Prof. Dr. Christer Lindqvist

Foto: Prof. Dr. Christer Lindqvist

Die Mitarbeitenden des Instituts für Fennistik und Skandinavistik in Greifswald stellen sich vor

In unserer Reihe über die Mitarbeitenden des Instituts stellen wir heute den geschäftsführenden Direktor und Lehrstuhlinhaber des Bereichs Skandinavistische Sprachwissenschaft vor: Prof. Dr. Christer Lindqvist.

Baltic Cultures: Was ist Ihre Rolle im Institut? Welche Aufgaben haben Sie normalerweise?

Prof. Lindqvist: Zum Wintersemester WS 1998/99 bin ich aus Freiburg i. Br. nach Greifswald gekommen. Nach einer Vertretungszeit wurde ich dann zum Professor für „Nordische Philologie: Linguistik“ ernannt. Einige Jahre später wurde diese etwas sperrige Denomination zu „Professor für Skandinavistische Sprachwissenschaft“ geändert. Zu meinen wichtigsten Aufgaben gehören natürlich Forschung und Lehre. Leider findet sich für diese beiden Kernaufgaben nicht genügend Zeit, da auch immer mehr Verwaltungsaufgaben hinzukommen, die u.a. mit Prüfungen, Studiengängen, Berufungskommissionen, Stellenbesetzungen, Beschaffungen von Technik zusammenhängen. Seit einem Jahr bin ich zudem geschäftsführender Direktor unseres Instituts. Damit vertrete ich das Institut gegenüber anderen Einrichtungen der Universität, aber auch darüber hinaus nach außen wie z.B. im Jahr 2017 bei der externen Evaluation unserer Studiengänge, oder wenn Gäste aus den nordischen Ländern sich über das Institut informieren wollen. Mit der Geschäftsführung sind viele Aufgaben verbunden. Zu den Wichtigsten gehört die Leitung unserer hausinternen Gremien (Institutsrat, Mitarbeiterversammlung, Skandinavistikversammlung, Professorium) samt der Koordination vieler das gesamte Institut betreffender Aufgaben. Dazu gehört die Haushaltsverantwortung und die Zuständigkeit für regelmäßig anfallende Aufgaben, aber auch für „Einmaliges“ wie etwa die Koordination für das in diesem Jahr stattfindende hundertjährige Jubiläum unseres Instituts und für den geplanten Umzug in die Friedrich-Loeffler-Straße im Herbst 2018. Für die Unterstützung durch den Kollegenkreis, die ich bei der Erledigung dieser Aufgaben bekomme, bin ich sehr dankbar. Sonst wäre das alles nicht zu schaffen.

Baltic Cultures: Warum sind Sie Skandinavist geworden? oder Was lieben Sie besonders an Skandinavien?

Prof. Lindqvist: Zur Skandinavistik bin ich eher zufällig gekommen. Im Verlauf meines mathematisch-naturwissenschaftlichen Erststudiums habe ich den Weg zur philosophischen Fakultät gefunden und zusätzlich Philosophie, Keltologie, Germanistik und Skandinavistik studiert. Während meiner Zeit in Freiburg i. Br. am Institut für Skandinavistik und Vergleichende Germanische Philologie hat dann das Geisteswissenschaftliche endgültig die Oberhand gewonnen. Es war vor allem mein Lehrer Otmar Werner, der mich immer mehr für die Skandinavistik und Fragen des Sprachwandels begeistert hat. Auf ihn geht auch mein Interesse für das Färöische und für das Norn zurück. Was liebe ich besonders an Skandinavien? Die Sprachen natürlich! Und Allan Petterssons Musik. Und Hjortronsylt.

Baltic Cultures: Wozu forschen Sie gerade?

Prof. Lindqvist: Zur Zeit führe ich die letzten Fahnenkorrekturen eines Buches zur Entstehung der färöischen Gegenwartsorthographie durch. Mit Unterbrechungen arbeite ich seit etwa über 15 Jahren mit einigen Handschriften aus der Mitte des 19. Jh. , sodass ich mich sehr freue, dass diese Monographie nun endlich erscheint. Ein weiteres Buch, jedoch ganz anderen Charakters, wird auch so allmählich fertig. Dabei geht es um die Übersetzung von rund 100 Gedichten des färöischen Dichters J. H. O. Djurhuus, dessen Werk eine zentrale Rolle für die Entwicklung eines lyrischen Registers des Färöischen spielt. In den Anfängen steckt zudem eine Idee, bei der es um die Entstehung einer allgemeinen färöischen Wissenschaftssprache geht. Alle drei Themen, so unterschiedlich sie auch sind, gelten dem Sprachwandel und dem Sprachkontakt. Sie reizen mich vor allem deswegen, weil sie sich ohne den Bezug weder zum Isländischen und Dänischen noch zur europäischen Kulturgeschichte sinnvoll bearbeiten lassen.

Baltic Cultures: Haben Sie einen Lese-, Theater- oder Filmtipp aus dem Norden, den man unbedingt kennen sollte?

Prof. Lindqvist: Wer eine heitere (und erzähltechnisch raffinierte) Geschichte aus dem Stockholmer Schärengarten lesen möchte, sollte unbedingt zu Strindbergs Hemsöborna greifen. Die Verfilmung mit Allan Edwall (auch als pappa Anton der Emil-Filme bekannt) und Sif Ruud gehört zu den Klassikern. Und wer etwas Altnordisch oder Neuisländisch gelernt hat, wird erstaunt sein, wie gut man das Färöisch in Jógvan Isaksens spannenden Krimis versteht. Einen Blick in eine tief trauernde Männerseele aus der Wikingerzeit findet man in dem skaldischen Klagelied Sonatorrek aus der Egils saga. Das ist was ganz Besonderes! Wie sich leidenschaftliche Liebe in einer großartigen Seelenlandschaft widerspiegelt, zeigt Jørgen-Frantz Jacobsen in seinem von Nils Malmros melodramatisch verfilmten Roman Barbara. Ohne Gerd Brantenbergs Egalias døtre wäre die skandinavistische Genderlinguistik um einiges ärmer, und es gäbe viel weniger zu lachen.

Vielen herzlichen Dank für dieses Gespräch!

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Katharina

Katharina

Hat Skandinavien und besonders die Insel Bornholm in ihr Herz geschlossen. Liebt Literatur, Kunst(-handwerk) und Design aus Skandinavien und ist immer offen für Neues. Kann das Forschen auch nach dem Masterstudium nicht lassen und promoviert jetzt zu skandinavischer Literatur.