Velkommen til Bornholms Kunstmuseum

Katha hat ihr Auslandssemester während des Greifswalder Masterstudiums in Kulturwissenschaft und skandinavische Literaturwissenschaft auf der Insel Bornholm verbracht. Was sie dort beschäftigt hat und wie es ihr ergangen ist, erzählt sie im Interview.

Katha Bornholm Kunstmuseum

Katha, du hast im Bornholmer Kunstmuseum gearbeitet. Was ist in dieser Kultureinrichtung zu sehen? Welche Ausstellungschwerpunkte gibt es?

Das Museum hat sich auf moderne Kunst spezialisiert. Die ältesten Bilder der Sammlung sind „nur“ 150 Jahre alt und stammen aus der Zeit der dänischen Romantik. Mit diesen Bildern beginnt man auch seinen Rundgang durch das Museum und man folgt der Entwicklung der dänischen Kunst bis man schließlich in der Gegenwart angekommen ist. Es ist wirklich spannend zu sehen, was in dieser relativ kurzen Zeitspanne in der Kunst passiert ist. Das Besondere der Sammlung ist, dass jedes einzelne Werk einen Bezug zu Bornholm haben muss. Einige Künstler wie z.B Oluf Høst sind auf der Insel geboren und „echte“ Bornholmer. Die meisten wie der bekannte dänische Surrealist Richard Mortensen waren „Sommerbornholmer“, die das intensive Licht und die besondere Landschaft der Insel als Inspiration nutzten. Und dann gibt es noch Künstler, die Bornholm nie besucht haben, die Insel aber dennoch in ihre Kunst einbinden, wie der japanische Künstler Nobuo Mitsunashi, dessen Keramikskulpturen typische Wahrzeichen von Bornholm abbilden wie z.B. die Räuchereien oder die Klippen.
Der größte Teil der Sammlung sind Gemälde, doch man kann auch zahlreiche Skulpturen in den Räumen des Museums und draußen im Skulpturengarten bewundern. Weiterhin legt das Museum einen besonderen Schwerpunkt auf Kunsthandwerk aus Keramik und Glas. Bornholm ist für seine Kunsthandwerker bekannt und deshalb gibt es jedes Jahr eine Biennale, die die besten Werke von Kunsthandwerkern aus aller Welt zeigt.

Wie sah ein normaler Tagesablauf bei dir aus? Welche Aufgaben hattest du?

Mein Tag begann immer mit einem morgendlichen Meeting mit den Kollegen. Hier haben wir besprochen, was in der nächsten Zeit so anfällt und einige Aufgaben geklärt. Manchmal kamen auch Leute von außerhalb dazu. Einmal hatten wir z.B. Besuch des Leiters der Abteilung für moderne Kunst aus der Eremitage in St. Petersburg, den ich dann auch im Haus herumgeführt habe. Mittags und nachmittags gab es dann weitere Meetings, so dass ich immer gut eingebunden war.
Meine Aufgaben waren wirklich sehr vielfältig. Zunächst wurde mir die Aufgabe übertragen, beim Kuratieren der nächsten Ausstellung mitzuhelfen. Diese Ausstellung zeigte ausschließlich Skulpturen aus der Museumssammlung und wurde anlässlich des Erscheinens der Jahresschrift für die Mitglieder des Museumsvereins ausgerichtet. Das Kunstmuseum ist Teil einer Museumsfamilie und alle vier Jahre ist das Kunstmuseum an der Reihe, die Jahresschrift zu gestalten, die dann an alle Mitglieder des Museumsvereins verteilt wird. Das erste Mal war die Jahresschrift ein Überblick über die wichtigsten Gemälde und dieses Mal waren die Skulpturen dran.
Die erste Jahresschrift mit den Gemälden wurde zu meiner zweiten großen Aufgabe. Die Schrift war nämlich nur auf Dänisch erschienen, doch die deutschen Touristen fragten auch sehr oft danach. Also habe ich sie vom Dänischen ins Deutsche übersetzt. Diese beiden Aufgaben haben gut fünf Monate meines Aufenthaltes in Anspruch genommen. Nebenbei habe ich auch Führungen für deutsche Touristen gegeben, doch da ich im Winterhalbjahr dort war, waren das nicht so viele.
In den letzten fünf Wochen habe ich mich dann um das Keramik- und Glasmagazin gekümmert. Viele der Werke waren noch nicht für die Online-Datenbank fotografiert und das habe ich dann übernommen. Alles in allem habe ich in diesem Praktikum eine ganze Menge gelernt und bin wirklich froh, dass ich dort gearbeitet habe!

Was würdest du als ein Highlight deiner Arbeit vor Ort bezeichnen?

Der Moment, als meine Ausstellung tatsächlich aufgebaut wurde. Ich hatte ein Modell aus Papier gebastelt, um herauszufinden, wie die Skulpturen in den Raum passen und miteinander harmonieren. Es war wirklich toll zu sehen, wie meine Ideen dann tatsächlich Gestalt annahmen.
Und einmal hatte ich ein schönes Erfolgserlebnis: Ich habe ein neues Bild für die Sammlung registriert und über diverse Markierungen und Zettel am Rahmen herausgefunden, dass das Bild einen alternativen Titel hatte, der aber nur in einem alten Ausstellungskatalog (ich glaube von 1941) aufgeführt war. Diesen Titel hatte noch nicht einmal das Lexikon über den Künstler verzeichnet und da war ich schon sehr stolz, das Bild unter diesem Titel in die Sammlung aufzunehmen.

Wenn man sich durch die Fotos auf der Website klickt, sieht man, dass das Museum direkt an steilen Granitklippen liegt und auf einem anderen Bild schaut ein Rind in die Linse. Das Museum scheint inmitten atemberaubender und idyllischer Landschaft zu liegen. Hattest du genug Zeit, um die Insel zu erkunden?

Auf jeden Fall! Bornholm ist eine wunderschöne Insel mit einer einzigartigen und abwechslungsreichen Landschaft. In meinem halben Jahr auf der Insel habe ich viele Touren durch die Natur und am Strand unternommen und habe die Zeit wirklich sehr genossen. Die Insel ist nicht besonders groß, man fährt von einem Ende zum anderen vielleicht eine Stunde. Trotzdem gibt es viele tolle Orte zu entdecken, auch abseits der beliebten Stellen wie Hammershus im Norden und Dueodde im Süden. Mein Sommerhaus lag mitten im Wald an der Westküste und ich habe am Wochenende oft Touren in der Umgebung gemacht. Meine Lieblingsroute, die ich oft gegangen oder gejoggt bin, lief z.B. direkt an der Steilküste entlang durch eine Art Mondlandschaft, die nach dem exzessiven Kohleabbau entstanden ist.

Könntest du dir auch für die Zukunft vorstellen, in der Museumsbranche zu arbeiten?

Auf jeden Fall. Die Arbeit im Museum hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich mag es sehr, immer wieder neue spannende Dinge in Kunst und Kultur zu entdecken. Natürlich habe ich aber auch gemerkt, dass es die Museumsbranche nicht einfach hat. In Dänemark wurde viel über die Kürzung der Mittel für Kultur und Museen gestritten und einige andere Institutionen wie das Statens Museum for Kunst in Kopenhagen mussten die Öffnungszeiten für einige Abteilungen bereits einschränken. Dennoch würde ich sehr gerne einen Versuch wagen.

Sprichst du jetzt eigentlich auch den Bornholmer Dialekt? 🙂

Nein, überhaupt nicht! Der Dialekt ist wirklich sehr eigen und es hat ca. vier Monate gedauert, bis ich alle meine Kollegen wirklich zu 100% verstanden habe. Der Dialekt ist dem Schwedischen ähnlich, hat jedoch jede Menge eigene Ausdrücke, die sich einem nicht sofort erschließen. Die echten Bornholmer sind natürlich sehr stolz auf ihren Dialekt und sprechen ihn auch im Alltag, was mir anfangs schon ein paar Probleme bereitet hat. Das geht aber nicht nur mir so, sondern tatsächlich haben auch viele Dänen Probleme, den Dialekt auf Anhieb zu verstehen. Es gibt sogar Wörterbücher mit dem Titel „Borholmsk – Rigsdansk“, also „Bornholmisch – Standarddänisch“ im Buchladen, das ist schon sehr bezeichnend.

Und planst du im Sommer nochmal nach Bornholm zurückzukehren und alte ArbeitskollegInnen zu besuchen?

Ja, auf jeden Fall. Ich habe sogar nochmal die Möglichkeit im Museum zu arbeiten. Ich habe einen Sommerjob als Kustodin angeboten bekommen und da habe ich natürlich sofort zugesagt. Ich freue mich schon riesig darauf, meine Kollegen wiederzusehen! Sie sind wirklich herzliche und sehr freundliche Leute und ich habe mich immer sehr wohl gefühlt. Es war eine tolle Zeit im Museum!

Das klingt super, wir wünschen dir einen schönen Sommer! Danke Katha!

      

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Wiebke

Wiebke

Planscht mit den Zehen im kalten Ostseewasser – von Nord, Süd, Ost oder West. Taucht ab in nordischen Wäldern und Weiten, in Literatur, Musik und skandinavischer Filmkunst.