Estnischlektorin Marili Tomingas

Heute geht es weiter mit unserer Vorstellungsreihe der Institutsmitarbeiter. Wir wollen die Chance noch nutzen und euch mit Marili Tomingas, unserer Estnischlektorin, vertraut zu machen, bevor sie uns wieder verlässt. Marili hat im Wintersemester 2017/18 das estnische Lektorat übernommen. Sie erzählt uns von ihren Aufgaben am Institut und ihren Plänen nach ihrem Praktikum in Greifswald.


Baltic Cultures: Was ist deine Rolle am Institut? Welche Aufgaben hast du normalerweise?

Marili Tomingas: Meine Hauptaufgabe ist der Estnischunterricht. Ich bereite den Unterricht für drei Kurse (Grundkurs Estnisch, Aufbaukurs Estnisch, Estnisch für Fortgeschrittene) vor. Mein Tag am Institut sieht normalerweise so aus, dass ich Übungen, Hausaufgaben und Grammatiktabellen schreibe und danach versuche, theoretische Teile mit einigen Spielen, Liedern und mündlichen Aufgaben zu verbinden, um das alles praktischer zu machen. Ich kommuniziere auch mit Institutionen und Menschen in Estland – zum Beispiel wähle und bestelle ich neue Estnisch-Lernmaterialen. Zurzeit helfe ich beim Übersetzen aus dem Estnischen und ins Estnische, zum Beispiel für die Anthologie „Neue Nordische Novellen“. Manchmal organisiere ich auch estnische Filmtage oder -abende.

Baltic Cultures: Wie bist du nach Greifswald gekommen?

Marili Tomingas: Ich habe im Frühling 2017 als Austauschstudentin in Wien studiert und merkte, dass ich gern mehr Zeit in einem deutschsprachigen Land verbringen und auch mehr Deutsch lernen möchte. Im Mai habe ich von meiner Universität in Tartu eine E-Mail bekommen, dass die Universität Greifswald eine Estnischpraktikantin sucht und dass jemand, der an der Universität Estnisch oder Finno-Ugrische Sprachen studiert, besonders gut geeignet wäre. Ich dachte, es würde sehr gut passen, weil ich Finnisch, Estnisch und andere ostseefinnische Sprachen studiere und auch schon ein bisschen Erfahrung in einem deutschsprachigen Land gemacht habe. Das Lernen in einem kleinen Kollektiv hat mir schon immer gefallen. Außerdem wollte ich auch mehr Erfahrung im Unterrichten sammeln, weil ich das zuvor nicht so viel getan hatte.

Baltic Cultures: Was magst du besonders an Finnland, Skandinavien und dem Baltik-Raum?

Marili Tomingas: Mir gefällt es wirklich gut, dass Finnland, baltische und skandinavische Staaten alle ihre eigene, einzigartige Kultur haben und sie gut erhalten, obwohl sie nicht so große Länder sind. An Finnland liebe ich die Sprache – regelmäßig, aber doch auch schwierig – und vielfältige Musik. An Skandinavien mag ich die innovative Gesellschaft und die Qualitätsliteratur und -serien. Im Baltik-Raum gibt es überall kleine interessante Orte – z. B. Inseln und Burgen in Estland, die livonische Küste und die lettgallische Dialekt-Region in Lettland und schöne Städte in Litauen – z. B. Vilnius, Palanga, Kaunas.

Baltic Cultures: Was wirst du nach deinem Praktikum in Greifswald machen?

Marili Tomingas: Nach meinem Praktikum fahre ich zuerst für ein paar Wochen nach Wien und treffe mich mit meinen Freunden, die mich dazu bewegt haben, Deutsch zu lernen. Danach fahre ich zurück nach Estland und fange an, meinen Forschungsplan vorzubereiten, weil ich mich im Sommer für das Doktorstudium in Tartu bewerben möchte. Meine Forschung würde sich wahrscheinlich mit ostseefinnischen Sprachen (z. B. Livisch, Karelisch, Wotisch, Wepsisch) beschäftigen. Ich würde auch gern mehr unterrichten.

Baltic Cultures: Hast du einen Lese-, Theater- oder Filmtipp, den man unbedingt kennen sollte?

Marili Tomingas: Ich empfehle ein Buch von meinem Lieblingsschriftsteller in Estland – Andrus Kivirähk. Das Buch ist jetzt auch ins Deutsche übersetzt worden und heißt „Der Mann, der mit Schlangen sprach“. Andrus Kivirähk hat einen sehr guten Humor, den er mit mythologischen und historischen Geschichten verbindet. Ein Film, der mir auch gut gefallen hat, war der estnisch-georgische Film „Mandariinid“ („Mandarinen“), der historisch und psychologisch über den Georgisch-Abchasischen Krieg im Jahr 1992 erzählt.

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Julia

Julia

Fühlt sich in den finnischen Wäldern am wohlsten und träumt von einer eigenen Sauna im Garten. Hier in Greifswald, wo sie sich mit Skandinavistik und Fennistik beschäftigt, kann sie ihr Fernweh mit anderen teilen und ihre Liebe für Regen entdecken. Sonst immer auf der Suche nach nordischer Inspiration und abenteuerlichen Geschichten.