Können Naturfilme die Welt verändern?

Ein Beitrag zum Darßer NaturfilmFestival 2018

Naturfilme beeindrucken, ziehen Zuschauer jeden Alters in ihren Bann und führen uns die volle Schönheit der Erde samt ihrer Flora und Fauna vor Augen. Doch diese Schönheit ist bedroht. Wilderei, illegale Abholzung, Artensterben und Klimawandel sind längst an der Tagesordnung. Was kann der Naturfilm leisten, um dem entgegenzusteuern? Um diese Frage und um Fragen der Relevanz und Wirkungsmacht von Naturfilmen ging es in der offenen Diskussionsrunde mit dem Titel „Können Naturfilme die Welt verändern?“ während des Darßer NaturfilmFestivals am 6. Oktober dieses Jahres. Gemeinsam diskutierten die Naturfilmer Jan und Melanie Haft, Henry M. Mix, Autor und Produzent Tom Synnatzschke sowie der Greifswalder Universitätsprofessor am Institut für Botanik und Landschaftsökologie Prof. Dr. Hannes Knapp darüber, welche Rolle der Naturfilm, insbesondere angesichts der abnehmenden Bedeutung des Fernsehens, heutzutage innehat  und auf welche Weise ein Naturfilm gesellschaftliche Relevanz erreichen kann.

Wirkungsmächtige Naturfilme gibt es, darüber sind sich alle einig, man brauche sich nur die Rezeption Bernhard und Michael Grzimeks Film „Serengeti darf nicht sterben“ anschauen, der 1960 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und dazu beitrug, dass die Regierung Tansanias die Savannenlandschaft in ihrem Land zum geschützten Nationalpark erklärte. Doch wie schafft es ein Film Naturschutz positiv zu beeinflussen? Durch das Überangebot an Unterhaltung in den Medien, gehe häufig die Strahlkraft von Naturfilmen verloren, so die Antwort, richtige Relevanz aber erreiche ein Film, wenn er den wichtigen Entscheidern in dieser Welt gezeigt würde, was allerdings nur selten der Fall sei. Daher seien im Fernsehen vor allem die Sendezeit, Präsentation und Einbindung von Bedeutung, wenn man möglichst viele Zuschauer auf eine Umweltproblematik hinweisen will, so beispielsweise wenn auf einen zur Prime Time gezeigten Naturfilm eine Talkrunde folgt und dieser darüber hinaus noch in andere mediale Kanäle eingebunden ist.

Prof. Dr. Hannes Knapp betont, dass vor allem die Bildung bei Naturfilmen im Vordergrund stehe. In Zeiten der Entfremdung von der Natur sei es besonders wichtig, ein Bewusstsein für die Natur als Lebensgrundlage zu schaffen und Natur auf eine gewisse Art und Weise erfahrbar zu machen. Doch natürlich wecken Naturfilme auch die Lust beim Zuschauer, Naturräume selbst erfahren zu wollen, was einerseits Aufmerksamkeit auf die Natur lenkt, diese jedoch auch eindämmen und belasten kann. Dennoch, so ist die Einschätzung der Runde, sei der Naturtourismus vielmehr als Chance, denn als Gefahr zu sehen. Wo es Geld zu verdienen gibt, wird schließlich daran gearbeitet, die Geldquelle nicht versiegen zu lassen und so sei der Tourismus ein enormer Antrieb für den Naturschutz in vielen Regionen dieser Welt.

Was die Themen angeht, die Naturfilme bearbeiten und die Art und Weise wie diese transportiert werden, gebe es derzeit einen Paradigmenwechsel, so die Stimmen aus der Naturfilmbranche. Während man vor einiger Zeit noch mit Bildern „süßer“, friedlicher Säugetiere die höchsten Zuschauerzahlen generierte, erreicht man nun auch mit Filmen über „Feinde“, Insekten oder Skurillitäten in der Tierwelt eine große Zielgruppe. Generell sei zudem eine Tendenz zu erkennen, dass eine größere Bereitschaft der Sender vorhanden sei, schwierigere Themen zu bearbeiten. Dennoch sei man diesbezüglich noch vorsichtig, da eine Umweltreportage auf einem Naturfilmsendeplatz zu einer rückläufigen Quote führe. Man müsse jedoch den Zuschauer auch nicht immer mit dem Katastrophenszenario konfrontieren, zeigt man ihm beispielsweise den Idealzustand, so entstehe auch eine Sensibilität für das, was schützenswert ist.

Doch was ändert es überhaupt an der Situation, wenn ein Film über die Naturproblematiken in anderen Erdteilen bei uns in Deutschland gezeigt wird? Natürlich kann ein solcher Film die Zuschauer auf ein wichtiges Thema hinweisen und Spenden generieren, an der Situation vor Ort ändert sich jedoch selten etwas. In dieser Hinsicht sehen sich die Filmemacher und Produzenten in der Pflicht. Naturfilme müssten in den Ländern vor Ort rechtefrei zugänglich gemacht werden und eben dort zur Bildung beitragen, was sich jedoch bei großen Produktionen häufig als schwierig erweise.

Für die Zukunft müsse man außerdem Konzepte für junge Leute entwickeln, die sich vom öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm nicht angesprochen fühlen und die Präsenz von Naturfilmen auf Internetplattformen und bei Streamingdiensten ausbauen. Darüber hinaus müsse das volle Potenzial von Naturfilmen ausgeschöpft werden, man müsse diese in Schulen einsetzen und somit die Naturbildung von Kindern weiter vorantreiben, denn Kinder sind ja schließlich die Zukunft.

 

 

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David

David

Begeistert sich von A wie Astrid Lindgren bis Z wie Zlatan Ibrahimovic für alles, was sich in der schwedischen Gesellschaft abspielt. Mag die nordische Peripherie, genauso wie das kosmopolitische Stockholm und hat ansonsten ein Faible für skandinavische Kinderliteratur, Esskultur und für’s Fotografieren.
Studiert im Master Kultur-Interkulturalität-Literatur und träumt vom Leben in Schweden.