Ehemalige erzählen…

Porträt Jan Alexander van Nahl

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In diesem Zeitraum habe ich studiert: Magisterstudium: 2004–2009, Promotionsstudium: 2009–2012
Studienorte: Magister in Bonn, Promotion in München
Studienrichtung: Nordische Philologie, Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Historische Geografie
Aktuelle Berufsbezeichnung: Postdoc-Forscher
Tätigkeitsfeld: Forschung und Lehre
Unternehmen/ Einrichtung: Universität Island, Árni Magnússon-Institut für isländische Studien

Meine Magisterarbeit
Thema/ Themenbereich: Philologisch-lexikalische Studien zur Gylfaginning des Codex Uppsaliensis (Nordische Philologie)
Betreuender Hochschullehrer: Prof. Dr. Dr. h.c. Rudolf Simek (Bonn)

Meine Dissertation
Thema/ Themenbereich: Snorri Sturlusons Mythologie und die mittelalterliche Theologie (Nordische Philologie)
Betreuender Hochschullehrer: Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Beck, Prof. Dr. Wilhelm Heizmann (München)

Mein Studium

Was hat mich dazu bewogen eine Philologie zu studieren?
Nimmt man Philologie wörtlich, als Liebe zur Sprache im weitesten Sinne, dann beruhte meine Wahl gar nicht auf klar abgesteckten Erwartungen und Zielen. Vielmehr hat vor allem der unmittelbare Kontakt mit anderen Sprachen und Mentalitäten bei frühzeitigen Aufenthalten im europäischen Ausland zu einem Interesse an Sprache und Kultur und damit dann auch der Literatur geführt. Philologie kann man zwar forschungsgeschichtlich in einem engeren Sinne fassen, man kann darunter aber auch ein Zusammenspiel von Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften sehen.

Was hat mir am Studium gefallen?
Das Magisterstudium erlaubte noch allerlei Freiheiten bei der Wahl von Interessensgebieten. Solches Interesse wird aktuell ja sehr viel engstirniger reglementiert. Für mich war es z.B. ein Gewinn, dass ich neben meinen eingeschriebenen Fächern problemlos auch Kurse in der Germanistik belegen konnte. Und natürlich war die starke Durchmischung vieler Kurse mit Studierenden im 2. oder eben auch 10. Semester eine Herausforderung und Bereicherung, egal auf welchem Level man sich befand. Auch im Bachelor-Studium lohnt es sich fraglos, bei älteren Studierenden einmal nachzufragen.

Was hat mir am Studium nicht gefallen?
Es kommt vermutlich immer irgendwann der Punkt, an dem man sich für Themen zu interessieren beginnt, die am gewählten Studienort nicht oder nur oberflächlich behandelt werden können. Da bieten sich dann Auslandsaufenthalte oder, nach einem Abschluss, ein Wechsel der Uni an. Oder auch die Teilnahme an Vorträgen aus anderen Fachbereichen, wie sie in Greifswald etwa im Alfried Krupp-Wissenschaftskolleg ja regelmäßig angeboten werden: Vom mittelhochdeutschen Erec, über Moralphilosophie bis zur Quantenphysik habe ich das dortige Angebot bei jedem Besuch in Greifswald gewinnbringend genutzt. Solche Möglichkeiten sollten über Unstimmigkeiten im engeren Studienverlauf hinweghelfen.

Den Tätigkeiten bin ich während des Studiums nachgegangen
Ich habe vier Semester beim Studium Universale als studentische Hilfskraft gearbeitet (vor allem Veranstaltungsplanung und Studienberatung), zudem zwei Semester als Tutor. Das bessert nicht nur die Kasse auf, sondern bringt auch Erfahrung im Uni-Alltag.

Auslandsstudium?
Während des Magisterstudiums war ich für zwei Semester an der Universität Uppsala, Schweden. Auch einen kürzeren Aufenthalt in Kopenhagen habe ich absolviert. Es gibt immer wieder Möglichkeiten, die man nutzen sollte, auch wenn man zunächst einiges an Zeit und Geld investieren muss. Ich bin jetzt ja für einige Jahre in Island, war aber kürzlich z.B. für einige Vorträge nach Polen eingeladen. Immer wieder spannend, Grenzen zu überschreiten!

Tipps für den Studienverlauf
Aufgaben frühzeitig angehen! Wenn ich wusste, dass ich zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Hausarbeit abgeben muss, dann habe ich bald nach Semesterbeginn mit der Recherche und mit ersten Textentwürfen begonnen. Das geht auch bei Klausuren. Psychologisch ist das geschickt, denn je länger man passiv bleibt, desto intensiver baut sich ein Schaffensdruck auf, der schließlich kaum noch zu verkraften ist.

Tipps für das Praktikum
Egal ob einem die gewählte Tätigkeit gefällt oder nicht, man hat zum Schluss die Erkenntnis gewonnen, ob sie einem gefällt oder nicht.
Mein Kommentar zur Greifswalder Uni Für mich haben die altehrwürdigen Gemäuer der Uni (trotz Sanierungsbedarf) sowie der übersichtliche Stadtkern mit Grünflächen bei jedem Besuch viel Flair.

Mein Berufseinstieg

Wie sah mein Berufseinstieg aus?
Am Anfang steht die Bewerbung. Besser gesagt: die Bewerbungen. Niemand sollte damit rechnen, zwei Bewerbungen auf den Weg zu bringen und dann unter zwei Zusagen wählen zu können.

Tipps für den Berufseinstieg
Hartnäckigkeit. Wenn ich ein Studium gewählt und absolviert habe, weil mich die Inhalte interessieren, dann gebe ich nicht auf, nur weil ich ein halbes Jahr nach Abschluss keine Lebenszeitanstellung gefunden habe.

Studium und Beruf

Wie hat mich das Studium für mein Berufsleben qualifiziert?
Wer an der Universität oder einer Forschungseinrichtung tätig werden will, für den ist das Studium zunächst eine formale Notwendigkeit. Ohne entsprechende Abschlüsse bleiben die Türen geschlossen.

Was habe ich im Studium nicht gelernt?
Strebt man nach dem ersten Uniabschluss das Masterstudium und dann vielleicht sogar die Promotion an, dann wird man bald merken, dass man viele Fähigkeiten trotz bereits absolvierten Studiums erst noch weiter und klarer entwickeln muss. Mit der gleichen Situation sieht man sich noch nach der Promotion konfrontiert; da merkt man dann, was man beim Erstellen der Dissertation alles nicht bedacht und gewusst hat, auch unabhängig vom konkreten Thema. Ich vermute, es geht so weiter, und ich vermute auch, dass es in Berufen außerhalb der Uni nicht anders läuft. Alles andere stelle ich mir jedenfalls ziemlich eintönig vor.

Wie beurteile ich die Berufsaussichten für zukünftige Kultur-, Sprach- und Literaturwissenschaftler?
Die Frage nach Berufsaussichten in den Geisteswissenschaften (und darunter fasse ich auch die Kulturwissenschaften) ist ja seit Jahren gestellt und breitgetreten. Wenn man selbst von Budgetkürzungen und Stellen- oder gar Institutsstreichungen betroffen ist, dann ist man rasch beim Gemeinplatz „Früher war das besser!“ Faktisch ist solche Krisenstimmung aber wesentlicher Bestandteil der Geisteswissenschaften, die ja ihrem Wesen nach von der Reflexion, also der Brechung, leben. Das heißt nicht, dass alles ge- oder zerbrochen werden soll, aber doch, dass man im Umbruch Chancen erkennen und ergreifen sollte. Philologie, im weitesten Sinne, erscheint mir als ein gutes Beispiel: Nicht umsonst handeln prominente Geschichten bereits der Bibel vom Menschen und seiner Sprache – denken wir an den Turmbau zu Babel. Sinnstiftung, Kommunikation, die Herausbildung von Traditionen – Sprache ist fundamental und als Ausdruck unseres Denkens unhintergehbar. Wie gewichtig sind da die Erkenntnisse, die man in einem Studium der Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften gewinnt – und die zum lebenslangen Weiterfragen motivieren! Leider sind viele Geisteswissenschaftler derzeit recht bescheiden, was ihre Geltungsansprüche angeht, und von bildungspolitischer Seite wird vieles kleingerechnet. Das sollte man aber als willkommenen Anreiz nehmen, aktiv zu werden und auf Änderungen hinzuarbeiten – Wissenschaft speist sich auch aus diesen Herausforderungen. Ein Absolvent der Geisteswissenschaften, der Selbstbewusstsein an den Tag legt, hat überall Aussichten auf Erfolg!

Mein Rat für Studierende und AbsolventInnen
Mut zur Entscheidung! Wer nach zwei Semestern merkt, dass er in einem Studienfach falsch ist, der sollte etwas ändern! Es ist toll, mit Anfang zwanzig einen B.A. in der Tasche zu haben, aber man sollte dann auch überzeugt sein von dem, was man tut und wie man es tut. Lieber ein Jahr später den Abschluss machen als 40 Jahre lang unzufrieden in die falsche Richtung laufen.

Vielen Dank an Jan Alexander van Nahl!

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Wiebke

Wiebke

Planscht mit den Zehen im kalten Ostseewasser – von Nord, Süd, Ost oder West. Taucht ab in nordischen Wäldern und Weiten, in Literatur, Musik und skandinavischer Filmkunst.