Tag - Lettland

„Gehen Sie nicht über Los…“ – Das Thema Menschenrechte greifbar gemacht

Ungefähr im April 2015 flatterte eine E-Mail in mein Postfach. Absender: Die Domus-Dorpatensis-Stiftung in Tartu, in deren Mailingliste ich mich irgendwann mal eingetragen hatte. Betreff: Für einen internationalen Jugendaustausch wurden Teilnehmer gesucht. An dem Seminar mit dem Titel „The Spirit of Democracy“ sollten sieben Deutsche, sieben Esten und sieben Letten zwischen 18 und 30 Jahren teilnehmen, organisiert wurde das Seminar von der Deutschbaltischen Studienstiftung, und finanziert von der EU beziehungsweise Erasmus+, so dass auf die Teilnehmer kaum Kosten zukommen würden. Seminarorte: Liepāja und Rīga in Lettland. Abgesehen davon, dass ich für den Zeitraum des Seminars noch keine anderen Pläne hatte und eine kostenlose Reise nach Lettland ganz attraktiv fand, hatte ich schon lange immer wieder von Seminaren der Deutschbaltischen Studienstiftung gehört und Interesse daran gehabt, daran einmal teilzunehmen. Ich schickte meine Bewerbung ab, und bekam einige Wochen später die Nachricht, dass ich teilnehmen durfte. Read More

Geburtstagslied für Lettland

Riga

„Mama Milda, wie war das, als ich geboren wurde?“
„Das erzähle ich dir ein anderes Mal.“
„Das sagst du immer! Ich bin jetzt fünfundneunzig Jahre alt, ich bin groß genug dafür!“
„Vielleicht bist du fünfundneunzig Jahre alt, aber denk nur daran, wie viele dieser Jahre du geschlafen hast. Erst seit zweiundzwanzig Jahren bist du wieder wach, damit bist du fast noch ein Baby.“
„Mama, bitte!“

„Also gut. Irgendwann musst du es ja erfahren. Dein Vater hätte dich lieber nicht gehabt. Und erst recht wollte er nicht, dass du wieder erwachst… aber er hat nicht aufgepasst. Er hat versucht, es zu verhindern, dich wieder in den Schlaf zurück zu drängen als du erwachtest, und dich in Rīga verletzt. Aber du wolltest aufwachen, und gegen deinen Gesang war dein Vater machtlos.“
„Darum sagen die anderen, dass ich so gut singen kann?“
„Ja, Glasnost und Perestroika ließen deinen Tiefschlaf leichter werden, doch du wachtest auf durch Gesang.“

„Mama, sind Estland, Litauen und ich Drillinge?“
„Natürlich nicht, wer sagt denn so etwas?“
„Die anderen. Sogar die aus unserer Klasse. Wenn wir zusammen in Brüssel sind. Ich glaube, manchmal wissen sie nicht, wer von uns wer ist.“
„Ihr habt Vieles gemeinsam, das ist wahr. Und die Geschichte lässt euch zusammenhalten. Denk nur an die baltische Kette, die an jenem Tag unvergleichlich machtvoll eure Hauptstädte verband.
Aber trotzdem seid ihr auch verschieden, und jeder, der euch besucht, kann das sehen. Denk nur an Tallinn mit seinen mittelalterlichen Festungsgemäuern, an Vilnius, die barocke Schönheit, und Rīga, mit all seinem Jugendstil, den alle Besucher bewundern.“

„Mama, bin ich eigentlich schön?“
„Warum stellst du denn solche Fragen, mein Kind?“
„Na, die Leute möchten doch immer schöne Länder sehen. Und mich schauen nur wenige Leute genauer an…“
„Die Leute wissen nichts. – Schau, wie sich die Lichter Rigas in der Daugava spiegeln. Sieh von der Burg Turaida auf Livland herab. Schwimme in Semgallen in einem der Flüsse, die die Landschaft aus fruchtbaren Feldern durchziehen. Streife durch die Wälder in Letgallen, und laufe an den Stränden Kurlands entlang, wo man Bernstein findet und wo die letzten Liven leben. Dann wirst du keinen Zweifel mehr daran haben, wie schön du bist.
Und wenn du durch die Städte und Dörfer streifst, dann sieh die Menschen an, die dort leben. Deine Menschen, die für dich einstanden und immer für dich einstehen werden.“

„Mama, warum fährt der Mann aus dem großen Haus nebenan immer mit seinem großen Auto die Straße auf und ab, und warum hält er immer vor unserem Haus an und schaut so komisch in unseren Garten?“
„Das ist eine törichte Frage, mein Kind. Ich kann sie dir nicht beantworten, du würdest die Antwort nicht verstehen.“
„Aber Mama, das macht mir Angst.“
„Ich weiß, aber es ist nun einmal so.“
„Aber…“
„Schluss jetzt. Das waren genug Fragen für dieses Jahr.“

„Aber eine einzige Frage hab ich noch, Mama.“
„Na gut. Welche denn?“
„Warum hab ich eigentlich sechs Zehen?“

(geschrieben zum lettischen Unabhängigkeitstag 2013)

Kunst, Kultur& skandinavische Sprachen. Filme aus dem Norden!

Obwohl wir die Nordischen Filmtage in Lübeck bereits vor einigen Wochen besucht haben, wirken Geschichten, Filmtitel, Figurennamen und besondere Situationskomik der Retrospektivfilme unter dem Leitthema Komik weiter nach. Ein Erfahrungsbericht mit der Überschrift „Von Lachmuskeln& plattgesessenen Hintern. Die Nordischen Filmtage 2014 in Lübeck.“, wird nur allzu gut vorstellbar. Darüber hinaus liefern die Filmtage unzählige Hinweise auf weitere Spiel-, Dokumentar-, Stumm- oder Kurzfilme. Welche Filme interessieren? Mit welchem Film sollte man beginnen?

Ausufernder Filmkatalog der Filmtage Lübeck.

Ausufernder Filmkatalog der Filmtage Lübeck.

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Und alle singen im Chor

Woran denkt Ihr zuerst, wenn ihr an das Baltikum denkt? An die Ostsee und die Natur? An Sport? Immerhin sind die drei Länder recht erfolgreich in ihren Nationalsportarten Floorball (Estland), Eishockey (Lettland) und Basketball (Litauen). Oder denkt Ihr sogar an absolvierte Sprachkurse in der Baltistik oder Fennistik? Und wer von Euch denkt zuerst an Chöre und Singen?

Für das Nationalbewusstsein der baltischen Staaten ist das gemeinsame Singen von zentraler Bedeutung. Im Chor zu singen, ist ein beliebtes Hobby und in kaum einer Stadt vergeht eine Woche ohne einen Abend im Sinne eines Chorkonzertes. Auch für die Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit demonstrierten die Balten mit ihren Liedern. Von 1987 bis 1991 führten sie die „Singende Revolution“ gegen die Sowjetunion und hatten zuletzt Erfolg. Immer wieder trauten sich Einzelne zu dieser Zeit, sogar eine der zuhause versteckten, weil von den Sowjets verbotenen, Nationalflaggen mitzubringen, und mutig während des Singens zu schwenken.
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