Julehygge in Dänemark

© Koen Eijkelenboom via Unsplash

Euer Baltic Cultures Adventskalender – Türchen 1

„Hygge“ und „hyggelig“ sind auch hierzulande ein fester Begriff für die berühmte dänische Gemütlichkeit und einen entspannten Lebensstil. Doch sobald die Tage immer dunkler werden und Weihnachten kurz vor der Tür steht, erreicht „hygge“ in Dänemark nochmal eine ganz neue Dimension: Es ist Zeit für julehygge!

Die ersten Anzeichen für julehygge gibt es schon im November – genauer gesagt, am ersten Freitag im November, dem „J-dag“ (sprich: „joll-däy“). An diesem Tag liefert die große Brauerei Tuborg ihr Weihnachtsbier, das „julebryg“, an ausgewählte Bars und Kneipen und das frei Haus!

Wenn dann endlich der 1. Dezember kommt, starten auf sämtlichen dänischen Fernsehsender die „julekalender“, also kleine Adventskalenderserien mit 24 Folgen. Diese Kalenderserien sind sehr beliebt bei Groß und Klein und es gibt immer viele verschiedene Kalender zur Auswahl, unter anderem auch Produktionen aus Norwegen oder Schweden. Einer der größten und beliebtesten Adventskalender ist auf dem größten öffentlich-rechtlichen Sender DR1 zu sehen, der fast jedes Jahr einen neuen Kalender bereithält. Dieser richtet sich meist an ältere Kinder und Jugendliche, ist auf allerhöchstem Niveau produziert und wird oft mit bekannten dänischen Schauspielern besetzt. Dabei geht es oft auch um ernstere Themen wie z. B. den Tod und die Bewältigung der Trauer (wie in diesem Jahr, in dem sich ein Junge mit dem Tod seines Großvaters auseinandersetzen muss), aber es ist auch immer eine gehörige Portion Magie und Weihnachtskitsch dabei, wobei die Weihnachtswichtel, die „julenisser“ und der Weihnachtsmann, der „julemand“, natürlich nicht fehlen dürfen. Doch natürlich gibt es auch die „Klassiker“, die immer wieder mal gesendet werden, wie z. B. Vinterbyøster von 1973; ein Puppenspiel über eine typische dänische Kleinstadt, in der alles ein wenig durcheinandergerät, als ein Zirkus in die Stadt kommt.

Neben den Adventskalendern gibt es auch Weihnachtsfilme, die jedes Jahr gezeigt werden. Julebal i Nisseland („Weihnachtsball im Wichtelland“) ist dabei der Klassiker schlechthin und alle Kinder kennen die Abenteuer von Lille Per, die er mit den Wichteln erlebt.

Natürlich gibt es wie überall neben den traditionellen Weihnachtsliedern auch Lieder, die im Radio rauf und runter gespielt werden. Das bekannteste ist sicherlich MC Einars Weihnachtsrap von 1988 Jul Det‘ Cool, der vom alltäglichen Weihnachtswahnsinn im Dezember handelt und höchst sarkastisch die „Freuden“ des Weihnachtseinkaufs auf die Schippe nimmt – bei all der „julehygge“ musste das wohl mal gesagt werden, auch wenn der Schuss ein bisschen nach hinten losging, denn man kommt in der Weihnachtszeit an diesem Song nicht vorbei und er gehört mittlerweile genauso zur Weihnachtszeit wie bei uns Last Christmas von Wham!.


Die Adventszeit ist genau wie bei uns auch eine Zeit des Plätzchenbackens, doch werden in Dänemark nicht nur Kekse gebacken. „Klejner“ sind z. B. so ähnlich wie die Mutzen bei uns und „æbleskiver“ gehören zur dänischen Weihnachtszeit wie in Deutschland die Zimtsterne. Hier auf dem Blog findet ihr übrigens ein Rezept für die leckeren æbleskiver zum Ausprobieren!

Zum Weihnachtsessen selbst, dem „julefrokost“ isst man oft Ente oder Gans, aber besonders gerne knusprig gebackenen Schweinebraten („flæskesteg“) und es wird auch viel „gløgg“ und (oft selbstgemachten) „julesnaps“ getrunken. Zum Nachtisch wird ein spezielles Reisgericht serviert: Risalamande (oder Ris á l’amande). Es handelt sich dabei um süßen Reis, in dem eine einzige Mandel versteckt ist. Derjenige, der die Mandel findet, muss sie so lange im Mund verstecken, bis alle aufgegessen haben. Dann gibt er sich „zu erkennen“ und bekommt ein kleines Geschenk, die „mandelgave“.

Am Heiligabend, dem „juleaften“ ist es (wie übrigens auch in den anderen skandinavischen Ländern) Brauch, um den Weihnachtsbaum, dem „juletræ“ zu tanzen und dabei Weihnachtslieder zu singen. Zum Beispiel Højt fra træets grønne top, das genau davon handelt, wie am Heiligabend zusammen gesungen und getanzt wird und die Lichter „Hoch von der grünen Baumspitze“ herunterleuchten.

Oder man wünscht sich während man so um den Baum tanzt und singt, dass die Weihnachtszeit gleich bis Ostern gehen könnte, wie es im Lied Nu er det jul igen heißt:

Nu er det jul igen, nu er det jul igen –
og julen varer lige til påske!

In diesem Sinne eine frohe Adventszeit!

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Katharina

Katharina

Hat Skandinavien und besonders die Insel Bornholm in ihr Herz geschlossen. Liebt Literatur, Kunst(-handwerk) und Design aus Skandinavien und ist immer offen für Neues. Kann das Forschen auch nach dem Masterstudium nicht lassen und promoviert jetzt zu skandinavischer Literatur.