Türchen Nr. 22

Agnar Mykle: Lasso rundt fru Luna. Gyldendal, Oslo 1966.

«Jeg er verdens største forfatter!», rief er schon zu Lebzeiten («Ich bin der beste Autor der Welt!»). Agnar Mykles Äußerung mag nach einem Blick auf seine Bücher wenig Bestand haben, zumal sie ihre provokative Kraft heute etwas eingebüßt haben, aber lohnend ist die Lektüre von „Lasso rundt fru Luna“ dennoch. Der Roman beschreibt das äußerst schmerzhafte Heranwachsen von Ask Burlefot, der in einem kleinen norwegischen Ort als Hilfslehrer an einer Handelsschule zu arbeiten beginnt und später zu deren Rektor wird. Dabei lernt er Gunnhild kennen, mit der er eine stürmische Beziehung beginnt, und, als diese Geschichte beendet ist, Siv, mit der die gleiche Chose von vorne anfängt. Es gibt wenige Bücher, die sich mit ihren Liebesszenen so viel Zeit lassen wie dieses; so kann der Leser etwa Asks wortwörtliche Ohnmacht Gunnhild gegenüber hautnah miterleben oder Zeuge seiner moralischen Verfehlungen werden, denn der junge Mann macht sich beiden gegenüber schuldig. Auch wenn Mykles Blick auf Geschlechterrollen heute hoffnungslos veraltet ist, bietet dieser Roman einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt seiner Charaktere. Dabei sind es vor allem die Extreme: Scham und Angst, aber auch Glück und Verzückung.
Auszug: „Kursen for et menneskes liv synes å bli staket ut et bestemt øyeblikk i ungdommen, et sted mellom dets 18. og 21. år. Det er det øyeblikk hvor det unge menneske forlater hjemmet og hjemstedet for å søke seg en jobb, reise til et fremmed sted, begynne på en høyere skole, eller hvor det rømmer fra gaten, bakgården, skjenselen.“ (S. 23)

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Wiebke

Wiebke

Planscht mit den Zehen im kalten Ostseewasser – von Nord, Süd, Ost oder West. Taucht ab in nordischen Wäldern und Weiten, in Literatur, Musik und skandinavischer Filmkunst.