Tag - Musik

Coversongs in Finnland. Von Humppa bis Metal.

(in Zusammenarbeit mit Mareen)

Finnlands Musikszene kann sich in der Welt durchaus sehen lassen: neben dem finnischen Tango ist sie hauptsächlich, allerspätestens seitdem Lordi 2006 den Eurovision Songcontest gewannen, für ihre heavy Töne außerhalb der eigenen Landesgrenzen bekannt. Auch Humppa hat mittlerweile nicht nur in Finnland Fans. Diese beiden Musikrichtungen haben auf den ersten Blick außer der Beliebtheit bei den finnischen Musikfans und Fans der finnischen Musik nicht viel gemeinsam. Bei genauerem Hinsehen lassen sich aber Gemeinsamkeiten erkennen.
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Singend durch Jahrhunderte: Sängerfeste in Estland

Sängerfeste haben im Baltikum eine sehr lange Tradition, denn die Musik und das gemeinsame Singen verbinden die Esten schon seit Jahrhunderten und schaffen ein Gefühl der kulturellen Zusammengehörigkeit. Das estnische Sängerfest findet heutzutage alle fünf Jahre in Tallinn statt. Entstanden sind die Sängerfeste in einer Zeit, in der das nationale Bewusstsein erwachte und der politische Hintergrund sollte später noch einmal verstärkt wiederkehren: vor allem während der sowjetischen Zeit hatten die Sängerfeste einen patriotischen Hintergrund.

Marika Peekmann studiert Germanistik in Tartu und war Estnisch-Lektorin in Greifswald im Wintersemester 2015/2016. Sie war selbst schon bei Sängerfesten und berichtet hier über die Tradition aus ihrer Heimat und das besondere Gefühl, dieses Fest mitzuerleben. Read More

Verzaubernde Klänge aus Sápmi

Joiken ist kein Erzählen, ist auch kein Gesang. Es ist beides zusammen, und es ist dadurch viel mehr. Es ist die Sprache der Seele. Weißt du, was ich glaube? Es wird nicht nur in Lappland gejoikt. Jeder Poet joikt auf seine Weise, und jedes Kind, das noch nicht zerstört worden ist von den Erwachsenen. Hast du mal kleine Kinder singen hören, die sich unbeobachtet fühlen? Sie singen nicht schön. Es ist eher eine Art Lallen. Sie joiken, Henrik. Ihr Joiken ist eine geheime Botschaft ihrer Seele, die wir Älteren nicht mehr verstehen.” – aus dem Roman „Joiken“ von Henning Boëtius

Eine der ältesten Gesangsformen, die wir in Europa finden können, ist der Joik. Das Wesen des Joiks und den Vorgang des Joikens mit Worten zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Der traditionelle Oberton-Gesang der Samen wird besonders in deutschen Texten häufig mit dem verwandten Jodeln verglichen, was ein in vielerlei Hinsicht hinkender Vergleich ist, der sich allenfalls auf die Ähnlichkeit bezüglich des Klanges, nicht aber auf die Funktionen beziehen lässt.
Ein Joik wird nicht komponiert, sondern er existiert einfach und kommt bzw. offenbart sich dann, wenn er will. Oftmals wird dies so gedeutet, dass die Joiks aus einer Improvisation heraus entstehen. Außerdem haben sie keinen oder kaum Text und erzählen von der Heimat der Samen, Personen, Tieren, der Natur, Gefühlen und Gedanken. Man joikt dabei aber nicht über diese Dinge, sondern man joikt die Dinge selbst. So kann man etwa seine Verwandten, Rentiere oder Flüsse joiken und sie dadurch sowohl in seine Nähe holen als auch gleichzeitig die Verbundenheit zu ihnen ausdrücken. Read More

Jazz trifft Romantik – In the Country und Frida Ånnevik im St. Spiritus

Frida Ånnevik

Das Kulturzentrum St. Spiritus ist gut gefüllt, als Morten Qvenild, Roger Arntzen und Pål Hausken von “In the Country” ihre Instrumente zum Klingen bringen. Gemeinsam mit der Sängerin Frida Ånnevik präsentierten sie ihr Projekt “Skogenes Sang” (“Gesang der Wälder”), aber auch eigene Titel.

In der Vorrede war bereits angeklungen, dass der Abend ganz im Zeichen der romantischen Naturdarstellung und des Dichters Hans Børli steht. Dieser hatte wohl eine gute Beziehung zum Jazz und schrieb auch ein Gedicht über den Jazz-Musiker Louis Armstrong. Bevor die Band die Bühne betritt, ertönt über die Lautsprecher ein Interview mit dem als Dichter der Wälder genannten Holzfäller. Allerdings fand dies in norwegischer Sprache statt, so dass nicht jeder im Publikum die Fragen und Antworten verstand. Trotzdem half es, einen Eindruck von Børlis Wesen zu erhalten.

Das Schlagzeug gibt den Ton an

Der Übergang zum ersten Lied erfolgt fließend. Frida Ånneviks rauchige und volltönige Stimme harmoniert sehr gut mit den Themen der vertonten Gedichte. Anders als auf den Aufnahmen zu erahnen treten die drei Instrumente Piano (Morten Qvenild), Kontrabass (Roger Arntzen) und Schlagzeug und Perkussionsinstrumente (Pål Hausken) mit der Sängerin gleichberechtigt auf. Ganz im Stil des Jazz hat jedes Instrument seinen eigenen Solopart. Ein wenig überraschen mag hierbei der Einsatz vielfältigster Perkussionsinstrumente. Neben dem klassischen Schlagzeug benutzt Hausken unter anderem auch Kuhglocken und Ratschen. Dadurch entsteht ein ungewöhnlicher Klang, der sich perfekt in die Gesamtharmonie einfügt. Bei den meisten Titeln dominiert die Jazzrichtung mit Soli und Improvisationsteilen. Bei den Gesangsteilen entsteht im Gegensatz dazu ein mystischer Klang, der sich schwer einer Stilrichtung zuordnen lässt.

Zwischendurch erklärt Frontmann Morten Qvenild auf deutsch und englisch einiges zu den Liedern, die Band und das Projekt, womit er es schafft, das Publikum immer wieder zum Lachen zu bringen. Auch lobt er die Übersetzungen der Liedtexte, die von den Norwegisch-Studierenden des Instituts für Fennistik und Skandinavistik der Universität Greifswald vorgenommen worden waren. Als Hefte lagen diese am Einlass für die Besucher aus.

Nach etwa eineinhalb Stunden verlassen die Musiker unter tosendem Applaus die Bühne, kehrten aber sogleich wieder zurück, um ein letztes Lied zu spielen. “Darin geht es um ein Thema, das wir Künstler besonders mögen: Schreibblockaden”, erklärt Qvenild, worauf Ånnevik kurz auflacht. Im Laufe des Abends hatten es die Musiker des Öfteren geschafft, sich gegenseitig mitzureißen. Den Spaß, den die vier bei der Präsentation ihrer Musik und Børlis Gedichte haben, ist ihnen ebenfalls anzusehen.

(Autorin: Juliane Stöver vom Webmoritz)

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Unwiderstehlich angezogen von Musik – Ulla Pihl & Strings begeistern in der Aula der Universität

Ulla Pihl (links) & Strings

Ulla Pihl (links) & Strings

In den einleitenden Worten von Frithjof Strauß klingt es so, als dürfe sich das Publikum als Versuchskaninchen verstehen – schließlich ist das Projekt Ulla Pihl & Strings noch ziemlich jungfräulich. Aber die knapp 80 Gäste, die sich in der Universitätsaula eingefunden haben, sind interessiert und tuscheln schon vor Konzertbeginn neugierig darüber, was sie wohl erwarten wird.Schließlich betritt Ulla Pihl in Begleitung von Multi-Instrumentalistin Line Felding die Bühne, das Publikum wird freundlich, wenn auch noch ein wenig schüchtern begrüßt. Man muss sich erst warm spielen.

Doch bereits nach den ersten Klavierklängen und dem harmonisierenden zweistimmigen Gesang der beiden Musikerinnen haben sie schon gewonnen. Und als zum zweiten Lied das Streichertrio (Maria Jagd, Geige; Alexandra Blais, Bratsche und Cecillie Hyldgaard, Cello) auf die Bühne kommt und das Liebeslied I could learn im wahrsten Wortsinn unterstreicht, ist das Publikum gefangen in einer Welt aus Klang und Melancholie.

Dabei haben die Streicher keinesfalls nur eine Hintergrundfunktion. Vielmehr treten sie neben Flügel und Sängerinnen als gleichberechtigte Stimmen auf. Sie jauchzen und weinen und machen Verzweiflung spürbar. Das Publikum betrachtet sich offenbar nicht als Versuchskaninchen, sondern lässt sich auf alles ein, fühlt mit, und wenn auch keiner aufspringt und tanzt, so bewegt sich doch der eine oder andere Oberkörper im Takt der Musik, die zeitweise an den verspielten Amélie-Soundtrack, dann wieder an ein barockes Streicherkonzert erinnert.

Ulla Pihl und ihre Musikerinnen verzaubern nicht nur die Konzertgäste, sondern ganz offensichtlich auch sich selbst. Sie lächeln sich gegenseitig an, es ist ihnen anzusehen, wie viel Spaß sie an ihrer Musik haben.

Das fällt auch dem Publikum auf. Kathrin und Matthias, die als Inhaber vom Festivalpass mehrere Veranstaltungen des Nordischen Klangs besuchen, zeigen sich in der Pause begeistert. „Die Stimmung der Songtexte und die Musik passen gut zusammen!“, sagt Matthias. Auch Studentin Kora schwärmt von der sympathischen Art der Künstlerinnen. Wie die meisten Konzertbesucher kannte sie Ulla Pihl und ihre Musik vorher nicht. „Aber jetzt wurde ich positiv überrascht und freue mich auf den zweiten Teil“, sagt sie.

Die zweite Hälfte des Konzerts geht indes viel zu schnell vorbei. Auch hier ist jedes Lied ein absolutes Musikerlebnis und höchster Genuss. Ging es im ersten Teil des Konzerts in den Liedern hauptsächlich um Liebe und Beziehungen zwischen Menschen, wagten sich die Musikerinnen nach der Pause an die Vertonung von Naturphänomenen. Da wurde ein Sommernachmittag im Park besungen und bespielt und ein Wintertag in klangvolle Töne verpackt. In einem der letzten Lieder des Abends Take a look appelliert Ulla Pihl an die jetzigen Generationen Verantwortung für die Erde zu übernehmen, um sie für unsere Kinder und Kindeskinder lebenswürdig zu erhalten.

Noch einmal blühen die Musikerinnen zu Höchstform auf und entlassen ein verzaubertes Publikum mit (nordischen) Klängen, die auch noch nachhallen, als die letzten Akkorde verklungen sind. Ein Hauch von Magie liegt in der Luft und es scheint fast, als würden auch die sonst so steifen, altehrwürdigen Herren auf ihren Gemälden an den Aulawänden einvernehmend nicken.

Nun, sie können wir nicht nach ihrer Meinung fragen, doch das Publikum ist offensichtlich begeistert und zollt Ulla Pihl und ihren Kolleginnen lang anhaltenden Applaus.

Es bleibt zu hoffen, dass man von Ulla Pihl & Strings noch viel zu hören bekommt – eine CD liegt noch nicht vor, soll aber wohl im nächsten Jahr erscheinen. Bis dahin müssen die Erinnerungen an ein tolles Live-Erlebnis nachklingen.

(Autorin: Constanze Budde vom Webmoritz)

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