Raum am Arbeitsplatz eine informelle Plattform, um die Kollegen – und vielleicht auch den Chef – besser kennenzulernen, da hier Hierarchien aufgebrochen und auch andere Themen als der Job angesprochen werden. Gleichzeitig können fika-Pausen jedoch auch ungeplant zu kreativen Arbeitstreffen werden. Jenseits des Schreibtisches bieten sich ganz andere Möglichkeiten, sich von den Kollegen inspirieren zu lassen und neue Ideen zu formulieren. So kann sich eine „einfache Kaffeepause“ als eines der ergiebigsten Meetings des Tages erweisen.

Obwohl während der fika-Pause inzwischen auch Tee oder Saft „erlaubt“ sind, ist Kaffee zu diesem Anlass nach wie vor das Lieblingsgetränk der Schweden. Das Land ist neben Finnland und den anderen skandinavischen Ländern eines der größten Kaffeekonsumenten der Welt. Das Getränk selbst ist natürlich nicht sonderlich schwedisch,  besonders viel Kaffee zu trinken hingegen schon. Viele Cafébesucher meinen sogar, die Schweden hätten den besten Kaffee der Welt, ganz einfach aus dem Grund, weil sie die besten Bohnen kaufen. Als man im 19. Jahrhundert begann, Kaffee in größerem Ausmaß zu sich zu nehmen, waren es zunächst nur die Männer, die dies in der Öffentlichkeit tun durften. Sie trafen sich in Cafés oder anderen Lokalen, um über Politik zu sprechen und heiße Diskussionen zu führen. Frauen durften bei solchen Zusammenkünften nicht dabei sein. Schon bald fingen sie an, stattdessen ihre Freundinnen zu kafferep (ungefähr: ,Kaffeeklatschʻ) zu sich nach Hause einzuladen. Aus dieser Zeit stammt auch der Brauch, seinen Gästen sju sorters kakor, also mindestens sieben verschiedene Kekssorten, anbieten können zu müssen.

Das wird heute nicht mehr ganz so streng gesehen, aber wenn es um ihre fika-Tradition geht, sind die Schweden etwas eigen. Zweimal am Tag, immer gegen 10 Uhr am Vormittag und 15 Uhr am Nachmittag, scheint das Leben in dem nordischen Land mehr oder weniger still zu stehen. Im fika-Raum hingegen stehen sie Schlange – vor der Kaffeemaschine. Vielleicht können sich andere Nationen hier etwas von den „fika-verrückten“ Schweden abschauen. Denn dass man mit einem »Swedish fika« sogar den Weltfrieden vorantreiben könnte – dessen sind sich zumindest die beiden Musiker von Go Royal sicher. Aber seht selbst:

               

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Julia

Julia

Mag den sanften Klang des Nordens und weite skandinavische Landschaften. Fühlt sich besonders zu Hause in der schwedischen Sprache und begeistert sich für schwedische Literatur und Folkmusik. Unternimmt liebend gerne Reisen – nicht nur in Richtung nordische Gefilde – und freut sich immer über inspirierende Begegnungen und Einblicke in fremde Kulturen und Bräuche.