Tag - Musik

Kann man die Ostsee lesen?

„Nie!“ „Takk!“ „Ei!“ „Doch!“

So oder so ähnlich könnte sich eine Diskussion zur gegebenen Frage anhören. Ein Meer kann man nicht lesen! Oder doch? Fragen über Fragen, mit denen sich vom 13. bis 16. September in Rostock Expertinnen und Experten aus zahlreichen Ländern beschäftigten. Das Literaturhaus Rostock hatte Literaturbegeisterte aus dem Kulturbetrieb, der Wissenschaft und den Verlagen in die mecklenburgischen Hansestadt eingeladen. Reading the Baltic | Die Ostsee lesen nannte sich die Veranstaltung, die sich gleichermaßen als internationale Literaturtagung und Lesefest verstand. Auch wir aus Greifswald waren dabei.

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Aller Anfang ist charmant!

Gedanken zum Nordischen Klang, Teil 1

Sascha teilt die Fotos aus. „Das Bild dort passt mit den Bildern von den Lofoten zusammen.“  Er legt das Foto in den frisch geöffneten Rahmen, verweilt eine Weile zwischen zwei Bildern, die das Nordlicht – aufgenommen in Björklinge (30 Km nördlich von Uppsala) – zeigen und legt die beiden dann zusammen mit einem Dritten, das an derselben Wand hängen soll, in einer Reihe auf den Tisch. „Welches würdest du rauslassen?“

„Das mit dem Feld, das Licht wirkt auf dem anderen besser.“ antwortet Inken, eine Studentin der Fennistik, die Sascha beim Aufbau hilft.

„Na gut, dann ist es entschieden!“

Zusammen bereiten sie die Ausstellung „The Nordic Night Sky“ in der Stadtbibliothek vor, in der Sascha Zachhubers Fotografien vom Licht des Nordens –  vibrierend, sanft und Fernweh erweckend – gezeigt werden. Von ganz oben, dem Bereich der Sachliteratur, über die Belletristik im 1. Obergeschoss bis zum Foyer kann einem beim Betrachten der Fotos eine Frage aufkommen: Warum nicht eine Reise ganz in den Norden? Oder einfacher formuliert: Gibt es Möglichkeiten, dem Nordlicht noch näher zu kommen? Read More

Das Ende naht…

24. Dezember – Baltic Cultures wünscht frohe Weihnachten

Nun ist es endlich so weit: Der Tag, auf den wir den ganzen Herbst lang hinfiebern. Der eine Tag im Jahr, der perfekt sein soll und es meistens dann doch nicht wird. Aber das ist irgendwie auch nicht so schlimm. Denn wir haben die Plätzchen, die funkelnden Lichter, die vertrauten Weihnachtslieder und den ganzen Weihnachtsglanz um uns herum und oft reicht das allein, um zu bekommen, wonach wir uns sehnen.

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Schnee, Schnee, Schnee

17. Kunst und Klänge: 9 Oden an und über Schnee

„… auf allen zentralen Straßen der Hauptstadt des Nordens. Und jetzt zum Wetter: Morgen, am 31. Dezember erwarten wir +4 Grad in Sankt Petersburg, Niederschlag wird nicht erwartet.“
Eine Neujahrsfeier ohne Schnee? In Petersburg? Unmöglich! Dem russischen Kalender nach gilt der Jahreswechsel traditionell als wichtigstes Familienfest. Groß und Klein kommt zusammen, ein Festessen wird bereitet, Väterchen Frost verteilt die Geschenke und läutet das neue Jahr ein. Umso verständlicher scheint es, dass ein schneeloser Silvesterabend sich im Venedig des Nordens nicht allzu großer Beliebtheit erfreut. So muss es Dimitri, Frontmann der VIA Proletarskoje Tango, demnach selbst in die Hand nehmen und all seine Kumpanen zusammentrommeln um den Schnee für die Neujahrsnacht zu besingen.

VIA Proletarskoje Tango ist ein junges Musikprojekt aus Sankt Petersburg. Der Name der Band lässt sich als „VIA Proletarischer Tango“ übersetzen. Die Abkürzung VIA steht für „Vokal-Instrumentales Ensemble“, eine gängige Bezeichnung für die in der Sowjetunion anerkannten Popgruppen. Die Band selbst beschreibt ihren Musikstil auf ihrer Internetseite ausgesprochen humorvoll: „VIA Proletarskoje Tango ist ein positives und sonniges Retro-Orchester voller Lackaffen, das leichte Coverversionen der sowjetischer Hits in Begleitung von Bläsern und Balalaika aufführt“ Read More

Über das Leben von einem Brokkoli

Ein Interview mit Svavar Knútur

 

Svavar Knútur kündigt ganz zu Anfang ein „emotionales Trampolin“ an.

Am 12. September war der isländische Singer und Songwriter, der sich selbst auch gerne als „jungen Troubadour“ bezeichnet, zu Gast im gut gefüllten Greifswalder Boddenhus. Mitgebracht hatte er nicht nur seine Gitarre und Ukulele, sondern auch sein jüngstes Album „Goodbye my Lovely“, eine Ansammlung seiner Lieblingslieder.

Vor, während und nach jedem Lied begeistert Svavar Knútur mit persönlichen Anmerkungen und Anekdoten, Selbstironie und Spott (am liebsten über die Dänen), Witz und Weisheiten. So lehrt er das Publikum im einem Moment die Relevanz von Trennungen – immerhin „wachsen wir an ihnen und werden durch sie stärker“ –, im nächsten stellt er sich selbst als Brokkoli unter den Gemüsesorten dar: „vielleicht nicht unbedingt das sexieste aller Gemüse, aber immerhin voller Vitamin C.“

 

 

Svavar Knútur stammt aus den isländischen Westfjorden, wollte als Kind am liebsten Astronaut oder Wissenschaftler werden, wurde dann aber erst Journalist, arbeitete bei der Regierung, im Bereich Umwelt und als Fischermann, ehe er sich entschloss, Musiker zu werden. „Ich wollte eigentlich kein Musiker werden“, erzählt er uns von Baltic Cultures. „Aber ich habe es geliebt, Musik zu machen. Langsam, wenn man es magt, Musik zu machen, möchte man es auch vor Menschen singen. Und dann realisierst du: ‚Oh, das ist etwas, wo ich gut drin bin und wo mein Talent liegt.“ Eine Erkenntnis, zu der er erst relativ spät in seiner Karriere kam: Mit 32 Jahren, als er sich letztendlich sagte: „Na los, werde Musiker.“

 

Svavar Knúturs Lieder sind zur Hälfte auf Englisch und zur anderen Hälfte auf Isländisch. „Ich glaube, der größte Einfluss, den Island auf mich hat, ist das Sehnen, in die Welt hinauszuziehen. Weil wir auf einer Insel leben. Wir möchten entdecken und die Insel verlassen und die Welt sehen. So sind isländische Künstler*innen gefüllt mit Neugierde und dem Drang, hinauszugehen, andere Menschen kennenzulernen und neue Märkte sich zu erschließen.“

Auch er selbst bildet da keine Ausnahme; nicht weiter verwunderlich also, dass der junge Troubadour gerne auf Tour ist. Regelmäßig ist er in Nordamerika, Europa und Australien unterwegs und gibt Konzerte. Das Beste am Unterwegssein sei das Momentum. „Immer unterwegs. Immer ein neuer Ort. Immer eine neue Destination. Und immer sich langsam irgendwohin Neues bewegen. Ich mag es nicht, schnell zu reisen. Ich mag es nicht zu fliegen. Ich sitze lieber in einem Zug und beobachte die Welt vorbeiziehen. Ich würde gerne ein Zeppelin besitzen. Das wäre so cool!“

Wenn er es sich aussuchen könnte, würde er am liebsten nach Tasmanien gehen. „Ich war einige Male dort und habe gute Freunde da. Das Essen ist ganz ausgezeichnet und die Menschen sind großartig. Es ist wie ein wärmeres Island.“

 

 

Das Fernweh zeigt sich auch in seinen Liedern, die häufig Wanderlust, das Gefühl vom Verloren-sein und davon, den Weg nach Hause zu finden, thematisieren. Vielleicht sind Svavar Knúturs Lieder deshalb so fesselnd und ergreifend, weil sie authentisch sind. „Ich fühle mich verloren, seit ich geboren wurde.“, sagt er selber.

Ob er den „place of refuge“, einem Zufluchtsort, von dem er singt, auch für sich selbst gefunden hat? „Ich finde Zuflucht in bestimmten Situationen, in bestimmten Menschen, in bestimmten Ritualen im Leben. Kaffee mit einem gutem Freund, mit den Kindern zusammen sein und nichts tun, durch die isländische Landschaft fahren, in einen Zug steigen und einfach irgendwohin fahren.

 

„Wir müssen reisen und unterwegs sein“, lehrt der junge Troubadour uns während zwei seiner Songs. „Um mehr Wege zum Leiden zu finden. Wenn man immer an demselben Ort ist, leidet man auch immer auf dieselbe Weise. Aber reisend finden wir mehr Gründe. um traurig zu sein. Oder glücklich.“

„Glück bedeutet nicht, immer zu lächeln oder zu lachen. Das isländische Wort ist ‚hamingja‘. Es ist nicht mit unserem ‚Glück‘ gleichzusetzen. Es bedeutet, eine dicke Haut zu haben. Also ist ‚hamingja‘ Widerstand gegen die Schwierigkeiten und Schmerzen des Lebens. Wenn man eine dicke Haut hat, dann ist man immer gewappnet gegen die Teufel der Welt.“

Das ist auch das zentrale Thema in Svavar Knúturs Liedern: durch schwierige Zeiten gehen und dabei Gelassenheit bewahren, in der Lage zu sein zu sagen „ja, das fühlt sich schlecht an, aber ich habe immer noch Hoffnung und bin immer noch glücklich auf meinem eigenen Weg.“

 

https://onsizzle.com/i/tell-me-your-deepest-desires-i-want-to-y-s-8254458

Zuletzt bleibt noch die Frage übrig, was ein Musiker, der bereits mehrere Songs und Alben veröffentlicht hat, überall auf der Welt aufgetreten ist und Preise wie den Anna Pálina Árnadóttir memorial award gewonnen hat, sich für die Zukunft wünscht.

„Ich habe letztens ein wunderschönes Meme im Internet gelesen“, ist seine Antwort. „Da war eine tiefe, sexy Stimme, die am Telefon sagte: ‚Erzähl mir deine tiefsten Verlangen‘ – Der Mann antwortete: „Ich möchte … meine Familie unterstützen, während ich mache, was ich liebe, und einen positiven Einfluss auf die Welt haben.‘ – Das ist mein tiefstes Verlangen, der Traum, für den ich lebe.

Ich hoffe, das ist, was ich bereits jetzt mache. Aber ich möchte einfach noch mehr davon machen.“

Und so schafft der Isländer vom ersten Satz und Akkord an eine magische und familiäre Atmosphäre, die das Publikum bis zur zweiten Zugabe in Bann hält. Ein emotionales Trampolin – wie versprochen -, das noch lange in unserem Gehör und Gedächtnis und unseren Gefühlen nachklingt.

Vielen Dank an das CKKT und Svavar Knútur für das Interview!