Tag des Kalevala und der finnischen Kultur

Wenn man am heutigen Tag durch Finnland fährt, würde man überall die finnische Fahne sehen – denn der 28. Februar ist ein Feiertag in Finnland – Tag des Kalevala und der finnischen Kultur.

Was genau zelebriert man? Kale-was? Was genau ist das?

Elias Lönnrot Bild: Wikipedia

Das Kalevala ist eine Zusammenstellung aus mündlich überlieferten Gesängen und gilt als das finnische Nationalepos. Der finnische Arzt und Schriftsteller Elias Lönnrot (1802 – 1884) hatte es sich zur Aufgabe gemacht, durch Finnland zu reisen, die alten Gesänge aufzuzeichnen und sie zu einem Gesamtwerk zusammenzufügen – denn er glaubte, dass die Gesänge Teil eines großen Ganzen waren. Inspiriert wurde Lönnrot übrigens von Johann Gottfried Herders Textsammlung Stimme der Völker in Liedern.

Lönnrot unternahm von 1828 bis 1845 insgesamt 11 Reisen und sammelte ungefähr 60.000 Gedichtverse. Ein Drittel davon übernahm er in seiner ursprünglichen Form, den Rest änderte er, so dass er zur Handlung passte und 6% dichtete Lönnrot sogar noch selbst dazu. 1835 erschien die erste Version des Kalevala mit einem Vorwort, das auf den 28. Februar 1835 datiert war. 1849 kam eine zweite Fassung heraus, die bis heute genutzt und gelesen wird.

Die Lieder des Kalevala behandeln Themen wie die Entstehung der Welt, der Menschheit und der Gesellschaft sowie Heldengeschichten und Abenteuerfahrten. Auch Schamanen und Seher kommen vor, die mit Zaubersprüchen und Beschwörungen den Alltag der Menschen prägen. Bekannte Figuren aus dem Kalevala sind etwa Väinämöinen, ein Sänger und Weiser und der Sagenheld des Kalevala, Kullervo, dem das Unglück auf Schritt und Tritt folgt und Louhi, die böse Herrin des Reiches Pohjola.

Akseli Gallen-Kalella: Lemminkäisen äiti (Lemminkäinens Mutter) Bild: yle

Das Kalevala hatte eine unglaubliche Bedeutung für die finnischsprachige Kultur. Finnland war lange Zeit Teil des Schwedischen Reiches und Schwedisch war die Kultur- und Bildungssprache – nur die armen Bauern sprachen Finnisch. Das Kalevala jedoch stärkte das Selbstbewusstsein der Finnen und den Glauben an die eigene Kultur. Die Finnen wurden nun auch international als eigenes Volk wahrgenommen und das Kalevala wurde ihr Nationalepos.

Die Rettung des Sampos von Don Rosa Bild: kirikirjastot.verkkokirjasto.fi

Auch heute noch ist das Kalevala eine Inspirationsquelle für verschiedenste Künstler. Der Maler Akseli Gallen-Kalella malte unzählige Gemälde mit Szenen aus dem Kalevala. Der Komponist Jean Sibelius schrieb Sinfonien mit Kalevala-Bezug. Von dem Comiczeichner Don Rosa gibt es einen Donald Duck Comic zum Kalevala, von dem Kinderbuchautor Mauri Kunnas ein Bilderbuch, das Koirien Kalevala (übersetzt Hunde-Kalevala) und einer der bekanntesten Schmuckhersteller aus Finnland nennt sich Kalevala Koru (übersetzt Kalevalaschmuck). Auch J. R. R. Tolkien soll im Kalevala Inspiration gefunden haben. Das Kalevala wurde mittlerweile in 53 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Plattdeutsche. Hier findet ihr nun die ersten Verse aus dem Kalevala in Platt („Kalevala op Platt“ von Herbert Strehmel) und zum Vergleich derselbe Abschnitt in Hochdeutsch (aus der Übersetzung von Hans und Lore Fromm):

 

Mi verlangt nu in mien Sinnen,
Mi bewegt nu de Gedanken,
An dat Singen mi to maken,
mi to’n Spreken antoschicken,
antostimmen Stammeswiesen,
Sippenleed nu antofangen.
De Wörder smölten in mien Mund,
Un Märkens fallen ut mi rut,
se jagen so to op mien tung,
Delen sik denn an mien Tehnen.

Mich verlangt in meinem Sinne,
mich bewegen die Gedanken,
An das Singen mich zu machen,
mich zum Sprechen anzuschicken,
Stammesweise anzustimmen,
Sippensang nun anzuheben.
Worte schmelzen mir im Munde,
es entstürzen mir die Mären,
Eilen zu auf meine Zunge,
teilen sich an meinen Zähnen.

Fun Fact: Der 28. Februar ist auch der Namenstag von Sisu. Sisu ist mehr als nur ein finnischer Name – sisu bezeichnet die Kraft, die Ausdauer und den Kampfgeist der Finnen.

            

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Julia

Julia

Fühlt sich in den finnischen Wäldern am wohlsten und träumt von einer eigenen Sauna im Garten. Hier in Greifswald, wo sie sich mit Skandinavistik und Fennistik beschäftigt, kann sie ihr Fernweh mit anderen teilen und ihre Liebe für Regen entdecken. Sonst immer auf der Suche nach nordischer Inspiration und abenteuerlichen Geschichten.