Falunrot: Warum die Schweden in roten Häusern wohnen

Schwedenhäuser. Jedem sind sie ein Begriff und alle haben bei diesem Wort das typische Holzhäuschen mit dem roten Anstrich vor Augen, das aus der schwedischen Landschaft und Reisebroschüren nicht mehr wegzudenken ist. Wer letzte Woche „Wer wird Millionär“ gesehen hat, der weiß spätestens seitdem, dass das typische Schweden(haus)rot, das seit den 70ern sogar eine eingetragene Marke ist, einen eigenen Namen hat: Falunrot oder auf Schwedisch Falu rödfärg. Doch wie kam es dazu, dass diese Farbe zu einer Art Nationalfarbe wurde? Die Geschichte hinter dem Falunrot ist weniger schön, als man bei ihrem Anblick vielleicht zu glauben vermag.

© falugruva.se

Es war einmal eine Stadt namens Falun, die etwa 200km nordwestlich von Stockholm lag. Genau genommen war Falun damals eigentlich noch ein Dorf, denn die Stadtrechte hat es erst 1641 erhalten. Die Landschaft und das Leben dort waren gezeichnet durch den Bergbau, für den die Gegend zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahrhunderte berühmt war. Ruß und Schwefeldioxid, die stets in die Stadt getragen wurden und dort in der Luft lagen, beeinträchtigten die Einwohner und bereiteten ihnen häufig Probleme mit den Atemwegen. Außerdem forderten das Arbeiten unter Tage und diverse Einstürze zahlreiche Leben. Immer wieder findet man in der Literatur und im Volksmund einen Vergleich zwischen Falun mit seinen Gruben und der Hölle: Carl von Linné schrieb nach einem Besuch einst „Schwedens größtes Wunder, aber grausam wie die Hölle“.
Zu Reichtum verhalf der Stadt vor allem der Abbau des im Mittelalter sehr begehrten Kupfers. Zeitweise stammten über zwei Drittel des weltweit im Umlauf befindlichen Kupfererzes aus ihren Gruben. Mitte des 18. Jahrhunderts kam man auf die Idee, auch die bei dem Abbau anfallenden vermeintlichen Abfallstoffe noch zu verwerten. Man erhitzte die schlammige Masse und nach der Reinigung der Asche konnte man ihr ein rötliches Farbpigment entnehmen. Das Pigment für das Falunrot  ist demnach ein Nebenprodukt des Kupferabbaus, das sich u.a. aus Kupfer und Eisenoxid zusammensetzt. Nach mehreren Fehlversuchen konnte durch gemeinsames Aufkochen mit Wasser und Stärke aus dem Pigment eine Anstrichfarbe hergestellt werden. 1764 gilt als das offizielle Geburtsjahr des Falunrots.

© dt.se

Für den nachfolgenden Siegeszug gab es verschiedene Gründe. In Mitteleuropa wurden zu dieser Zeit die Häuser der wohlhabenden Bevölkerungsschichten aus Backsteinen gebaut. Durch die farbliche Ähnlichkeit versuchte man in Schweden, seinem eigenen Holzhaus mit dem roten Anstrich ein edleres Aussehen zu verleihen. Im 18. Jahrhundert  war Falunrot die vorherrschende Farbe für Häuser, wie man auch an vielen Kunstwerken der Nationalromantik erkennen kann. Bis heute ist sie bei jeder Gesellschaftsschicht beliebt und weiterhin die schwedische Standardfarbe beim Bau von Holzhäusern.
Der besondere Vorteil der Farbe war, dass sie aufgrund der Zusammensetzung auf unbehandeltem Holz und bereits länger der Witterung ausgesetzten Holzoberflächen besser als andere Farbe aufzutragen ist und hält, da andere Lacke und Lasuren von verwittertem Holz stärker aufgesogen werden und man somit öfter nachstreichen müsste. Auf Dauer gesehen war es also eine günstigere Alternative, auch wenn das Falunrot selbst nicht abriebfest ist. Mittlerweile hat der Hersteller auch andere Falu Farben (z.B. Grau und Schwarz) und andere Arten von Anstrichen im Angebot, die verschiedene Vorteile – besonders im Bereich der Haltbarkeit – gegenüber der traditionellen Rezeptur des Falunrots haben.
Die Bergwerke und Gruben in Falun sind seit 1992 geschlossen, aber vor Ort kann man heute u.a. die berühmte Kupfergrube, die seit 2001 zusammen mit den Arbeitervierteln und der Industrielandschaft auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste steht, ein BBergwerk und das Grubenmuseum besuchen.

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Svenja

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Interessiert sich grundsätzlich für alles Nordische von Island bis Finnland, von Singer/Songwritern bis Metal und von Mumins bis Krimis. Vereint die Leidenschaft für das Reisen und das studentische Budget liebend gerne im Couchsurfen.