Tag - Nordische Filmtage Lübeck

„Barndom“ – Kindheit (N 2017)

23.  Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Paul Kirschstein

Das Programm der 59. Nordischen Filmtage war randvoll mit interessanten und schönen Filmen. Einer dieser Filme ist mir jedoch mit seinen wunderbaren, ruhigen Bildern besonders im Gedächtnis verankert geblieben.

Barndom (Kindheit) der norwegischen Regisseurin Margreth Olin handelt von einem Waldorf-Kindergarten nahe Oslo. Die Dokumentarfilmerin folgte den Kindern ein ganzes Jahr hindurch mit der Kamera und beobachtete diese dort beim Spielen, Basteln und in anderen Alltagssituationen. Dabei wird den Kindern vor der Kamera ebenso viel Freiraum gegeben, wie im Kindergarten selbst. Erwachsene kommen in diesem Film kaum selbst zu Wort, geben den Kindern aber viele Impulse zu Projekten in der Natur, unterstützen kreative Ideen und stehen den Kindern stets mit Rat und Tat zur Seite. Barndom zeigt eine heile Kinderwelt mit ihren ganz normalen Höhen und Tiefen. Anfangs bemerken die Kleinen zwar die Kamera, welche ihnen folgt und versucht ihre Perspektive einzunehmen, dies nimmt jedoch im Verlauf des Films graduell ab. Zu den witzigsten Episoden des Films gehört die Verwendung von Schnee als Kaugummivorrat fürs Leben, das genaue Rezept für Liebe und Theatervorführungen der älteren Kinder für die ganz Kleinen. Wer jetzt schon neugierig ist, der sollte den Film unbedingt sehen.
Der heimliche Protagonist des Films ist Ludvig, ein sechs Jahre alter Blondschopf, der nur Flausen im Kopf hat. Im folgt die Kamera am meisten. Die verschiedenen Projekte der Kinder, wie zum Beispiel die Herstellung von Steckenpferden und Stelzen, sowie der Verlauf der Jahreszeiten dienen als roter Faden, die den Film zeitlichen strukturieren.

https://www.filmweb.no/film/article1299370.ece

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„Die letzten Robbenjäger“/“Ishavsblod – De siste selfangerne“ (N 2016)

16.  Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Johanna Stölting

Der Film Die letzten Robbenjäger (Ishavsblod – De siste selfangerne) ist ein norwegischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2016. Für diesen Film begleiteten die beiden Regisseurinnen Trude Berg Ottersen und Gry Elisabeth Mortensen eine Gruppe von Robbenjägern für zwei Monate auf ihrer Fahrt zwischen Island und Grönland.

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„Keti lõpp“ oder „The End of the Chain“ (EST 2017)

9. Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Marian Petsch

Priit Pääsuke © Alexandra Film

Die Nostalgie eines Fastfood-Restaurants eingefangen in dem 81-minütigen Film-Debut des Esten Priit Pääsuke. Neben der kurzen Beschreibung im Programm hatte ich im Vorfeld keine weiteren Informationen zu dem Film. Ohne Vorwissen haben wir uns dann entschieden, in die Vorstellung am Donnerstagmorgen zu gehen, sozusagen zum Frühstück und trotz des Fast Foods ist mir der Film nicht auf den Magen geschlagen, er hat mich vielmehr auf unterschiedlichste Weise angesprochen und deshalb würde ich ihn als meinen Lieblingsfilm unserer Exkursion zu den Filmtagen in Lübeck bezeichnen, obwohl es mir schwer fiel, mich festzulegen, da mir einige Filme gut gefallen haben.

Der Film basiert auf einem Theaterstück des aus Estland stammenden Regisseurs und Dichters Paavo Piit. Als Ort der Handlung dient fast ausschließlich das Gelände eines Fastfood-Restaurants einer nicht näher beschriebenen Burger-Kette, gelegen an einer Schnellstraße in Tallinn, in welchem der Zuschauer im Laufe eines Tages nacheinander die handelnden Personen und ihre Lebenskrisen serviert bekommt. Diese stellen die Hauptdarstellerin und Managerin des Restaurants als eine letzte Insel der Vernunft zunächst in den Hintergrund des Geschehens. Im Laufe des Films jedoch fällt es Ihr zunehmend schwer, die Maske einer demütigen Servicekraft zu wahren und ihre Gefühle zu unterdrücken. Bis zum Ende des Films entfaltet sich ihr Charakter zunehmend und ihre Rolle transformiert sich von einer passiv dienenden hin zu einer emotional agierenden Person.


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Ein Gespräch mit Mareike Holfeld

Ehemalige erzählen…

Im Rahmen unserer Reihe Ehemalige erzählen berichten wir von Alumni der Skandinavistik in Greifswald über ihre Erfahrungen und die alles entscheidende Frage: „und was macht man dann damit?“. Dieses Mal haben wir uns mit Mareike Holfeld getroffen, die inzwischen die Öffentlichkeitsarbeit und Presse des bekannten Hamburger Theater Kampnagel leitet.

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„November“ (EST, NL 2016)

2. Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

Unter die hohen Gewölbe der St.-Katharinen-Kirche in Lübeck ist eine große Kino-Leinwand gespannt worden. Davor, in den Kirchenbänken, sitzen viele Zuschauer, in Decken gemummelt gegen den ersten winterlichen Frost in der Kirche. Schon bevor der Film beginnt, ist klar, dass dieser Abend ein ganz besonders atmosphärisches Erlebnis wird.

Dann beginnt der Film. Ein seltsames, metallisches Geräusch füllt den Kirchenraum. Aufblende: eine karge Landschaft, dann ein großes Herrenhaus. Das Geräusch wird lauter und es kommt ein seltsames, dreibeiniges Gebilde ins Blickfeld – es scheint ein Wesen zu sein, das aus allerlei Werkzeug sowie großen Sensen besteht, die es zur Fortbewegung benutzt. Dieses mechanische, aber scheinbar doch beseelte Wesen stiehlt ein Pferd aus dem Stall des Anwesens und bringt es zu den Bauern, die in der Nähe des Anwesens in einem Wald in einfachsten Hütten hausen. Es herrscht bitterste Armut und das Pferd wird freudig empfangen. Diese erste groteske Szene ist bereits bezeichnend für den gesamten Film, zeigt sie doch in komprimierter Form die Probleme und Thematiken, die der Film anspricht: die Gegensätze zwischen Arm und Reich, die Überschreitung von Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine und vor allem eine gute Portion Magie aus alten Mythen und Volkssagen.

Rainer Sarnet: Trailer „November“

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