Tag - Nordische Filmtage Lübeck

Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki | Hymyilevä Mies

Der folgende Beitrag stammt von der Fennistikstudentin Sabrina Scholz.

 

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Foto: camino-film.com

Der diesjährige Preisträger des Baltischen Filmpreises bei den 58. Nordischen Filmtagen in Lübeck stammt aus Finnland. Mit dem Film über den glücklichsten Tag im Leben des Olli Mäki (Original Titel: Hymyilevä mies ‚Der lächelnde Mann‘) gelang Regisseur Juho Kuosmanen ein herausragender Spielfilm über eine wahre Begebenheit, den die Filmschaffenden der baltischen Republiken mit dem seit 1991 gestifteten Preis entsprechend auszeichneten. Bereits bei den 69. Filmfestspielen von Cannes in diesem Jahr erhielt der Film den ersten Preis in der Reihe Un Certain Regard. Bei der nächsten Oscarverleihung (2017) soll er in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film zur Wahl stehen.

Der „lächelnde Mann“ Olli Mäki (*1936) hat die einmalige Chance, 1962 in Helsinki als erster Finne um die Weltmeisterschaft im Profi-Boxen in den Ring zu steigen. Um sich den Titel gegen Davey Moore – den amtierenden Weltmeister im Federgewicht – zu erkämpfen, muss Olli Mäki (Jarkko Lahti) zunächst jedoch dringend sein Kampfgewicht reduzieren. Über vier Kilo zu viel bringt er auf die Waage. Da hilft es keineswegs, dass ihn sein Trainer und Manager Elis Ask (Eero Milonoff) von Promo-Auftritt zu Promo-Auftritt schickt und zwischendrin Dinner mit potentiellen Sponsoren arrangiert. Der bald abwesende Gesichtsausdruck Mäkis ebenso wie seine Körperhaltung lassen keinen Zweifel daran, wie sehr ihn der Trubel um seine Person belastet. Beruf und Privatleben sind nicht mehr zu trennen. Selbst während einer Hochzeitszeremonie wird Mäki von allen Seiten mit Fragen zum bevorstehenden Kampf, seinem Gewicht und seinem Trainingsstand gelöchert. Gegenüber solcher Nachfragen wird Mäki zunehmend abgestumpfter. Kaum noch reagiert er verbal. Zumeist ersetzen ein leerer Blick und Schweigen das Antworten. Er zieht sich zurück, sucht die Ruhe des Alleinseins. Elis Ask jedoch wittert mit dem Gewinn des Weltmeistertitels das ganz große Geschäft. Ask, der 1951 selbst Europameister im Leichtgewicht wurde, verhält sich völlig konträr zu Mäki. Er lebt die Vision vom finnischen Titelgewinn im eigenen Land und pusht Mäki dazu, am Wettkampftag, dem Jahrestag seines eigenen Titelgewinns, Höchstleistungen zu bringen. Medienwirksam inszeniert er das Bild eines neuen Boxweltmeisters.
Wenige glückliche Momente erlebt Olli Mäki nur mit Raija, seiner großen Liebe. Sichtbar genießt er die gemeinsame Zeit, wirkt gelöster. Ihre Gegenwart und ihr Anblick entlocken ihm ein Lächeln – ein ehrliches Lächeln, kein gestelltes für die Kamera. Mit ihr gewinnt er Abstand zur Wettkampfvorbereitung. Selbstverständlich missfällt das Elis Ask zutiefst, der den Erfolg Mäkis gefährdet sieht und jedwede Ablenkung ablehnt.

Besonders macht den glücklichsten Tag im Leben des Olli Mäki neben der hervorragenden Darbietung Jarkko Lahtis die filmische Inszenierung. Bereits die Eingangsszene beinhaltet alle Stärken der Produktion: in Schwarz-Weiß nimmt der Regisseur den Zuschauer mit durch den Alltag von Olli Mäki und verzichtet dabei fast durchgängig auf eine musikalische Untermalung. Durch die Geräuschkulisse aus reinen Atmo-Aufnahmen und der durch die Kamera erzeugten Nähe zum Geschehen erlebt der Zuschauer die vermeintlich bedeutendste Karrierephase Mäkis wie ein persönlicher Begleiter. Die Schnittfolge unterstreicht die Geschwindigkeit im Tagesablauf, die Kürze der Vorbereitungszeit und die Dichte von Mäkis Terminkalender: verqualmte Pressekonferenz – Cut – Sparring – Cut – Fotoshooting, Dinner – Cut – wiegen vor dem Schlafen gehen.
Dank der Ausstrahlung in Schwarz-Weiß und einer unzeitgemäßen Bildqualität erreicht der Film ein hohes Maß an Authentizität. Es entsteht der Eindruck, einen Film aus der Zeit, die er zeigt, vor Augen zu haben, der beinahe dokumentarische Züge aufweist. Auch die Kameraführung beeindruckt. Das Spiel zwischen Nähe und Entfernung korreliert mit der Intensität der Situationen. So weist eine Szene des finalen Boxkampfes die größte Nähe von Kamera und Protagonist auf, wogegen die Auflösung einer Spannung – gipfelnd im Rückzug Mäkis vom Trainingsring in den Wald – durch die Entfernung des Protagonisten von der Kamera bebildert wird.

Die Hauptdarsteller des Films, Jarkko Lahti (Olli Mäki), Oona Airola (Raija) und Eero Milonoff (Elis Ask) stellten sich im Anschluss an die Film-Vorstellung am Samstag, den 5.11.2016 den Fragen und Kommentaren des Publikums. Zur Frage nach seinem Gewicht während und nach den Dreharbeiten verriet Jarkko Lahti, dass er für einen sichtbaren Unterschied im Laufe des Films zum Ende sogar nur noch 54 kg gewogen habe – drei Kilo weniger als Mäki tatsächlich wog. Zudem betonte er seine Erleichterung, Olli Mäki persönlich getroffen und somit essentielle Hilfe für die Darstellung seiner Rolle erhalten zu haben. Die Zusammenarbeit war so eng, dass Olli Mäki und seine Frau Raija am Ende des Films einen Cameo-Auftritt haben, der von ihren Film-Charakteren entsprechend kommentiert wird.

Am 5. Januar 2017 startet der Film auch in den deutschen Kinos.

Der glücklichste Tag im Leben des Olli Mäki – ab 5.1.2017 im Kino from Camino Filmverleih on Vimeo.

Der Tag wird kommen | Der kommer en dag

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Foto: dfi.dk

Wir befinden uns im Jahr 1967 und circa 60 km von Kopenhagen entfernt. John F. Kennedy verspricht an diesem Tag in einer Rede, dass man kurz davor sei, auf dem Mond zu landen. Zwei kleine Jungen sitzen auf der Rückbank eines Autos: Elmer (Harald Kaiser Hermann) und Erik (Albert Rudbeck Linhardt). Sie sind 10 und 13 Jahre alt und der Erzähler lässt die Zuschauer wissen, dass die Brüder auf dem Weg nach Gudbjerg sind, ein Waisenhaus, das auf dem realen Godhavn-Heim und dessen Skandalgeschichte (die erst 2011 aufgedeckt wurde und dessen juristisches Nachspiel bis heute anhält) beruht. Dort angekommen, müssen sie ihre Kleidung ablegen und bekommen jeder eine Nummer und einen Schlafanzug zugeteilt. Read More

The Girl King

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Der finnische Film The Girl King aus dem Jahr 2014 von Mika Kaurismäki erzählt die Geschichte der Königin Kristina von Schweden. Diese wurde 1632 im Alter von sechs Jahren zur Nachfolgerin ihres gefallenen Vaters, Gustav II. Adolf, ernannt. Auf den Wunsch ihres Vaters wird Kristina wie ein Prinz erzogen. Dafür muss sie ihre Mutter verlassen, die mit der Situation überfordert zu sein scheint. Sie interessiert sich sehr für Philosophie, Kunst und Geschichte und lädt den französischen Philosophen Rene Desartes nach langem Briefwechsel zu sich auf den Hof ein, um von ihm zu lernen. Ihre Ziele sind Frieden mit den Katholiken zu schließen und dem schwedischen Volk Zugang zu höherer Bildung zu ermöglichen. Ihre Zuneigung zu ihrer Kammerzofe Ebba Sparre bleibt am Hof kein Geheimnis. Doch einen Mann heiraten will Kristina auf das Drängen ihrer Minister nicht. Um ihrem Volk einen männlichen Nachfolger zu präsentieren, adoptiert Kristina ihren Cousin Karl Gustav und dankt daraufhin im Jahr 1654 ab. Ihr restliches Leben verbringt die einstige Königin des protestantischen Schweden als Katholikin in Rom.

Kristina von schweden

The Girl King hat bisher schon viel positives Feedback bekommen. Auf dem Montreal World Film Festival gewann der Film dieses Jahr den Publikumspreis und die Hauptdarstellerin Malin Buska den Preis als Beste Schauspielerin. Über diesen Film lässt sich nur Gutes sagen. Gedreht wurde hauptsächlich in Turku, da die Burg und der Dom sich hervorragend als mittelalterliche Kulisse eigneten. Auch die aufwändigen Kostüme und Requisiten sind sehr gut ausgewählt. Es ist zwar ein Spielfilm, aber die historischen Fakten kommen dabei nicht zu kurz. So ist es für Zuschauer, die nur sehr wenig über die schwedische Geschichte wissen, leicht, der Handlung zu folgen. Als überwiegende Sprache wurde das Englische verwendet. In manchen Szenen wird auch Deutsch, Französisch und Latein gesprochen. Der Film fesselt durch anregende Musik und die in den Szenen aufkommenden starken Gefühle und unvorhersehbaren Wendungen.

letztes BuildHier geht´s zum Trailer!

(Autorin: Anja Hornig)

Weird Girls

“There is a wonderful characteristic in the Icelandic mentality – fearlessness, with an addiction to risk-taking to the point of being foolhardy. I’m not sure the stock market is the right place for these characteristics. In music making, storytelling and creative thought, this risk-taking is a great thing.“ – Björk

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Friedhof der Träume

Thomas schreibt über einen weiteren Film der Nordischen Filmtage, der über Weltkriegsgeschichte berichtet:

Die dänische Westküste im Mai. Weißer Sandstrand, wunderschöne Dünenlandschaften. Die Sonne wirft ihre schon wärmenden Strahlen auf das beeindruckende Panorama. Perfekter Spielplatz für eine romantische Komödie oder einen seichten Liebesfilm. Heute zumindest. Im Jahre 1945 hätte kein Filmschaffender auch nur einen Fuß in dieses Paradies gesetzt, kein Anwohner hätte seine Kinder ruhigen Gewissens im warmen Sand spielen lassen, denn strandauf strandab lauerte der Tod.
Die Antworten auf die Frage, wieso Urlauber heute wieder ihren unbeschwerten Strandurlaub genießen können, liefert das 2015 erschienene Drama „Unter dem Sand“ (dän.: „Under sandet“; engl.: „Land of Mine“) von Regisseur und Drehbuchschreiber Martin Pieter Zandvliet.

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