Ehemalige erzählen…

Benjamin Vorhölter

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In diesem Zeitraum habe ich studiert: 2006–2010 in Greifswald, 2010–2012 in Tartu (Estland)
Studienrichtung: Baltistik/Politikwissenschaft B. A. (Greifswald), European and Russian Studies M. A. (Tartu)
Aktuelle Berufsbezeichung: Volontär
Tätigkeitsfeld: Journalismus
Unternehmen/ Einrichtung: Nordkurier

Meine Bachelorarbeit in Politikwissenschaft: Welchen Einfluss hat ein stabiles Parteiensystem auf die Qualität der Demokratie in postkommunistischen Staaten?
Betreuender Hochschullehrer: Prof. Dr. Susanne Pickel (lehrt aber schon seit 2010 an der Uni Duisburg-Essen)
Meine Masterarbeit: Ethnic differences in voting: Explaining electoral behavior of ethnic minorities – a case study of Estonia.
Betreuender Hochschullehrer: Prof. Dr. Piret Ehin

Mein Studium

Was hat mich dazu bewogen eine Philologie zu studieren?
Ich wollte Lettisch lernen, weil ich mich während eines Schüleraustausches zwischen dem Aldegrever Gymnasium Soest und dem 1. Rigaer Gymnasium in Lettland verliebt hab. Außerdem brauchte ich ein zweites Bachelor-Fach.

Was hat mir am Studium gefallen?
Sprachen zu lernen, Leute kennenzulernen, mich auszuprobieren, ins Ausland gehen zu können

Was hat mir am Studium nicht gefallen?
Ich war kein großer Fan von so manchen trockenen sprach- und literaturwissenschaftlichen Seminarstunden. Mich hat die meiste „graue Theorie“ nicht so interessiert. Viel spannender ist es immer gewesen, wenn es praktischer wurde, z.B. wenn es um lettische Sprachpolitik ging.

Diesen Tätigkeiten bin ich während des Studiums nachgegangen?
National Model United Nations, Fachschaftsarbeit für die Slawisten und Baltisten, Fußball spielen

Auslandsstudium?
Universität Lettlands, Riga (von August 2008 bis Februar 2009)

Tipps für den Studienverlauf
Mache das, was dir Spaß macht!

Tipps für das Praktikum
Schau dich früh genug um und trau dich auch mal an Sachen ran, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen, z.B. Auswärtiges Amt.

Mein Kommentar zur Uni
In Greifswald lernt man in jeder Hinsicht fürs Leben. Das fängt schon an bevor man überhaupt erst eine Vorlesung besucht hat, z.B. bei der Suche nach einer Wohnung. 😀 Die Uni ist klasse. Es gibt dort viele kluge Köpfe. Allerdings ließ zu meiner Zeit die Arbeit des Asta etwas zu wünschen übrig.

Studium, Beruf und Berufseinstieg

Wie hat mich das Studium für mein Berufsleben qualifiziert?
Man lernt Eigenverantwortlichkeit, entwickelt soziale Kompetenzen und probiert sich aus. Fachlich, rein auf die journalistische Arbeit bezogen, hat das Studium eher wenig beigetragen. Der größte Anteil wäre das Allgemeinwissen, was ich aus dem Studium mitnehme.

Was habe ich im Studium nicht gelernt?
Der praktische Teil fehlt meistens. Diesen holt man sich eher durch Praktika oder Nebenjobs.

Wie sah mein Berufseinstieg aus?
Nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Leider wird man in Deutschland auf der Uni nicht optimal, das heißt praktisch genug, auf Berufe vorbereitet. Das ist aber ein Problem, das vorprogrammiert ist. Schließlich ist Philologe oder Politikwissenschaftler kein Ausbildungsberuf wie Kfz-Mechaniker oder Kaufmann. Entscheidend ist, wie man seine „Skills“ verkauft. Leider ist es aber zunehmend so, dass man nach dem Bachelor/Master trotzdem erst einmal als hoch qualifizierte, aber billige Arbeitskraft herhalten muss. Ohne Praktika und im Studium durch Projektarbeit oder Ähnliches gesammelte Erfahrungen ist es nicht ganz so leicht, einen Job zu finden, der einem Spaß macht. Einen Job zu finden, ist keine Kunst. Nur den Job in der entsprechenden Gehaltsklasse zu finden, ist schon schwieriger heutzutage.

Tipps für den Berufseinstieg
Es schadet nicht, sich nach dem Bachelor noch besser zu überlegen, was man will. Eine Ausbildung mit einem B.A. oder ein duales Studium anzufangen, macht auf jeden Fall immer mehr Sinn, als relativ planlos einen Master zu machen.

War die Entscheidung für deinen Master „planlos“?
Nein, das was ich studiert habe, war nicht sinnlos. Aber ich bekomme das Gefühl, dass sich die Arbeitswelt (leider) immer stärker dahingehend wandelt, dass es schwieriger  wird mit den Geisteswissenschaften. Wenn man schon nicht BWLer, Ingenieur, Jurist oder Mediziner etc. ist, dann sollte ein praktischer Bezug erkennbar sein. So vermittelt man, dass man nicht „irgendwas“ nach der Schule studiert hat. Denn das ist „leider“ auch noch ein verbreitetes Klischee.

Wie beurteile ich die Berufsaussichten für zukünftige Kultur-, Sprach- und Literaturwissenschaftler?
Es gibt viele Jobmöglichkeiten in den Medien, in der PR-Branche, als Projektmitarbeiter für Stiftungen, Vereine, Verbände oder Museen, oder im Ausland. Der Nachteil ist aber, dass man als Kultur-, Sprach- oder Literaturwissenschaftler in den meisten Fällen eine Zusatzqualifikation mitbringen muss, die man sich vorher durch Praktika, Nebenjobs, Auslandssemester oder ähnliche Erfahrungen erworben hat. Und die Konkurrenz ist groß.

Mein Rat für Studierende und AbsolventInnen
Wer eine Philologie studieren will, sollte sich vor dem Studium schon darüber Gedanken machen, wohin es später mit ihm gehen soll (z.B. Journalist, Übersetzer) und dementsprechend darauf hinarbeiten. Es schadet auch nicht, mal das ein oder andere Politik-, Kommunikations- oder Wirtschaftsseminar zu belegen.

Vielen Dank an Benjamin Vorhölter!

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Andreas

Andreas

Kein Freund von Entscheidungen, aber ein Freund Nord- und Osteuropas. Ich pendle zwischen Finnland, Deutschland und dem Baltikum hin- und her, bade gerne in Seen, gehe wandern und arbeite im Garten. Einen MP3-Player brauche ich dabei nicht, denn die Musik ist stets an meiner Seite. Besonders angetan hat es mir die slawische Folklore.