Immer wieder diese „Schundliteratur“…

Filme waren, sind und bleiben Produkte, die nicht nur uns und unsere Gefühle, unser Denken oder Handeln beeinflussen, sondern auch gut und gerne zum Streiten führen. Pulp Fiction ist jedem ein Begriff und jeder, der ihn gesehen hat, hat eine Meinung dazu. Nimmt man sich die Zeit und googlet etwas herum, stößt man auf unzählige Foren, in denen hitzige Diskussionen über den Inhalt von Marsellus Wallace‘ Koffer geführt werden. Der Inhalt wirft einen goldenen Schein auf denjenigen, der ihn öffnet. „Ganz eindeutig befinden sich dort drin Goldbarren.“ Das scheint aber eine viel zu einfache Lösung in der Welt der Filme zu sein. Co-Autor John Avery steht wohl selbst am deutlichsten gegen dieses Argument, wie in einem Interview mit Roger Ebert zu lesen ist:

Vincent Vega und Marsellus Wallace' Koffer

Vincent Vega und Marsellus Wallace‘ Koffer

“Originally the briefcase contained diamonds. But that just seemed too boring and predictable. So it was decided that the contents of the briefcase were never to be seen. This way each audience member would fill in the blank with their own ultimate contents. All you were supposed to know was that it was „so beautiful.“ No prop master can come up with something better than each individual’s imagination. At least that was the original idea. Then somebody had the bright idea (which I think was a mistake) of putting an orange lightbulb in there. Suddenly what could have been anything became anything supernatural. Didn’t need to push the effect. People would have debated it for years anyway, and it would have been much more subtle. I can’t believe I’m actually talking about being subtle.“

– snopes

Goldbarren fallen also weg. Eine andere Theorie, die bereits seit 1994 Bestand hat, ist die der Seele. Im Koffer befände sich Marsellus‘ Seele, die er an den Teufel verkauft hätte. Die Verschwörungstheoretiker nehmen nicht nur das Zahlenschloss („666“) dafür als Anlass, sondern auch, dass die erste Aufnahme von Marsellus seinen Nacken mit einem Pflaster zeigt. Es bestehe in einigen Regionen der Glaube, der Teufel hole sich seine Seelen durch den Nacken der Menschen. Außerdem spricht Jules, der den Koffer den Film hindurch trägt, mit der Stimme eines Predigers, gilt somit als Beschützer der Seele. Weshalb ihn und Vincent auch die Kugeln nicht treffen, die im Apartment auf sie abgeschossen werden.

Dabei bestand Ving Rhames, der Marsellus verkörpert, selbst darauf, mit einem Pflaster seine Narbe zu bedecken, da sie zu unansehnlich wäre. Das ist unbestritten und sogar dem Bonusmaterial der DVD zu entnehmen. Trotz allem gehen selbst nach über 20 Jahren die Diskussionen weiter und das Konzept von Regisseur und Autor Quentin Tarantino und John Avery geht auf. Each audience member would fill in the blank with their own ultimate contents.

Was dachtet ihr, was in dem Koffer war, als ihr den Film zuerst gesehen habt? Wer sich an einer Diskussion nicht online, sondern persönlich beteiligen möchte, ist übrigens herzlich morgen zum MacGuffin Film Forum eingeladen. Im Institut der Anglistik/Amerikanistik hier in Greifswald wird der Film am 09. April um 18.00 auf Englisch gezeigt und diskutiert.

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Josy

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„There is nothing either good or bad but thinking makes it so“ – Ursprünglich aus der Mudderstadt, lebt in Greifswald für die Anglistik und Amerikanistik. Tagträumer, Weltenbummler und realitätsfern, aber bei jedem Streich ganz vorne mit am Start.