Tag - Nordischer Klang

Das Fest des Nordens und der künstlerische Leiter im Interview

Das Greifswalder Festival Nordischer Klang wird vom Kulturverein Nordischer Klang e.V. veranstaltet, der u.a. eng mit dem Institut für Fennistik und Skandinavistik der Universität zusammenarbeitet. Musik, Bühnenkunst, Ausstellungen, Lesungen, Filme, Kinderprogramm und Vorträge aus den fünf Nordischen Länder, aber auch aus den übrigen Ostsee-Anrainerstaaten insbesondere Estland, spiegeln weite Horizonte und spannende Inspirationen aus einem modernen, weltoffenen Norden. Der künstlerische Leiter Frithjof Strauß hat uns ein paar Fragen zum diesjährigen Festival beantwortet:

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***Nordischer Klang 2015***

1,2,3 – yksi kaksi kolme – Roman Schatz in Greifswald

Ei kaksi kolmannetta oder auf deutsch aller guten Dinge sind drei dachte sich wohl auch der Autor der Gebrauchsanweisung für Finnland, als er zum Nordischen Klang nach Greifswald reiste. Beim Festival wurde in der ganzen Stadt mit verschiedenen Veranstaltungen die Schönheit der nordischen Länder gefeiert und wir alle hatten gleich drei mal die Möglichkeit zum Zuhören, Zusehen, Mitlachen, Schmunzeln, Neues-Erfahren und von-Finnland-Träumen mit Roman Schatz.

Roman Schatz folgte 1986 dem Ruf der Liebe aus Berlin nach Helsinki, wo er seit dem lebt und arbeitet. Als Moderator, Regisseur, Autor und Produzent ist er bei Land und Leuten bekannt wie ein bunter Hund. Und – dass er die Finnen und “sein” Finnland liebt, das ist nicht zu übersehen.

“In Finnland ist es höflich die Klappe zu halten”
(Roman Schatz im Interview auf 98eins)

Am Dienstag, den 5. Mai war Roman Schatz in der Talksendung “Nacht am Meer” des Greifswalder Bürgerradio 98eins zu Besuch und plauderte mit Moderatorin Sophia über die Geschichte des Landes und seine Beziehungen zu den Deutschen, warum die Finnen gar nicht so kalt und rau sind, wie sie auf viele den Eindruck machen und warum in Finnland die Frau das Zepter in der Hand hält und den Haushalt regiert.

Nachhören kann man das ganze interessante und witzige Gespräch in der Mediathek von 98eins.

“Ein Volk, das als wortkarg und dauermelancholisch gilt – in einem Land, das zu 70% aus Wald besteht. Eine Sprache, die neben »Honigpfote« noch elf Wörter für »Bär« kennt, aber keins für »bitte«.” (Quelle: www.piper.de)

In seinem Roman Gebrauchsanweisung für Finnland aus der Buchreihe des Piper-Verlags, kann man Roman Schatz auf 240 Seiten in “sein” Finnland folgen, sich von Geschichten und Anekdoten mit dem Reisefieber infizieren lassen und nebenbei so allerhand über Geschichte und Eigenarten des schönen Landes erfahre. Am Mittwoch, den 6. Mai bereicherte Roman Schatz den Nordischen Klang mit einer Autorenlesung.

Und weil aller guten Dinge nun mal (nicht nur im finnischen) tatsächlich drei sind, gab es auch am Donnerstag noch einmal die Gelegenheit gemeinsam mit ‘Finnlands bekanntestem Deutschen’ von Finnland zu träumen, und im Vortrag “Oikein väärin ymmärretty – Der finnische Kulturschock” noch mehr über die finnische Kultur, und ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit uns Deutschen zu erfahren. Ich jedenfalls würde nun am liebsten sofort eine Reisetasche packen, mein Rentier satteln und los reiten um das schöne Finnland selbst zu entdecken. Ihr auch?

(Autorin: Sarina Jasch)

Jazz trifft Romantik – In the Country und Frida Ånnevik im St. Spiritus

Frida Ånnevik

Das Kulturzentrum St. Spiritus ist gut gefüllt, als Morten Qvenild, Roger Arntzen und Pål Hausken von “In the Country” ihre Instrumente zum Klingen bringen. Gemeinsam mit der Sängerin Frida Ånnevik präsentierten sie ihr Projekt “Skogenes Sang” (“Gesang der Wälder”), aber auch eigene Titel.

In der Vorrede war bereits angeklungen, dass der Abend ganz im Zeichen der romantischen Naturdarstellung und des Dichters Hans Børli steht. Dieser hatte wohl eine gute Beziehung zum Jazz und schrieb auch ein Gedicht über den Jazz-Musiker Louis Armstrong. Bevor die Band die Bühne betritt, ertönt über die Lautsprecher ein Interview mit dem als Dichter der Wälder genannten Holzfäller. Allerdings fand dies in norwegischer Sprache statt, so dass nicht jeder im Publikum die Fragen und Antworten verstand. Trotzdem half es, einen Eindruck von Børlis Wesen zu erhalten.

Das Schlagzeug gibt den Ton an

Der Übergang zum ersten Lied erfolgt fließend. Frida Ånneviks rauchige und volltönige Stimme harmoniert sehr gut mit den Themen der vertonten Gedichte. Anders als auf den Aufnahmen zu erahnen treten die drei Instrumente Piano (Morten Qvenild), Kontrabass (Roger Arntzen) und Schlagzeug und Perkussionsinstrumente (Pål Hausken) mit der Sängerin gleichberechtigt auf. Ganz im Stil des Jazz hat jedes Instrument seinen eigenen Solopart. Ein wenig überraschen mag hierbei der Einsatz vielfältigster Perkussionsinstrumente. Neben dem klassischen Schlagzeug benutzt Hausken unter anderem auch Kuhglocken und Ratschen. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Klang, der sich perfekt in die Gesamtharmonie einfügt. Bei den meisten Titeln dominiert die Jazzrichtung mit Soli und Improvisationsteilen. Bei den Gesangsteilen entsteht im Gegensatz dazu ein mystischer Klang, der sich schwer einer Stilrichtung zuordnen lässt.

Zwischendurch erklärt Frontmann Morten Qvenild auf deutsch und englisch einiges zu den Liedern, die Band und das Projekt, womit er es schafft, das Publikum immer wieder zum Lachen zu bringen. Auch lobt er die Übersetzungen der Liedtexte, die von den Norwegisch-Studierenden des Instituts für Fennistik und Skandinavistik der Universität Greifswald vorgenommen worden waren. Als Hefte lagen diese am Einlass für die Besucher aus.

Nach etwa eineinhalb Stunden verlassen die Musiker unter tosendem Applaus die Bühne, kehrten aber sogleich wieder zurück, um ein letztes Lied zu spielen. “Darin geht es um ein Thema, das wir Künstler besonders mögen: Schreibblockaden”, erklärt Qvenild, worauf Ånnevik kurz auflacht. Im Laufe des Abends hatten es die Musiker des Öfteren geschafft, sich gegenseitig mitzureißen. Den Spaß, den die vier bei der Präsentation ihrer Musik und Børlis Gedichte haben, ist ihnen ebenfalls anzusehen.

(Autorin: Juliane Stöver vom Webmoritz)

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