Tag - Literatur

5. Türchen

Jólabókaflóð

christmasbookflood

Foto: teainthetreetops.com

Bücherflut, bei diesem Wort geht das Herz eines jeden Buchliebhabers auf. Es gibt doch kaum etwas Schöneres in der Winterzeit, als sich mit einer Tasse Tee oder Kakao, ein paar Plätzchen, einer Decke, dicken Wollsocken und einem guten Buch auf dem Sofa zu entspannen. Für viele zumindest.

In Island ist das Erhalten der kostenlosen bókatíðindi (dt. Buchzeitung), in der alle isländischen Neuerscheinungen vorgestellt werden, der offizielle Startschuss für die Weihnachtszeit. Gemäß einer langen Tradition, bekommt jeder zu Weihnachten mindestens ein Buch geschenkt (und verschenkt auch eines). Es ist also weniger erstaunlich, dass die meisten Bücher in den Wochen vor Heiligabend erscheinen und dies die umsatzstärkste Zeit für die isländische Buchbranche ist. In vielen Familien ist es heute noch so, dass sich jeder nach dem Festessen und der Bescherung zurückzieht und bis spät in die Nacht das neue Buch liest.

Wusstet ihr eigentlich, dass Island – gemessen an der Einwohnerzahl – weltweit die meisten Importe und Übersetzungen internationaler Literatur hat und auch die meisten Bücher und Magazine publiziert? Statistisch gesehen veröffentlicht jeder 10. Isländer im Laufe seines Lebens ein Buch. (Quelle )

Meine Masterarbeit vom Ei bis zum Vollinsekt

Am Anfang jeder Abschlussarbeit steht die Themenfindung ‒ mitunter ein leidiges Thema. In meinem Fach bestand nicht die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Lehrstühlen und Professoren zu wählen, denn es gab und gibt jeweils nur einen. Daher blieb mir diese Entscheidung schonmal erspart. Für eine grobe Richtung (Literatur-, Sprach-, Übersetzungswissenschaft und was es sonst noch gibt) musste ich mich trotzdem entscheiden. Manche fangen damit an und überlegen sich ihr Thema je nach Richtung. Ich bin den umgekehrten Weg gegangen, habe zuerst alle meine Ideen zusammengetragen, egal ob Literatur- oder Sprachwissenschaft, habe mit meinem Professor darüber geredet und am Ende das Thema ausgewählt, das mir am meisten zusagte. Das Thema, das ich schließlich fand, war recht außergewöhnlich: Die Insektenwelt als Motivquelle in ausgewählten Werken der zeitgenössischen finnischen Literatur ‒ kurz: Insektenmotive in 9 finnischen Romanen. Read More

Grönlandabend beim Nordischen Klang

Am 09. Mai um 16:49, 101 Minuten, bevor der dänisch-norwegische Autor Kim Leine in Greifswald lesen und über seinen Roman „Ewigkeitsfjord“ („Profeterne i Evighedsfjorden“) sprechen sollte, erhielt er prominente Unterstützung aus seiner Heimat: Der Schauspieler Nikolaj Coster Waldau, bekannt als Jaime Lennister aus Game of Thrones, empfahl in einem kurzen Video-Interview auf der Seite des Dänischen Rundfunks das Werk seines Lieblingsautors. Perfektes Timing: Denn Kim Leines naturalistisches Erzählen, angelehnt an die Größen des neunzehnten Jahrhunderts (Tolstoi, Zola, Flaubert), hat, und das wohl ganz unfreiwillig, einiges von einer horizontal erzählten Fernsehserie.

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Mustat paperit. Ein moderner Briefroman aus Finnland.

Im Rahmen des Nordischen Klanges fand am 11. Mai 2016 in der Stadtbibliothek eine Autorenlesung statt, bei der der Fennistikstudent und Komponist Benjamin Schweitzer mit der Autorin Maija Muinonen via Skype über ihren Briefroman Mustat paperit (dt. Die schwarzen Papiere) sprach. Der Roman kann ab sofort auch in der Bereichsbibliothek entliehen werden.

http://www.teos.fi/assets/gallery/104/rezcrop/r4300_684.jpg„Lieber Luc, diesen Brief schrieb ich dir, als du noch nicht lesen konntest“, so beginnt der erste einer Serie von Briefen, die Ann Miel in Maija Muinonens Roman Mustat paperit an ihren kleinen Sohn schreibt. Diese Anfangszeile steht programmatisch für die Idee des Buches: ein Briefroman – aber einer, der das Genre in besonderer Weise neu beleuchtet. Denn es sind Briefe einer Mutter, die weiß, dass sie in Kürze sterben wird, und sie richten sich in die Zukunft. Ann Miel malt sich das Leben ihres Sohnes aus und driftet dabei immer mehr vom Be-schreiben ins Vor-schreiben ab. Der Adressat der Briefe bleibt stumm, und dennoch lernen wir auch ihn in dieser Fiktion seines Lebens kennen.

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Türchen Nr. 24

Hinter dem heutigen Türchen hat sich eine lyrische Perle aus dem Baltikum versteckt. Es handelt sich hierbei um das Gedichte „Es un Tu“ („Ich und Du“) aus der Gedichtsammlung „Izplesti spārni” („Die ausgeweiteten Flügel“) von der der lettischen Dichterin Aspazija. Die Gedichte dieses im Jahre 1920 veröffentlichten Bandes sind im schweizerischen Exil entstanden, denn die Dichterin und ihr Mann mussten 1905 aus politischen Gründen ihr Land verlassen und konnten erst nach der Unabhängigkeit Lettlands 1920 wieder in ihre Heimat zurückkehren. Das hier angeführte Gedicht veranschaulicht sowohl die Sehnsucht nach der Heimat und der zurückgebliebenen Familie, als auch den Glaube an ein positives Ende und die Wiedervereinigung.

Es un Tu

Krīt upe no kalnu augšienes,
Un bezdibens gaida: “Te esmu es!”
Augstums ar dziļumu:
Es un tu.

Melns, graujošs pērkons pārgāja,
Un pakaļ nāk spoža varvīksna,
Spēks skaistumu līdzi nes:
Tu un es.

Ap marmorstabu vijas vīns
Kā patiesībai apkārt brīns,
Laiks apkampj mūžību:
Es un tu.

Salts, noliedzošs un nelokāms “nē”
Un ticības pilna dvēsele,
Divas šķirtas pasaules:
Tu un es.

Bet tuksnesis mūžam pēc jūras slāps,
Un jūra mūžam pret krastu kāps,
Ilgas bez izredzes:
Tu un es.

Kad tumša nakts kļūs saules lēkts,
Būs būtības gredzens kopā slēgts,
Gūs pretības vienību:
Es un tu.

Kad sarkanais vakars ir piepildīts,
Pār mūžības kalniem aust bāli zaļš rīts
Gals tiekas ar sākumu:
Es un tu.

Ich und Du

Der Fluss fällt von den Bergen hinab
Und der Abgrund wartet: „Hier bin ich!“
Die Höhe und die Tiefe:
Ich und Du.

Das schwarze, erschütternde Gewitter verging
Und darauf folgt ein glanzvoller Regenbogen,
Die Kraft bringt die Schönheit mit sich:
Du und Ich.

Um die Marmorstange windet sich die Weinrebe
Wie das Erstaunen um die Wahrheit,
Die Zeit umarmt die Ewigkeit:
Ich und Du.

Ein kaltes, abweisendes und unbeugsames „Nein“
Und des Glaubens volle Seele,
Zwei verschiedene Welten:
Du und Ich.

Aber die Wüste wird ewig nach dem Meere dürsten
Und das Meer wird ewig gegen das Ufer steigen,
Eine Sehnsucht ohne Aussicht:
Du und Ich.

Wenn die dunkle Nacht zum Sonnenaufgang wird,
Schließt sich der wesentliche Ring,
Die Gegensätze vereinen sich:
Ich und Du.

Wenn der rote Abend erfüllt ist,
Bricht über den Bergen der Ewigkeit blass der grüne Morgen an
Das Ende trifft den Anfang:
Ich und Du.

(Übersetzung von Greta Onusait)