Mind the gap!

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Mind the Gap! – London Underground

Vor 2 Jahren reiste ich nach London, um kurzfrisitg meine Freundin Tina zu besuchen. Durch mehrere Reisen ins Ausland- ob Amerika, Ost- oder Südeuropa- dachte ich, ich wäre auf alles vorbereitet. Kulturschock – durch Fernsehen und grenzenübergreifende Popkultur doch gar nicht mehr möglich. Ich lag falsch.

Ich hielt mich bis zu dem Zeitpunkt, als ich das Flugzeug betrat, für einen professionellen English-user. Schließlich studiere ich das. Aber die Stewardess öffnete ihren Mund – und ich hätte ebenso nach China reisen können. Ich verstand kein Wort. Der Phonetics-Unterricht über das standard English und die ganzen Serien aus Großbritannien haben mich kaum auf diesen Akzent vorbereitet.

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Oxfor Circus Station

Die Fahrt vom Luton Airport nach Streatham Common dauerte eine Stunde. Eine Stunde, in der ich auch schon wieder um einiges überfordert war. Man kauft sich Fahrkarten oder hat im günstigsten Fall seine Oystercard bereit, um durchs Drehkreuz zu hetzen und den Zug oder eben die berühmte London Underground zu nehmen. Der Schaffner lief durch und Tina bemängelte, dass ich viel zu selten Danke gesagt habe. Thank you, wenn der Schaffner meine Oystercard nimmt. Thank you, wenn er sie mir wiedergibt. Thank you, wenn er wieder geht? Das Prinzip der Höflichkeit hatte ich in diesem Zusammenhang noch nicht so ganz verstanden.

Natürlich ließ mich auch das Autofahren auf der linken Seite nicht los. Hätten meine Begleiter mich nicht immer zurückgezogen, wäre ich so einiges Mal vor ein Auto oder den London Bus gerannt. Die Busfahrer verdienen wohl so einiges an Schotter – nicht verwunderlich, wenn man sieht, was für einem Verkehr sie sich aussetzen müssen. Ich hatte Glück und konnte mich oben in einen Bus setzen, ganz nach vorne, während wir u.a. die Oxford Street entlang fuhren. Das ein oder andere Mal spürte ich ein kurzes Aufkommen von … nun ja, Todesangst, als der Bus erst 30cm vor dem nächsten zu stehen kam.

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Camden Market

Meine persönlichen Highlights waren die Londoner Märkte. In Notting Hill, wo jedes Haus eine andere Farbe trägt, oder in Camden, wo man unaufhörlich den Geist der Geschichte spürt. Natürlich ist ganz London so voller history – ob der Buckingham Palace, der Piccadilly Circus, der Trafalgar Square. Ganz gewöhnliche Dinge -Telefonzellen, Busse, sogar Polizisten- stehen in London in einem ganz anderen Licht, jedenfalls für mich als Touristen. Ich kann es nicht in Worte fassen, dafür muss ich selbst nochmal hin. Diesmal auch mit genug Bargeld in der Tasche, denn eins kann man nicht verleugnen – London ist ein teures Pflaster.

Nach nur 5 Tagen ging meine Reise zuende: am Ostermontag, als kein Zug direkt nach Luton fuhr, Tina ihre Oyster Card zuhause liegen gelassen hat und zu allem Überfluss mein Handyakku fast leer war. Aber irgendwie klappte es dennoch: bis nach London Bridge, von dort aus nach King’s Cross und weiter nach Luton Airport. Ich habe natürlich auch die falsche Fahrkarte gekauft, konnte die aber glücklicherweise umtauschen und kam eine halbe Stunde vorm Boarding am Flughafen an.

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Josy

Josy

„There is nothing either good or bad but thinking makes it so“ – Ursprünglich aus der Mudderstadt, lebt in Greifswald für die Anglistik und Amerikanistik. Tagträumer, Weltenbummler und realitätsfern, aber bei jedem Streich ganz vorne mit am Start.