Kielitaito on rikkaus

in Zusammenarbeit mit Fennistikstudentin Mareen Patzelt

Da Finnland und Deutschland über die Ostsee hinweg Nachbarn sind, so betonte Botschafterin Koukku-Ronde, ist gegenseitiges Interesse für Sprache und Kultur sowohl für den kulturellen Austausch als auch für die wirtschaftlichen Verbindungen sehr wichtig. Eine große Erleichterung in ihrer Arbeit als Botschafterin sei es daher, zu wissen, dass in Greifswald junge Menschen in der finnischen Sprache, Literatur und Kultur ausgebildet werden.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Nordischen Klanges, welches von zahlreichen Mitarbeitern und Helfern in monatelanger Arbeit vorbereitet wurde, war am Freitag die Botschafterin Finnlands, Ihre Exzellenz Ritva Koukku-Ronde, in Greifswald zu Gast. Bevor sie am Abend das Festival offiziell für eröffnet erklärte, besuchte sie am Nachmittag das Institut für Fennistik und Skandinavistik. Dort konnte die höchste Diplomatin Finnlands in Deutschland im Gespräch mit Mitarbeitenden, Studierenden und Emerita Sirkka-Liisa Hahmo einen Überblick über die Forschungsarbeit und die Studien zur finnischen Sprache und Kultur in Greifswald gewinnen.
Prof. Dr. habil. Marko Pantermöller, Lehrstuhlinhaber für Fennistik, stellte zunächst kurz die Inhalte und Besonderheiten der Greifswalder Fennistik vor. Neben den herausragenden Leistungen auf verschiedenen fennistischen Forschungsgebieten – vor allem der Linguistik – und den vielseitigen Kooperationen mit nicht nur finnischen Universitäten, sondern auch fennistischen Instituten in Estland und Polen, in dessen Hauptstadt Warschau in diesem Jahr eine gemeinsame Herbstschule für polnische und Greifswalder Fennistikstudierende stattfinden wird, wurden weitere Punkte hervorgehoben.
Seit 95 Jahren wird in Greifswald an der Universität Finnisch gelehrt, die Beziehung zwischen Greifswald und Finnland bestand jedoch schon vorher. Aufgrund dieser langen Tradition finden sich in Greifswald viele alte finnische Drucke, die teilweise in Finnland nicht mehr existieren, da sie beispielsweise beim großen Brand in Turku 1827 zerstört worden sind. Diese wertvollen Kulturschätze wurden bereits zwei Mal im Rahmen einer Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert.
Studierende im Zwei-Fach-Bachelor und verschiedenen Masterstudiengängen kombinieren ihr Studium der Fennistik gewinnbringend mit anderen Studienfächern, allen voran mit einem Studium der Skandinavistik und Deutsch als Fremdsprache. Auch außerhalb des Studiums gibt es für Studierende zahlreiche Möglichkeiten, das neu erworbene Wissen um die nordischen Kulturen und Sprachen anzuwenden; so zum Beispiel beim Nordischen Klang und im Rahmen der „Jungen Literatur in Europa“. In der Vorbereitungsphase der internationalen Autorentagung „Junge Literatur in Europa“ übersetzen die Studierenden regelmäßig Auszüge aus Romanen, die in ihren Ursprungsländern erfolgreich sind, aber bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Im letzten Jahr war der Debütroman Taivaankantaja (dt. Himmelsträger) von Riikka Pelo Übersetzungsgegenstand. Die studentische Übersetzung fand Eingang in den gerade erschienenen Tagungsband der Autorentagung. Dank der Publicity im deutschsprachigen Raum (Zeitung und TV berichteten auch von Pelos Tagungsbesuch) konnte ein deutscher Verlag für ihren zweiten Roman Jokapäiväinen elämämme (dt. Unser alltägliches Leben; Finlandiapreis 2013) gefunden werden. Nicht selten haben Probeübersetzungen aus Greifswald aber auch direkt zu Vertragsabschlüssen geführt.
Im Anschluss erkundigte sich Koukku-Ronde nach der aktuellen Situation und einer Zukunftsprognose für die Fennistik in Greifswald. Im Angesicht der Schwierigkeiten, mit denen die kleineren Fächer in Deutschland in den letzten Jahren konfrontiert waren und auch nach wie vor sind, ist dies eine durchaus berechtigte Frage. Laut Pantermöller ist die Entwicklung der letzten Monate jedoch positiv zu deuten. Eine langfristige Planung wurde bisher dadurch erschwert, dass die Professur für Fennistik in den vergangenen acht Jahren wiederholt nur befristet abgesichert war. Seit Februar dieses Jahres ist die Professur jedoch endlich entfristet. Dennoch bleiben die auf zwei Jahre befristeten Arbeitsstellen für die Sprachlektoren weiterhin ein Hindernis in der konsekutiven Betreuung der Studenten. Es wäre wünschenswert, dass die Studenten von Studienbeginn bis Studienende von denselben Lektoren betreut werden.
Während sich die Greifswalder Fennistik nun also über einen langfristigen Vertrag für den Lehrstuhlinhaber und damit eine willkommene Konstanz und die Möglichkeit zur Schwerpunktsetzung freuen kann, scheint in Finnland das Interesse an der Germanistik von Jahr zu Jahr zu schwinden, obwohl Deutschland ein wichtiger Handelspartner für Finnland ist. Da beide Länder über die Ostsee hinweg Nachbarn sind, so betonte die Botschafterin, ist gegenseitiges Interesse für Sprache und Kultur sowohl für den kulturellen Austausch als auch für die wirtschaftlichen Verbindungen sehr wichtig. Auch für Fennisten bringt diese langjährige Beziehung zwischen Finnland und Deutschland viele Vorteile mit sich. Neben wirtschaftlicher Zusammenarbeit entstehen mit wachsendem Austausch auch Arbeitsplätze für (zukünftige) Fennisten, wie bereits 2014 bei der Frankfurter Buchmesse mit Finnland als Gastland sehr gut zu sehen war. Übersetzerfähigkeiten sind nach wie vor gefragt – auch für den kulturellen Austausch. Koukku-Ronde hob hervor, dass das Beherrschen einer Sprache eine weitaus tiefgreifendere Kenntnis fremder Kulturen mit sich bringen und die eigene Sichtweise um interessante Blickwinkel erweitern kann. Ihre Erfahrungen aus den USA zeigten ihr, dass es auf diesem Gebiet sehr viel zu tun gibt. „Kielitaito on rikkaus“ (dt. Sprachkenntnis ist Reichtum), merkte sie an. Auch deswegen sei es eine große Freude, zu sehen, wie Studierende in Deutschland sich für die finnische Sprache begeistern, die sie auch der Literatur, der Kultur und den Menschen in Finnland näher bringen. Eine große Erleichterung in ihrer Arbeit als Botschafterin sei es daher, zu wissen, dass in Greifswald junge Menschen in der finnischen Sprache, Literatur und Kultur ausgebildet werden, denen auch weiterhin eine langfristige finnisch-deutsche Zusammenarbeit am Herzen liegt.
In ihrer Eröffnungsrede zum Nordischen Klang verwies die finnische Botschafterin noch einmal auf die langjährige gemeinsame Geschichte Finnlands und Deutschlands. Die gemeinsamen Bemühungen um die Zusammenarbeit im Ostseeraum tragen bereits Früchte in der Wirtschaftsleistung dieser Region und sollen auch in Zukunft nicht zuletzt mit Blick auf nachhaltige Entwicklung und umweltfreundliche Technologien weitergeführt werden. Als Raum intensiver Kooperation soll der Ostseeraum auch weiterhin vom kulturellen Austausch in seiner Vielfalt profitieren. Besonders wichtig seien hierbei die Bildungseinrichtungen, die das Studium der ostseefinnischen und skandinavischen Philologien und Kulturen ermöglichen. Sie bilden zukünftige Experten aus, die die weitere Zusammenarbeit garantieren. Besonders im Rahmen des Nordischen Klangs soll deshalb ein Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt und ein vielfältiger kultureller und zwischenmenschlicher Austausch ermöglicht werden.

 I.E. Ritva Koukku-Ronde mit Mitarbeitern und Studenten des Instituts für Fennistik und Skandinavistik I.E. Ritva Koukku-Ronde mit Mitarbeitern und Studenten des Instituts für Fennistik und Skandinavistik

Eintrag in das Goldene Buch der Stadt

Elisabeth Walaas, Bürgermeister Stefan Fassbinder, I.E. Ritva Koukku-Ronde, Prof. Dr. habil. Marko Pantermöller

About author View all posts

Svenja

Svenja

Interessiert sich grundsätzlich für alles Nordische von Island bis Finnland, von Singer/Songwritern bis Metal und von Mumins bis Krimis. Vereint die Leidenschaft für das Reisen und das studentische Budget liebend gerne im Couchsurfen.