100 Jahre Ingmar Bergman

Ingmar Bergman schrieb mit Filmen wie Das Schweigen, Das siebente Siegel, Wilde Erdbeeren oder Fanny und Alexander Filmgeschichte. Heute, am 14. Juli, wäre der 2007 verstorbene schwedische Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur 100 Jahre alt geworden. Grund genug dafür, das Leben und Werk des begnadeten Filmemachers einmal genauer zu betrachten.

Bergman, am 14. Juli 1918 in Uppsala geboren, wuchs als mittleres von drei Kindern in einer von strenger Erziehung und protestantischem Glauben geprägten Familie auf. Mit aller Härte legte sein Vater, der Pfarrer war, besonderen Wert auf die Einhaltung von Moral und Sitte und auch seine Mutter forderte die Gehorsam der Kinder ein. Die Beziehung zu den Eltern war sehr konfliktgeladen. Ungehorsam wurde sofort mit Rohrstockschlägen oder mit Einsperren in der Garderobe bestraft. „Mutters Ohrfeigentechnik war nicht zu überbieten. Der Schlag wurde blitzschnell und mit der linken Hand ausgeführt, an der zwei schwere Eheringe der Strafe schmerzhaften Nachdruck verliehen“, erinnerte sich Ingmar Bergman in späten Jahren. Diese Erlebnisse verarbeitete er unter anderem in Filmen wie Die Hörige (1944), Die Stunde des Wolfs (1968) oder Von Angesicht zu Angesicht (1976).

Bergmans Interesse für den Film wurde bereits in jungen Jahren geweckt. Sein Vater nutzte während des Religionsunterrichts zur Veranschaulichung eine Laterna Magica und schenkte Bergmans Bruder zum 10. Geburtstag einen Kinematographen, den Bergman schließlich später im Tausch gegen einhundert Zinnsoldaten erwarb und von seinem Taschengeld Filme für das Gerät kaufte. Regelmäßig wurde er außerdem von seiner Großmutter ins Kino mitgenommen.

Während er sich zu Beginn seiner Karriere intensiv mit den Klassikern der skandinavischen Literatur auseinandersetzte und mit seinen Filmen an die Werke von Carl Theodor Dreyer oder Victor Sjöström anknüpfte, entwickelte Bergman nach und nach seinen eigenen unverkennbaren Stil. Seine Filme sind von einer düsteren Atmosphäre geprägt. Immer wieder konfrontiert er die Zuschauer in seinem Werk mit bedrückenden Emotionen. Leitmotive sind vor allem das Schweigen oder Fehlen Gottes, der Tod, nach dem nichts mehr kommt, Hass, Verrat, der Mangel an Liebe oder der Kampf mit Autoritäten. Bergman thematisiert den unauflösbaren Widerspruch zwischen Lust und Moral, entlarvt Lügen, Maskeraden und Heuchelei und persönliche Identität. Dabei ist er mitunter autobiographisch und greift auf seine eigenen Kindheitserfahrungen zurück.
Doch Bergmans Werk hat neben der düsteren auch eine helle Seite.
So drücken seine Filme trotz aller Schwere immer auch einen unbändigen Lebensdrang aus. Ebenso gehören Komödien zu seinem Repertoire und nicht zuletzt ergriff er auch Zeit seines Lebens Partei für Frauen und nimmt in seinen Filmen weibliche Perspektiven ein.

Sein Gesamtwerk umfasst 60 Filme und 170 Theaterstücke in fast 60 Jahren Schaffenszeit, was ihn zu einem der produktivsten Regisseure in der Filmgeschichte macht. Zu den bekanntesten, seiner zahlreichen Auszeichnungen zählen unter anderem der Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ für drei seiner Filme, der Europäische Filmpreis für sein Lebenswerk, der Goldene Löwe von Venedig und die Goldene Palme in Cannes als „bester Regisseur aller Zeiten“.

 

Eine kleine Auswahl aus Ingmar Bergmans Werk:

Das siebente Siegel (1957)

Bis heute vermutlich der berühmteste Film Ingmar Bergmans und einer seiner größten künstlerischen Erfolge, sowie sein internationaler Durchbruch. Der Film spielt im Spätmittelalter und thematisiert den Tod sowie den Glauben bzw. den Unglauben.

 

Wilde Erdbeeren (1957)

Mit dem bekannten schwedischen Stummfilmregisseur Victor Sjöström in der Hauptrolle, handelt der Film davon, wie ein pensionierter Medizinprofessor sein Leben reflektiert und mit dem Thema Tod konfrontiert wird.

 

Das Schweigen (1963)

Der Film führte auf Grund offen gezeigter Sexdarstellungen zu einem der größten Filmskandale der 1960er Jahre und löste eine weitreichende Zensurdebatte aus. Im Film stranden zwei Schwestern und der Sohn einer der Frauen in einer fremden, unheilvollen Stadt, deren Sprache sie nicht verstehen und deren Straßen von Militärfahrzeugen und Kriegsvorbereitungen geprägt ist.

 

Fanny und Alexander (1982)

Bergmans letzter offizieller Kinofilm handelt von den Kindern Fanny und Alexander, die unter den erbarmungslosen Erziehungsmethoden ihres Stiefvaters, der Bischof ist, leiden.

About author View all posts

David

David

Begeistert sich von A wie Astrid Lindgren bis Z wie Zlatan Ibrahimovic für alles, was sich in der schwedischen Gesellschaft abspielt. Mag die nordische Peripherie, genauso wie das kosmopolitische Stockholm und hat ansonsten ein Faible für skandinavische Kinderliteratur, Esskultur und für’s Fotografieren.
Studiert im Master Kultur-Interkulturalität-Literatur und träumt vom Leben in Schweden.