Christliches Weihnachten in Polen

In Polen gibt es keine Weihnachtsmärkte, geschweige denn Glühwein. Deswegen fahren viele angrenzende Polen in der Zeit gerne rüber, z.B. nach Berlin um dieses nahezu exotisch erscheinende alkoholische Getränk zu eigen zu machen. Das Getränk, das die Leute am liebsten an Weihnachten trinken, obwohl es die meisten Deutschen eher als Suppe verbuchen würden, heißt Barszcz. Die angewärmte Rote-Beete-Flüssigkeit überzeugt durch seinen nicht-alkoholischen Inhalt und trotzdem vollmundigen Geschmack, der gut zum Weihnachtsessen passt.

Denn an Weihnachten wird streng genauso wenig Alkohol getrunken, wie Fleisch an Heiligabend auf den Tisch kommen darf. Durch die historische Beeinflussung werden weiterhin bevorzugt Karpfen gekauft. Früher waren sie am billigsten, heute kommen auch gerne moderne Variationen auf den Tisch wie z.B. ein Lachsgratin oder Ähnliches.

Wer die Traditionen besonders ernst nimmt, stellt 12 Gerichte auf den Tisch – wegen der 12 Apostel. Dabei geht es eher um die symbolische Zahl als dabei die einzelnen Apostel einzeln als Gericht zu repräsentieren.

Was sich schon im ersten Moment viel anhört, bedeutet tatsächlich viel Arbeit. Aber durch das Kochen, Vorbereiten und währenddessen polnische Weihnachtslieder hören kommt man sehr gut in die Stimmung der Besinnlichkeit. Vielleicht wird im Auftakt gerne so viel gearbeitet, da im Vorfeld in der Adventszeit kein besonderer Stress verbreitet wird.

In manchen Familien wird am 24.12. auch bis zum gemeinsamen Abendessen gefastet. Was natürlich durch die Geruchsexplosion in der Küche ziemlich erschwert wird.

Beim Abräumen des Tisches findet jeder Karpfenschuppen unter seinem Teller. Die darf man sich als Glücksbringer für das kommende Jahr in den Geldbeutel legen. Einige Familien legen auch Heu unter die Tischdecke. Der- oder demjenigen, die den längsten Strohhalm herauszieht, wird besonders viel Glück versprochen.

Nach dem Essen und vor der Messe findet die Bescherung statt. Dabei laufen alle Kinder an das höchstgelegene Fenster im Haus und suchen den Abendstern. Denn wenn der Abendstern auftaucht, auch „Gwiazdka“ genannt, sind die Geschenke da.

Nach dem gemeinsamen Verweilen geht es obligatorisch in die sogenannte „Hirten-Messe“ am Abend bzw. um Mitternacht, in Erinnerung an jene Hirten, die einst die Geburt Jesu feierten, nachdem ihnen an Heiligabend die Geburt Christi verkündet wurde. Wenn kleine Kinder oder andere erschöpfte Polen es nicht mehr schaffen, gibt es am Tag danach noch eine Messe.

Da Heiligabend nur mit der engsten Familie gefeiert wird, besuchen sich die weiteren Familienmitglieder am 1. und 2. Weihnachtstag gegenseitig. Dabei teilt man sich das Restessen des Abends oder man kocht gerne nochmal Rouladen mit Klößchen nach.

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Chantal