Einmal Hallig und zurück

Hallig

„Ich bin ein einziges Klischee…“ – so beschreibt sich Fanny Reitmeier, Klatschjournalistin bei der Zeitschrift „Mega“ selbst, und diese Aussage trifft auch auf diesen Film zu. Das muss jedoch nicht negativ sein, denn dem Zuschauer wird ein solider, mit Slapstick Comedy gespickter und etwas kitschiger Fernsehfilm gezeigt, bei dem es zwar keine wirklich überraschenden Wendungen gibt, aber die beiden Hauptdarsteller Anke Engelke und Charly Hübner sind ein wirklich seltsam komisches Paar, bei dem kein Auge trocken bleibt.

Nun aber mal von Anfang an: Fanny Reitmeier (Anke Engelke) ist Klatschreporterin und deckt die unwichtigsten und belanglosesten Dinge auf. Bei einer der üblichen Charity-Veranstaltungen stolpert sie jedoch über etwas Interessantes. So soll der deutsche Umweltminister von einem Energiekonzern wegen dem Bau einer Offshore-Windparkanlage geschmiert worden sein. Der Chefredakteur Bernd Fliegner, der auch Fannys Lover ist, verbietet es ihr, der Sache weiter nach zu gehen. Wie Frauen nun mal sind, wird Fanny von ihrer Neugierde geplagt, schleicht sie sich in das Büro des Konzernchefs und zieht die belastenden Daten von dessen PC auf ihren USB-Stick. Voller Freude, aber ohne auch nur die kleinste Ahnung zu haben, was diese Daten bedeuten, geht Fanny zu ihrem Chef und zeigt ihm ihr „Diebesgut“. Bei diesem hält sich die Begeisterung aber in Grenzen, denn er weiß, dass Fanny nun von den Leuten des Energiekonzerns verfolgt werden wird…

Einzige Möglichkeit scheint die Flucht zu einem Naturschützer auf eine Hallig, bis die Daten ausgewertet sind. Wenig begeistert macht sich die Mittvierzigerin auf den Weg; kaum auf der Hallig angekommen, passieren der Quasselstrippe die lustigsten Missgeschicke. Der Naturschützer und Vogelkundler Hagen Kluth, gespielt von Charly Hübner, ist ein rauer Zeitgenosse, der die Anwesenheit Fannys mehr als nur nervig findet, denn sie hat weder die leiseste Ahnung von dem, was er tut, noch hält sie auch nur für fünf Sekunden ihren Mund. Dass das mit den beiden nicht gut geht, ist dem Zuschauer sofort bewusst, und so manch eine Szene mit diesem ungleichen Paar ist zum Schreien komisch.

Hallig2

Als Fanny jedoch entdeckt, wer und was der gute Hagen Kluth wirklich ist, kommt eine Wendung in die sonst so vorhersehbare Handlung, und es wird ein bisschen spannend. Vor Spannung winden und an den Nägeln kauen wird sich niemand, aber dieser Film ist auch kein Thriller, sondern eine Komödie und soll die Menschen zum Lachen bringen. Und das tut er auch! Einmal Hallig Und Zurück ist ein wunderbarer „Wohlfühlfilm“, der zu einem kuscheligen Sofaabend mit Popcorn einlädt. Einfach perfekt für kalte Herbsttage.

Der Film wurde auf der größten Hallig Deutschlands aufgenommen und bringt den Zuschauer mit wunderschönen Landschaftsbildern zum Staunen. Wer Anke Enkelkes Ladykracher mag, wird diesen Film lieben. Einmal Hallig und zurück ist der erste 90-minütige Film des Autors Chris Geletneky, der auch schon für die Ladykracher  Drehbücher geschrieben hat. Ganz nebenbei geht der Film auch auf die Problematik dieser Offshore-Windanlagen ein, denn wie schon im Film beschrieben, ist die Lachseeschwalbe eine bedrohte Vogelart, deren Art sich durch diese Windparks noch weiter dezimieren wird. Für alle Vogelkundler unter den Zuschauern sei gesagt, dass den Produzenten leider keine echte Lachseeschwalbe vor die Linse kam, es wurde ein Ersatz gefilmt. Wenn Sie wissen wollen, welcher Vogel hier über die Hallig fliegt, müssen sie sich diesen Film ansehen.

Und auch allen Nicht-Vogelkundlern verspreche ich, dass sie diesen Film nicht bereuen werden.

Sendetermine:

Fr, 20.11.2015, 20.15 Uhr auf ARTE (Erstausstrahlung)

Do, 10.12.2015, 13.55 Uhr auf ARTE

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Jennifer