Tag - Skandinavistik

Für die Skandinavistik von Changhua nach Greifswald

Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (EMAU)  ist  für ihre lange skandinavistische und fennistische Tradition bekannt. Dass dieser Ruf auch internationale Studenten anlockt, zeigt das Beispiel von Yang-Leng aus Taiwan. Im folgenden Gespräch erzählt sie davon, welche Unterschiede es zwischen den Universitäten in Deutschland und Taiwan gibt, welches Bild man in Taiwan von Skandinavien hat und wie ihr Weg sie von Changhua nach Greifswald geführt hat.

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Yang-Leng auf dem Mt. Esja in Reykjavík

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„Doing Heimat. Migration – Diaspora – soziale Mobilität in schwedischer Gegenwartsliteratur“

heimatNicht erst seit der Begriff „Globalisierung“ in aller Munde ist, kann die Bezeichnung „Heimat“ ambivalent aufgefasst werden. Allerdings betont unser Bewusstsein, in einer globalisierten Welt zu leben, die dynamischen Aspekte, die mit Heimat verbunden sind und die oft über die Definition „Heimat = Herkunft“ hinausgehen. In meiner Masterarbeit „Doing Heimat. Migration – Diaspora – soziale Mobilität in schwedischer Gegenwartsliteratur“ habe ich anhand autobiographischer Romane dreier auf Schwedisch schreibender, zeitgenössischer Autoren untersucht, wie Heimat in diesen Texten dargestellt wird bzw. inwieweit autobiographisches Schreiben maßgeblich für die persönliche Konstruktion einer Heimat ist. Dabei handelt es sich um Verfasser, die Heimat v.a. durch die Erfahrung der Heimatlosigkeit thematisieren. Theodor Kallifatides (1938–) kam in den 1960er Jahren als Migrant aus Griechenland nach Schweden und beschreibt in seinen Texten ein Leben zwischen zwei Kulturen. Leif Zern (1939–) wuchs innerhalb der jüdischen Gemeinde in Stockholm auf und muss erkennen, dass selbst für die 3. Generation jüdischer Einwanderer Schweden keine selbstverständliche Heimat darstellt. Per Olov Enquist (1934–) hingegen löste sich von der pietistischen Gemeinde, in der er aufwuchs, und ist gezwungen, nach neuen Bezugspunkten zu suchen.

Sie alle sind damit konfrontiert, sich eine eigene Heimat aktiv konstruieren zu müssen, wie es z.B. der Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger und die Psychologin Beate Mitzscherlich beschreiben. Sie definieren Heimat als offene Struktur, die nicht vorgegeben ist, sondern mit jeder Handlung immer wieder neu geschaffen wird. Deshalb können statt „Heimat“ auch die Bezeichnungen „Beheimatung“ oder „Doing Heimat“ verwendet werden, die den aktiven, fortlaufenden Prozess unterstreichen, der notwendig ist, damit etwas als heimatlich betrachtet werden kann. Als grundlegende Handlung dieses „Doing Heimats“ kann das Erzählen angesehen werden. Es ermöglicht, ein persönliches Heimatkonzept zu gestalten und verdeutlicht, dass Beheimatung etwas ist, das ständig weitererzählt – d.h. aktiv fortgeführt – werden muss, um nicht an Bedeutung zu verlieren.

Deutlich wird das z.B. an Kallifatides´ Ett nytt land utanför mitt fönster (2001) und Det gångna är inte en dröm (2010). Die fortwährende Bearbeitung seiner Erfahrungen in schriftlicher Form lässt ihn erkennen, dass Griechenland zur geistigen Heimat geworden ist, die ihn moralisch geprägt hat und somit Voraussetzung für das Schaffen einer neuen Heimat in Schweden ist. Heimat beschreibt Kallifatides als kontinuierliche Reise, um eine Verbindung zwischen den zwei Ländern herzustellen. Reisen kann als Metapher für seinen persönlichen Entwicklungs- und Beheimatungsprozess verstanden werden, der kontinuierlich weitergeführt wird. Einen ähnlich mobilen Zustand beschreibt Zern in Kaddish på motorcykel (2012). Als Erbe der jüdischen Diaspora und Kind des schwedischen „Folkhemmet“ lernt er v.a. vom Vater, diese verschiedenen Aspekte seiner Identität zu verbinden, um eine Heimat im Dazwischen zu schaffen. Auch Enquist beschreibt in Ett annat liv (2008), wie die in der Kindheit vermittelten Werte seine weitere Beheimatung beeinflusst haben, obwohl ihn diese geographisch, sozial und mental weit von seinem pietistischen Ursprung entfernt hat. So ist er einerseits, wie Kallifatides und Zern, fest verankert in einer Prägung, die für ihn Heimat darstellt. Andererseits nutzt auch Enquist das Motiv des Unterwegs-Seins als eigentliches Heimatkonzept, das durch diese Prägung erst ermöglicht wird und neue Ziele, und damit auch zukünftiges Schreiben, eröffnet.

Die eigene ambivalente Situation wird in allen untersuchten Texten positiv gewertet. Sowohl Kallifatides als auch Zern und Enquist nutzen ihr Schreiben als aktive Handlung der Reflexion, die ein persönliches Heimatkonstrukt schafft. Allerdings zeigt das auch, dass Beheimatung wie der Schreibprozess kontinuierlich fortgesetzt werden muss, da der Versuch einer einmaligen, absoluten Darstellung nie gelingen kann. Somit ist Heimat als wandelbares Konstrukt zu verstehen, das erst aktiv geschaffen werden muss, das aber im Gegenzug zu weiteren Entscheidungen und Handlungen, z.B. beim Schreiben, befähigt.

(Die Autorin Franziska Sajdak M.A. studierte den Masterstudiengang Skandinavistik der Uni Greifswald. Der Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung ihrer Masterarbeit.)

Ideofiers in the commercial city: A discursive linguistic landscape analysis of hairdressers’ shop names in London, Stockholm and Berlin

Pure Barberism, The Best a Mo Can Get, Strå, Kamm in, Salon Kaiserschnitt, haarspree-Frisöre, there are different and very creative ways to name a hairdresser shop. In my Staatsexamensarbeit, I do not only look at commercial signs in general but particularly at a specific type of shop: the hairdresser shop. The purpose of my research is to deal with aspects of discursive competence in the commercial city. With a linguistic landscape sample route of different inner (and outer) city areas of London, Stockholm and Berlin, linguistic resources will be studied that shop owners employ to name their shops in the frequent urban marketplace service of hairdressing. I hypothesize that shop signage can be divided into direct versus indirect discourse modes that map the city as spatial and social marketplace. If codified lexemes are used as linguistic repertoire, a direct discursive mode is visible in shop names as identifiers. If the meaning of a shop name is depicted with an indirect discursive mode, e.g. lexical webs and semantic resources, shop names are used as ideofiers. In my research, I study whether the use of ideofiers vs. identifiers varies in the linguistic landscapes of London, Stockholm and Berlin. Furthermore, I look more closely at the different semantic and morphological strategies to name a hairdresser shop as ideofier.

(writer and photographer: Anna Mehrens)