Tag - Filmbesprechung

„Barneraneren“ – ein Film über Oslos Problemjugend aus Haugenstua

Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Anna Lange

Der Dokumentarfilm „Barneraneren“ von Jon Haukelund bietet dem Jugendlichen Noah eine 100-minütige Bühne, um die Geschichte von seinen Bemühungen, dem kriminellen Dasein zu entfliehen, zu erzählen. Diese spielt er dabei gemeinsam mit seinen Freunden und anderen Personen, die ihm auf diesem Weg begleiteten, für den Film nach. Ausgangspunkt des Filmes bildet dabei das Jahr 2013, als Norwegen von den Vorfällen im Osloer Problemviertel Haugenstua erschüttert wird, bei dem junge Leute, zwischen 15 und 20 Jahre alt, Gleichaltrige sehr gewaltbereit überfielen, ihnen Geld und Wertgegenstände raubten. Noah selbst war damals erst 15 Jahre alt und einer dieser Barneraneren, dieser jungen Täter, aus Haugenstua.

https://www.nfkino.no/oslo/article1271775.ece

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„Dreymar við hafið“/“Träume am Meer“ (2017/FO)

Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

You can go anywhere you want to: As far as you want.“, behauptet die 16-jährige Ragna, die mit ihrem jüngeren Bruder und ihrer problembelasteten Mutter in ein kleines, ödes Dorf auf den Färöern gezogen ist. Die gleichaltrige Ester lässt sich gerne davon überzeugen und in eine Welt der Grenzüberschreitungen, Freiheit und des Jugendseins mitreißen. Hauptsache weg von ihren religiösen Eltern, ihrem gutbehüteten und gleichermaßen langweiligen Alltag.

„Dreymar við hafið“, der auf den 59. Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen war, ist einer von drei Spielfilmen, der im Jahr 2017 auf den Färöern produziert wurde.1 Ein wichtiges Jahr also für die färöische Filmindustrie, die insgesamt ebenso überschaubar wie die Inselchen selbst ist. Im 78-minütigen Jugendfilm erzählt uns Regisseur Sakaris Stórá die auf den ersten Blick wenig innovative Geschichte und führt uns mit vielen Nahaufnahmen dicht an die beiden Protagonistinnen heran. Besonders die zaghaften Anfänge der Freundschaft so ungleicher Mädchen und Esters Sehnsüchte werden gut hervorgehoben. Bestärkt wird dies durch die Harmonie, die Natürlichkeit und Unerfahrenheit vor der Kamera von Juliett Nattestad (Ester) und Helena Heðinsdóttir (Ragna). Stille, Stillstand und Schweigen lassen die Bilder wirken und werden jeweils nur bewusst unterbrochen. Etwa wenn die angetrunkene Ester in die Welt – zumindest in ihre eigene, kleine Welt – hinausschreit, dass sie Gott hasse, und gleichzeitig ein wummernder Bass einsetzt.

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„Pihalla“ – Screwed (FIN 2017)

Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Friederike Schönherr

Dieser 96-minütige Jugendfilm brachte 2017 die Themen Coming-out, Sommerliebe und Erwachsenwerden einfühlsam und überzeugend in die finnischen Kinos.

Nach einer aus dem Ruder gelaufenen Party, muss der 17-jährige Miku den Sommer mit seinen Eltern in einem Ferienhäuschen auf dem Land verbringen. Die Ruhe in der finnischen Natur hat bald ein Ende, als der schüchterne Junge den extrovertierten Elias von nebenan kennenlernt. Beide Jungs sind so gegensätzlich wie irgend möglich. Miku, verschlossen und unschuldig versus Elias, der reifer wirkt und Nacktbilder von sich auf seinem Handy hat. Trotz dieser Unterschiede fühlen sie sich voneinander angezogen. Gemeinsam entfliehen sie dem Familiendasein fortan zum Rauchen, Bier trinken oder Baden gehen. Elias unangepasste und selbstbewusste Art bringt Miku dazu, sich seine Gefühle für ihn einzugestehen und seine unterdrückte Homosexualität zu akzeptieren.

Nils-Erik Ekblom präsentiert einen Film, der mit viel Gespür die unterschiedlichen Seiten des Erwachsenwerdens aufgreift. Read More

„Barndom“ – Kindheit (N 2017)

23.  Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Paul Kirschstein

Das Programm der 59. Nordischen Filmtage war randvoll mit interessanten und schönen Filmen. Einer dieser Filme ist mir jedoch mit seinen wunderbaren, ruhigen Bildern besonders im Gedächtnis verankert geblieben.

Barndom (Kindheit) der norwegischen Regisseurin Margreth Olin handelt von einem Waldorf-Kindergarten nahe Oslo. Die Dokumentarfilmerin folgte den Kindern ein ganzes Jahr hindurch mit der Kamera und beobachtete diese dort beim Spielen, Basteln und in anderen Alltagssituationen. Dabei wird den Kindern vor der Kamera ebenso viel Freiraum gegeben, wie im Kindergarten selbst. Erwachsene kommen in diesem Film kaum selbst zu Wort, geben den Kindern aber viele Impulse zu Projekten in der Natur, unterstützen kreative Ideen und stehen den Kindern stets mit Rat und Tat zur Seite. Barndom zeigt eine heile Kinderwelt mit ihren ganz normalen Höhen und Tiefen. Anfangs bemerken die Kleinen zwar die Kamera, welche ihnen folgt und versucht ihre Perspektive einzunehmen, dies nimmt jedoch im Verlauf des Films graduell ab. Zu den witzigsten Episoden des Films gehört die Verwendung von Schnee als Kaugummivorrat fürs Leben, das genaue Rezept für Liebe und Theatervorführungen der älteren Kinder für die ganz Kleinen. Wer jetzt schon neugierig ist, der sollte den Film unbedingt sehen.
Der heimliche Protagonist des Films ist Ludvig, ein sechs Jahre alter Blondschopf, der nur Flausen im Kopf hat. Im folgt die Kamera am meisten. Die verschiedenen Projekte der Kinder, wie zum Beispiel die Herstellung von Steckenpferden und Stelzen, sowie der Verlauf der Jahreszeiten dienen als roter Faden, die den Film zeitlichen strukturieren.

https://www.filmweb.no/film/article1299370.ece

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„Die letzten Robbenjäger“/“Ishavsblod – De siste selfangerne“ (N 2016)

16.  Filmkritiken der 59. Nordischen Filmtage in Lübeck

von Johanna Stölting

Der Film Die letzten Robbenjäger (Ishavsblod – De siste selfangerne) ist ein norwegischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2016. Für diesen Film begleiteten die beiden Regisseurinnen Trude Berg Ottersen und Gry Elisabeth Mortensen eine Gruppe von Robbenjägern für zwei Monate auf ihrer Fahrt zwischen Island und Grönland.

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