20. Türchen

Postkarte aus Russland – Teil I

Heute schickt uns Marcel Grüße aus Russland. Diese Bilder hat er in Moskau aufgenommen. Viel Spaß beim Anschauen und seid gespannt auf seine nächsten bunten Bildergrüße.

19. Türchen

Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester bezeichnen wir Deutschen etwas umständlich mit der Redewendung „Zwischen den Jahren. Die Festlandskandinavier haben für diesen Zeitraum aber ganz eigene Wörter. Die Schweden halten es ähnlich wie die Deutschen und nennen diese Tage schlicht und einfach mellandagarna (dt. die Zwischentage). Die Norweger verwenden ein Kompositum, das sich aus den norwegischen Wörtern für Raum und Weihnacht zusammensetzt: romjul. Früher galt der Begriff sogar auch noch für die erste Januarwoche und der 6. Januar, der Dreikönigstag, markierte das Ende des Romjuls. Der in Dänemark verwendete Begriff juletylvten (dt. Weihnachtszwölf) erinnert hingegen stark an das Englische Twelve days of christmas und in beiden Fällen gilt der 6. Januar auch heute noch als das Ende der Weihnachtszeit.

Trotz der unterschiedlichen Namen wird in allen Ländern die Zeit zwischen Weihnachten und dem neuen Jahr ähnlich verbracht: Weihnachtsbesuche, die man an den Weihnachtstagen nicht geschafft hat, Spaziergänge, Reflektieren über das vergangene Jahr, Pläneschmieden für das neue Jahr, Schnäppchenjagd bei Weihnachtsausverkäufen oder einfach nur Entspannen.

18. Türchen

Michaela kommt ursprünglich aus Leverkusen und ist vor fast 10 Jahren nach Finnland gezogen. Heute erzählt sie uns, wie sie mit ihrer deutsch-finnischen Familie Weihnachten feiert.

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Oulu zur Weihnachtszeit, Foto: Michaela Poussu

100 Kilometer entfernt vom Polarkreis wohnen mein Mann, unser Sohn und ich. Wir sind eine deutsch-finnische Familie, haben jeden Tag mindestens drei Sprachen um uns herum und haben es geschafft, unsere Weihnachtstraditionen so zu kombinieren, dass alle glücklich sind.
Die Weihnachtszeit fing die letzten Jahre erst mit dem ersten Dezember an, aber dieses Jahr war es direkt nach Halloween so weit. Rote Geschirrhandtücher, rote Gardinen, Fensteraufkleber von Lidl, ein türkiser kleiner Plastik-Tannenbaum für meinen Schreibtisch und noch viel mehr haben sich in unsere Wohnung eingeschlichen.
Eingeschlichen hat sich der Nikolaus nie in unsere Vorweihnachtszeit. Er ist eher mit voller Wucht in die Wohnung geknallt – sehr zum Wohlgefallen unseres Sohnes. (Anm. d. Red.: In Finnland wird am 6. Dezember der Unabhängigkeitstag gefeiert, den Nikolaus gibt es nicht.) Die Geschichte des Nikolauses zu erklären, das war einfach. Die Tradition, warum wir nur einen Schuh putzen und vor die Türe stellen, will meinem Mann aber noch immer nicht in den Kopf. Die Freunde meines Sohnes beneiden ihn darum, dass er bereits am sechsten Dezember ein Geschenk (oder zugegeben manchmal auch mehrere) bekommt. So sehr ich mich auch in die finnische Kultur und in deren Traditionen eingelebt habe, den Nikolaus kann mir keiner wegnehmen.

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17. Türchen

Pippis Jul

Habt ihr auch schon so manch gemütlichen Winternachmittag im Kinder- oder Erwachsenenalter – lesend oder vorlesend – mit Astrid Lindgrens Kinderbüchern verbracht? Wie wäre es heute mit noch einem gemütlichen Nachmittag und Weihnachten bei der sommersprossigsten, rothaarigsten und bestimmt frechsten Kinderbuchheldin Pippi und ihren Freunden Tommi und Annika? Auch sie feiern Weihnachten, backen Pfefferkuchen und fahren Schlitten. Hier findet ihr „Pippis Jul“ für euren Samstagnachmittag auf dem Sofa.

http://bit.ly/2hthR3q

 

16. Türchen

Der Heilige | Sventasis | The Saint

Der folgende Betrag stammt von der Masterstudentin Sabrina Scholz.

In einem Stadtrandgebiet in Litauen widerfuhr einem einfachen jungen Mann ein einschneidendes, alles veränderndes Erlebnis: Er hat Jesus Christus gesehen. In die eigene Kamera berichtet er ergriffen von der Erscheinung und zeigt genau die Stelle, wo Jesus gestanden haben soll. Eine dreckige, mit Graffiti beschmierte, gelbliche Hauswand.

In eben dieser Stadt lebt auch Vytas (Marius Repsys). Er wohnt mit seiner Frau Jurate (Indre Patkauskaite) und seinen beiden Töchtern in einer kleinen Wohnung. Die Wohnzimmercouch dient nachts als Bett. Als Vytas seinen Job verliert, verfällt er in Lethargie, sitzt die meiste Zeit vor dem Fernseher oder trifft seinen Freund Petras (Valentinas Krulikovskis) zum Biertrinken. Gegenüber seiner Familie wirkt er teilnahmslos. Gefühle scheinen abgeschaltet. Auch die intime Beziehung zu seiner Frau benötigt filmische Anreize, um überhaupt stattzufinden.
Vom Amt erhält er aberwitzige Auflagen, wird zur Teilnahme an einem Bewerbungstraining verpflichtet, das er nahezu gleichgültig absolviert. Die Maßnahme an sich ist dermaßen abstrus, dass man sich zweifelnd fragt, wie Vytas dennoch jeden der vorgebrachten Vorschläge annimmt und in die Tat umsetzt. Während einer dieser „Schritte zum neuen Job“ lernt er Marija kennen. Und plötzlich kehrt ein wenig Leben in sein Gesicht zurück, ein wenig Neugier. Sein Optimismus, eine Stelle zu finden, wird beflügelt. Marija ist es auch, mit der er seinen neuen Job feiert, den er nach einem gänzlich absurden Vorstellungsgespräch bereits am nächsten Tag antreten soll. Als dieses ausgesprochene Arbeitsangebot am Folgetag jedoch widerrufen wird, verfällt Vytas in einen depressiv anmutenden Zustand. Wenn er nicht auf der Couch liegt und fernsieht, trifft er sich so oft er kann mit Marija. Dass er damit seiner Misere allerdings nicht entkommen kann, muss Vytas später selbst schmerzlich feststellen.

Durch einen grau-blauen Filter illustriert Der Heilige den tristen Alltag eines litauischen Mannes, der die Folgen der Wirtschaftskrise von 2008 am eigenen Leib erfährt. Regisseur Andrius Blazevicius sieht ihn stellvertretend für den typischen Litauer. Das Land ist patriarchalisch geprägt, der Mann muss Stärke verkörpern. Als Vytas dies nicht mehr gelingt, gerät er in eine Krise, muss seinen Platz, seine Identität neu definieren. Nicht jedem gelingt dies. Die Suizid-Rate in Litauen sei vergleichsweise hoch, berichtete Blazevicius. Einen anderen Ausweg sehen viele Litauer in der Emigration – eine Thematik, mit der sich auch Der Heilige auseinandersetzt. Sowohl der Charakter der Marija als auch Petras liebäugeln mit einem Leben außerhalb Litauens. Ein Freund der Männer, Rokas, wagt den Schritt. Mit einer ausgiebigen Feier wird er verabschiedet und kann nicht umhin, vor seiner Abreise einige Tränen zu vergießen.

Filme wie seinen gebe es nicht in Litauen. Soziale Probleme durch Filme aufzuarbeiten habe viel zu lange nicht stattgefunden. Wie Blazevicius ebenfalls erzählte, stamme die Begebenheit des Vorstellungsgespräches und der später zurückgenommenen Jobzusage aus seiner eigenen Erfahrung. Für ihn sei diese Szene ein Paradebeispiel für die „Kultur des Vorspiegelns“ („culture of pretending“), wie er es nennt. Von der Rezeption erwartet er zumindest seitens der Kritiker Anerkennung und Lob. Wie das allgemeine Publikum reagieren werde, könne er nicht vorhersagen.
Irreführend mag der Titel „Der Heilige“ erscheinen, handelt der Film doch primär von Vytas. Der Mann in dem Youtube-Video und seine Christus-.Sichtung bilden die nebensächliche Rahmenstory. Zwar geht Vytas in die Kirche, doch da sein Kumpel Petras Messdiener ist, kommt dieser eher noch in Frage für einen Heiligen Zumal er den Youtuber unbedingt finden will – und im besten Fall im gleichen Zug Jesus Christus.
Hoffnung will Regisseur Andrius Blazevicius durch den Film vermitteln. Ob ihm das gelingen wird, ist höchst fraglich. Der Rezensentin zumindest hatte dieses Gefühl nicht.