Tag - Lettland

Darf es ein bisschen mehr sein? Ein Marktbummel in Riga.

Gemüse und Obst in allen Farben und Formen stapelt sich auf den Verkaufstischen und bildet ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk. Fische aus der nahen Ostsee wie auch aus fernen Fjorden werden auf die frostigen Auslagen gehieft. Es riecht nach dampfendem Kaffee, warmem georgischen Brot und süßem lettischen Honig. Die ersten Kundinnen, etwas beleibte Babuschkas mit verzierten Kopftüchern und noch leeren Plastiktüten, scharren vor den Toren bereits mit den Hufen und ertränken ihre Nervosität in Small-Talk über den rauen lettischen Winter, während hinter ihnen die aufgehende Sonne das morgendliche Riga in einen goldroten Schimmer taucht. Pünktlich öffnen sich die Türen und die Babuschkas ringen um den besten Platz, Schulter an Schulter, Tüte an Tüte, um sich durch die Eingangstür zu kämpfen.

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Schnee, Schnee, Schnee

17. Kunst und Klänge: 9 Oden an und über Schnee

„… auf allen zentralen Straßen der Hauptstadt des Nordens. Und jetzt zum Wetter: Morgen, am 31. Dezember erwarten wir +4 Grad in Sankt Petersburg, Niederschlag wird nicht erwartet.“
Eine Neujahrsfeier ohne Schnee? In Petersburg? Unmöglich! Dem russischen Kalender nach gilt der Jahreswechsel traditionell als wichtigstes Familienfest. Groß und Klein kommt zusammen, ein Festessen wird bereitet, Väterchen Frost verteilt die Geschenke und läutet das neue Jahr ein. Umso verständlicher scheint es, dass ein schneeloser Silvesterabend sich im Venedig des Nordens nicht allzu großer Beliebtheit erfreut. So muss es Dimitri, Frontmann der VIA Proletarskoje Tango, demnach selbst in die Hand nehmen und all seine Kumpanen zusammentrommeln um den Schnee für die Neujahrsnacht zu besingen.

VIA Proletarskoje Tango ist ein junges Musikprojekt aus Sankt Petersburg. Der Name der Band lässt sich als „VIA Proletarischer Tango“ übersetzen. Die Abkürzung VIA steht für „Vokal-Instrumentales Ensemble“, eine gängige Bezeichnung für die in der Sowjetunion anerkannten Popgruppen. Die Band selbst beschreibt ihren Musikstil auf ihrer Internetseite ausgesprochen humorvoll: „VIA Proletarskoje Tango ist ein positives und sonniges Retro-Orchester voller Lackaffen, das leichte Coverversionen der sowjetischer Hits in Begleitung von Bläsern und Balalaika aufführt“ Read More

„Gehen Sie nicht über Los…“ – Das Thema Menschenrechte greifbar gemacht

Ungefähr im April 2015 flatterte eine E-Mail in mein Postfach. Absender: Die Domus-Dorpatensis-Stiftung in Tartu, in deren Mailingliste ich mich irgendwann mal eingetragen hatte. Betreff: Für einen internationalen Jugendaustausch wurden Teilnehmer gesucht. An dem Seminar mit dem Titel „The Spirit of Democracy“ sollten sieben Deutsche, sieben Esten und sieben Letten zwischen 18 und 30 Jahren teilnehmen, organisiert wurde das Seminar von der Deutschbaltischen Studienstiftung, und finanziert von der EU beziehungsweise Erasmus+, so dass auf die Teilnehmer kaum Kosten zukommen würden. Seminarorte: Liepāja und Rīga in Lettland. Abgesehen davon, dass ich für den Zeitraum des Seminars noch keine anderen Pläne hatte und eine kostenlose Reise nach Lettland ganz attraktiv fand, hatte ich schon lange immer wieder von Seminaren der Deutschbaltischen Studienstiftung gehört und Interesse daran gehabt, daran einmal teilzunehmen. Ich schickte meine Bewerbung ab, und bekam einige Wochen später die Nachricht, dass ich teilnehmen durfte. Read More

Geburtstagslied für Lettland

Riga

„Mama Milda, wie war das, als ich geboren wurde?“
„Das erzähle ich dir ein anderes Mal.“
„Das sagst du immer! Ich bin jetzt fünfundneunzig Jahre alt, ich bin groß genug dafür!“
„Vielleicht bist du fünfundneunzig Jahre alt, aber denk nur daran, wie viele dieser Jahre du geschlafen hast. Erst seit zweiundzwanzig Jahren bist du wieder wach, damit bist du fast noch ein Baby.“
„Mama, bitte!“

„Also gut. Irgendwann musst du es ja erfahren. Dein Vater hätte dich lieber nicht gehabt. Und erst recht wollte er nicht, dass du wieder erwachst… aber er hat nicht aufgepasst. Er hat versucht, es zu verhindern, dich wieder in den Schlaf zurück zu drängen als du erwachtest, und dich in Rīga verletzt. Aber du wolltest aufwachen, und gegen deinen Gesang war dein Vater machtlos.“
„Darum sagen die anderen, dass ich so gut singen kann?“
„Ja, Glasnost und Perestroika ließen deinen Tiefschlaf leichter werden, doch du wachtest auf durch Gesang.“

„Mama, sind Estland, Litauen und ich Drillinge?“
„Natürlich nicht, wer sagt denn so etwas?“
„Die anderen. Sogar die aus unserer Klasse. Wenn wir zusammen in Brüssel sind. Ich glaube, manchmal wissen sie nicht, wer von uns wer ist.“
„Ihr habt Vieles gemeinsam, das ist wahr. Und die Geschichte lässt euch zusammenhalten. Denk nur an die baltische Kette, die an jenem Tag unvergleichlich machtvoll eure Hauptstädte verband.
Aber trotzdem seid ihr auch verschieden, und jeder, der euch besucht, kann das sehen. Denk nur an Tallinn mit seinen mittelalterlichen Festungsgemäuern, an Vilnius, die barocke Schönheit, und Rīga, mit all seinem Jugendstil, den alle Besucher bewundern.“

„Mama, bin ich eigentlich schön?“
„Warum stellst du denn solche Fragen, mein Kind?“
„Na, die Leute möchten doch immer schöne Länder sehen. Und mich schauen nur wenige Leute genauer an…“
„Die Leute wissen nichts. – Schau, wie sich die Lichter Rigas in der Daugava spiegeln. Sieh von der Burg Turaida auf Livland herab. Schwimme in Semgallen in einem der Flüsse, die die Landschaft aus fruchtbaren Feldern durchziehen. Streife durch die Wälder in Letgallen, und laufe an den Stränden Kurlands entlang, wo man Bernstein findet und wo die letzten Liven leben. Dann wirst du keinen Zweifel mehr daran haben, wie schön du bist.
Und wenn du durch die Städte und Dörfer streifst, dann sieh die Menschen an, die dort leben. Deine Menschen, die für dich einstanden und immer für dich einstehen werden.“

„Mama, warum fährt der Mann aus dem großen Haus nebenan immer mit seinem großen Auto die Straße auf und ab, und warum hält er immer vor unserem Haus an und schaut so komisch in unseren Garten?“
„Das ist eine törichte Frage, mein Kind. Ich kann sie dir nicht beantworten, du würdest die Antwort nicht verstehen.“
„Aber Mama, das macht mir Angst.“
„Ich weiß, aber es ist nun einmal so.“
„Aber…“
„Schluss jetzt. Das waren genug Fragen für dieses Jahr.“

„Aber eine einzige Frage hab ich noch, Mama.“
„Na gut. Welche denn?“
„Warum hab ich eigentlich sechs Zehen?“

(geschrieben zum lettischen Unabhängigkeitstag 2013)

Kunst, Kultur& skandinavische Sprachen. Filme aus dem Norden!

Obwohl wir die Nordischen Filmtage in Lübeck bereits vor einigen Wochen besucht haben, wirken Geschichten, Filmtitel, Figurennamen und besondere Situationskomik der Retrospektivfilme unter dem Leitthema Komik weiter nach. Ein Erfahrungsbericht mit der Überschrift „Von Lachmuskeln& plattgesessenen Hintern. Die Nordischen Filmtage 2014 in Lübeck.“, wird nur allzu gut vorstellbar. Darüber hinaus liefern die Filmtage unzählige Hinweise auf weitere Spiel-, Dokumentar-, Stumm- oder Kurzfilme. Welche Filme interessieren? Mit welchem Film sollte man beginnen?

Ausufernder Filmkatalog der Filmtage Lübeck.

Ausufernder Filmkatalog der Filmtage Lübeck.

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