Finnland-Alumni – Folge 1: Benjamin Schweitzer

Bild © Sonja-Wojnarova

Fennistik – es klingt im Namen schon an – ist die Wissenschaft von der finnischen Sprache, Literatur und Kultur. Doch was erwartet die Studierenden, die sich für das Fach entscheiden? Wie findet man zu diesem doch eher ungewöhnlichen Studiengang, und welche Laufbahnen eröffnen sich nach dem Abschluss?

Antworten auf diese Fragen gibt die Reihe „Finnland-Alumni“. Hier stellen wir Menschen vor, die auf ganz unterschiedliche Art zu ihrem besonderen Studiengang gefunden und danach ihren Weg in der Welt eingeschlagen haben.

Im Folgenden berichtet der Übersetzer und Komponist Benjamin Schweitzer von seinem Masterstudium der Fennistik und Skandinavistik in Greifswald und seinen Erfahrungen als Quereinsteiger.

Was verbindet Dich mit Finnland und wie hast Du zu Deinem Studienfach gefunden?

Ich habe als kleines Kind ein Jahr in Finnland gelebt und danach meinen Sommerurlaub immer dort verbracht. Das war natürlich sehr prägend, auch wenn ich während dieser kurzen Aufenthalte nur oberflächlich mit der Sprache in Kontakt kam. Später habe ich im Rahmen meines ersten Studiums ein Jahr an der Sibelius-Akademie in Helsinki verbracht und in dieser Zeit, also mit Mitte Zwanzig, endlich auch angefangen, die Sprache ernsthaft zu lernen.

Das Masterstudium in Greifswald war für mich dann die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches, nämlich einen wissenschaftlich fundierten und systematischen Einblick in alle Aspekte des Finnischen zu bekommen. Außerdem wollte ich meinen Zweitberuf als Übersetzer durch dieses Studium auf ein stabileres Fundament stellen. Das Masterstudium in Greifswald schien mir ideal auf meine Bedürfnisse als Quereinsteiger zugeschnitten zu sein.

Welche Themen haben Dich im Studium besonders interessiert?

Schwer zu sagen, denn für mich war erst einmal alles interessant. Sprachwandel, Sprachkontakt und Sprachgeschichte fand ich besonders spannend, also alles, was mit der Entwicklung der Sprache zu ihrer heutigen Gestalt zu tun hat. Meine Masterarbeit habe ich dann auch über ein Thema geschrieben, das viel mit der Entwicklung des Wortschatzes zu tun hatte.

Ein zweiter wichtiger Aspekt war die Beschäftigung mit dem Estnischen, deshalb habe ich auch ein Erasmus-Semester in Tartu verbracht. Ich fand es sehr wichtig, wenigstens eine der mit dem Finnischen nahe verwandten Sprachen genauer kennenzulernen, um zu verstehen, wie sich das Grundkonzept dieses Sprachtypus unter unterschiedlichen Voraussetzungen und Einflüssen entwickelt hat. Außerdem ist Estnisch eine witzige Sprache, die zu lernen sich unbedingt lohnt.

Welche Erfahrungen hast Du in der Fennistik als Quereinsteiger gemacht?

Für mich war es sehr praktisch, dass der Masterstudiengang in Greifswald so vielseitig und gleichzeitig dicht konzipiert ist. Als Quereinsteiger im Zweitstudium ist man ja aus ganz praktischen Gründen (Zeit und Geld) daran interessiert, möglichst effizient zu studieren. Von den strukturellen Vorteilen des Faches und der Universität (hervorragendes Betreuungsverhältnis und kurze Wege) habe ich dabei natürlich auch profitiert. Ich glaube, ein Fach wie Fennistik ist für Quer- und Späteinsteiger besonders geeignet, weil es wenig standardisierte Verlaufsmodelle gibt, bei denen man in einem bestimmten Alter bestimmte Dinge erreicht oder absolviert haben muss. Natürlich war es manchmal schräg, zwischen all den 20-25 Jahre jüngeren Kommilitoninnen zu sitzen, und die negativen Folgen von G8 und Bologna werden einem als älteres Semester natürlich auch viel massiver präsent, weil man ja den Vergleich ziehen kann, aber das ist nicht fennistikspezifisch.

Die modulare Durchstrukturierung des Studiengangs hat für Quereinsteiger gewisse Vorteile im Sinne der Effizienz, aber der allzu kleine Wahlpflichtbereich ist andererseits für jemanden, der weiß, was er (lernen) will, natürlich einengend. Im Nachhinein denke ich, dass ich mir da etwas mehr Zeit hätte nehmen sollen, um noch ein paar (auch fachfremde) Veranstaltungen einfach aus Interesse zu belegen.

Welchen Ratschlag würdest Du einem/einer angehenden Studenten/Studentin der Fennistik geben?

Das hängt ein bisschen vom Erfahrungshintergrund ab. Wenn es um das Erststudium geht, ist der wichtigste Rat vermutlich: Dranbleiben! Will sagen, man darf sich von den Hürden, die bei dieser Sprache am Anfang vielleicht etwas höher sind, nicht entmutigen lassen, denn dahinter liegt eine faszinierende Welt. Um die zu entdecken, muss man natürlich auch mal in Finnland gelebt haben.

Ein anderer wichtiger Rat wäre, sich frühzeitig ein zweites Fachgebiet zu suchen, das man mit seinen fennistischen Kenntnissen bereichern kann. „Fennistik und …“ eröffnet einem eine Vielfalt an praktisch/beruflich (oder auch wissenschaftlich) nutzbaren Möglichkeiten. Wer Fennistik studiert, erwirbt sich eine Spezialqualifikation, die sie/ihn von den vielen Menschen unterscheidet, die nur „irgendwas Sinnvolles“ studiert haben, und diese Spezialisierung lässt sich an erstaunlich viele Fachgebiete ankoppeln.

Als Quereinsteiger bzw. im Zweit- oder Masterstudium wiederum hat man ja meist schon ein definiertes berufliches Interessenspektrum. Hier würde ich dazu raten, es mit dem Pragmatismus nicht zu übertreiben und sich, wenn es irgend möglich ist, ein wenig Zeit zu nehmen, um noch in andere Fachbereiche reinzuschauen oder interessante Sekundärliteratur gründlicher zu lesen, als es der hektische Studienalltag zulässt. Das ist selbst innerhalb der regulären Masterstudienzeit möglich: Wenn man in den ersten beiden Semestern des Masters (ich rede jetzt spezifisch von LaDy und KIL, den Masterstudiengängen am Institut für Fennistik und Skandinavistik) die Zähne zusammenbeißt und den Wahlpflichtbereich früh absolviert, hat man im dritten Semester bereits einige Freiräume.

Ein ganz konkreter Tip: unbedingt Estnisch belegen und im Wahlpflichtbereich anrechnen lassen! Spezifisch dann, wenn man Skandinavistik als Zweitfach hat, kann man das gefürchtete Altnordisch mit Estnisch ersetzen und so das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.

Vi är kontantlös. – Wir nehmen kein Bargeld.

© Photo by Michael Longmire on Unsplash

Geld bedeutet geprägte Freiheit.“

Dieser Satz stammt von dem russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski aus dem 19. Jahrhundert – könnte aber auch aus dem Munde eines deutschen Staatsbürger stammen. In kaum einem anderen Land innerhalb Europas ist Bargeld nach wie vor so beliebt wie in Deutschland, womit es in einem krassen Gegensatz zu Schweden steht. Denn schon heute wird in Schweden nahezu jeder Betrag über den digitalen Weg gezahlt: sei es das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, die Kollekte in der Kirche oder der Kaffee beim Bäcker. Und es sieht nicht so aus, als würde sich in naher Zukunft etwas daran ändern. Read More

Osterhexen und Mämmi: So feiern die Finnen Ostern

In Finnland steht Ostern vor allem für den Frühlingsanfang.

Frohe Ostern! Oder wie man auf Finnisch sagt: „Hyvää Pääsiäistä!“ In diesem Artikel wollen wir euch ein paar Fakten über das Osterfest in Finnland vorstellen.

In Finnland gibt es anstatt des Osterhasen die Osterhexe. Die Menschen glaubten früher, dass zwischen den Osterfeiertagen die Osterhexen durchs Land fliegen und Unheil verbreiten. Die Osterfeuer in Finnland sollen helfen, sie zu vertreiben.

Noch heute gehen am Palmsonntag als Hexen verkleidete Kinder durch die Städte und bitten um Süßigkeiten und Kleingeld. Sie haben Kopftücher auf, bemalen sich ihre Gesichter schwarz und tragen Weiden- und Birkenzweige mit sich, die sie mit Federn beschmücken. Wenn sie an den Türen klingeln sagen sie einen bestimmten Spruch auf:“ Virvon, varvon, tuoreeks, terveeks, tulevaks vuodeksi, vitsa sulle palkka mulle“. Übersetzt heißt das soviel wie:“ Ich winke mit dem Zweig für ein frisches, gesundes, kommendes Jahr – ein Zweig für dich, ein Entgelt für mich“.

Obwohl es die Tradition mit dem Osterhasen nicht gibt, färben die Kinder trotzdem Eier und pflanzen einige Wochen vor Ostern Ostergras und stellen dies auf die Fensterbank. In Finnland bedeutet Ostern vor allem, dass der Winter endlich vorbei ist. Daher dekorieren die Finnen während der Osterzeit ihre Häuser gerne mit Tulpen, Lilien, Narzissen, Ostereiern, Küken und Hasen.

Ein beliebtes Ostergericht ist „Mämmi“, eine Art Roggenpudding, der mit Zucker und Milch gegessen wird. Außerdem essen viele Finnen auch gerne Lamm an Ostern.

Über die Osterfeiertage haben viele Finnen frei und gehen Ski fahren oder verbringen Zeit mit ihrer Familie. Am Gründonnerstag finden Abendmessen statt und in der Woche vor Ostern veranstalten viele Kirchen Konzerte. Am Ostersonntag gibt es eine besondere Tradition. Kinder ziehen mit Musikinstrumenten durch die Straßen, um den Winter auszuläuten und den Frühlingsbeginn zu feiern.

 

Quellen:

finntastic.de / finn-land.net/ fintouring.de

Wie die Finnen zum Finnischen fanden

Büste von Agricola Bild: Wikipedia

Heute, am 9. April, ist in Finnland wieder Flaggtag. Geehrt wird die finnische Sprache und der Reformator und Bischof Mikael Agricola (1509-1557), der als Vater der finnischen Schriftsprache gilt. Denn im Gegensatz zum Deutschen ist das geschriebene Finnisch noch sehr jung und wurde erst im 16. Jahrhundert von ebenjenem Agricola entwickelt.

Wir nutzen den Flaggtag und geben euch einen knappen Überblick über die Entwicklung der finnischen Schriftsprache – ein öder Titel, hinter dem sich eine spannende Geschichte versteckt.

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