Category - Sonstiges

Vi är kontantlös. – Wir nehmen kein Bargeld.

© Photo by Michael Longmire on Unsplash

Geld bedeutet geprägte Freiheit.“

Dieser Satz stammt von dem russischen Schriftsteller Fjodor Dostojewski aus dem 19. Jahrhundert – könnte aber auch aus dem Munde eines deutschen Staatsbürger stammen. In kaum einem anderen Land innerhalb Europas ist Bargeld nach wie vor so beliebt wie in Deutschland, womit es in einem krassen Gegensatz zu Schweden steht. Denn schon heute wird in Schweden nahezu jeder Betrag über den digitalen Weg gezahlt: sei es das Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, die Kollekte in der Kirche oder der Kaffee beim Bäcker. Und es sieht nicht so aus, als würde sich in naher Zukunft etwas daran ändern. Read More

Osterhexen und Mämmi: So feiern die Finnen Ostern

In Finnland steht Ostern vor allem für den Frühlingsanfang.

Frohe Ostern! Oder wie man auf Finnisch sagt: „Hyvää Pääsiäistä!“ In diesem Artikel wollen wir euch ein paar Fakten über das Osterfest in Finnland vorstellen.

In Finnland gibt es anstatt des Osterhasen die Osterhexe. Die Menschen glaubten früher, dass zwischen den Osterfeiertagen die Osterhexen durchs Land fliegen und Unheil verbreiten. Die Osterfeuer in Finnland sollen helfen, sie zu vertreiben.

Noch heute gehen am Palmsonntag als Hexen verkleidete Kinder durch die Städte und bitten um Süßigkeiten und Kleingeld. Sie haben Kopftücher auf, bemalen sich ihre Gesichter schwarz und tragen Weiden- und Birkenzweige mit sich, die sie mit Federn beschmücken. Wenn sie an den Türen klingeln sagen sie einen bestimmten Spruch auf:“ Virvon, varvon, tuoreeks, terveeks, tulevaks vuodeksi, vitsa sulle palkka mulle“. Übersetzt heißt das soviel wie:“ Ich winke mit dem Zweig für ein frisches, gesundes, kommendes Jahr – ein Zweig für dich, ein Entgelt für mich“.

Obwohl es die Tradition mit dem Osterhasen nicht gibt, färben die Kinder trotzdem Eier und pflanzen einige Wochen vor Ostern Ostergras und stellen dies auf die Fensterbank. In Finnland bedeutet Ostern vor allem, dass der Winter endlich vorbei ist. Daher dekorieren die Finnen während der Osterzeit ihre Häuser gerne mit Tulpen, Lilien, Narzissen, Ostereiern, Küken und Hasen.

Ein beliebtes Ostergericht ist „Mämmi“, eine Art Roggenpudding, der mit Zucker und Milch gegessen wird. Außerdem essen viele Finnen auch gerne Lamm an Ostern.

Über die Osterfeiertage haben viele Finnen frei und gehen Ski fahren oder verbringen Zeit mit ihrer Familie. Am Gründonnerstag finden Abendmessen statt und in der Woche vor Ostern veranstalten viele Kirchen Konzerte. Am Ostersonntag gibt es eine besondere Tradition. Kinder ziehen mit Musikinstrumenten durch die Straßen, um den Winter auszuläuten und den Frühlingsbeginn zu feiern.

 

Quellen:

finntastic.de / finn-land.net/ fintouring.de

Bevor es brennt: Klimaschutz im Norden (Teil 1)

Greta Thunberg – die moderne Pippi Langstrumpf?

Seit vergangenem Sommer sorgt eine schwedische Teenagerin international für Furore. Ihr Schulstreik für eine konsequente Klimapolitik, dem sich sehr bald hunderte Jugendliche aus ganz Europa anschlossen, erweckte schnell mediales Aufsehen. Als Ikone der Klimaschutzbewegung gefeiert, sprach sie im Dezember letzten Jahres sogar bei der Klimakonferenz in Katowice und vor ein paar Wochen noch beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Die heute 16-jährige Greta Thunberg spricht das aus, was kaum ein Politiker sich einzugestehen vermag: Klimapolitisch haben wir bisher auf ganzer Linie versagt. Souverän und mit stoischer Ruhe tritt sie vor die Mächtigsten dieser Welt und führt ihnen ihren eigenen Egoismus vor Augen. „Unser Haus brennt“, sagt sie mit Nachdruck, wir seien schließlich laut dem Weltklimarat weniger als zwölf Jahre davon entfernt, unsere Klimasünden nicht mehr rückgängig machen zu können. Mit eindringlichen Worten kündigt sie an: „Der Wandel kommt, ob es euch passt oder nicht. Die echte Macht liegt beim Volk.“ Sie werde sich ihre Zukunft jedenfalls nicht stehlen lassen.

Mit ihren jungen Jahren wirkt Greta wie eine moderne Pippi Langstrumpf. Sie setzt sich durch, sagt geradeaus, was sie denkt und beweist vor allem eins: Mut. Sie verleiht der aktuellen Klimabewegung ein Gesicht und erreicht, vielleicht gerade dadurch, dass sie keine gewöhnliche Aktivistin ist, eine sehr hohe Medienpräsenz und damit auch Gehör für ihre Anliegen. Mit acht Jahren hörte Greta in der Schule zum ersten Mal von der menschengemachten Erderwärmung und sie beschloss, selbst etwas dagegen zu tun. So schaffte sie etwa bei ihren Eltern ein Bewusstsein für Energieeinsparungen im Haushalt.  Je älter sie wurde, desto mehr Wissen eignete sie sich an. Sie beschloss vegan zu leben, nicht mehr zu fliegen und überzeugte ihre Familie davon, es ihr gleichzutun. Mit elf Jahren folgte eine Depression. Die Untätigkeit der Politiker, das Nichteinhalten von Klimaschutzabkommen, wissend, dass unser verschwenderischer Lebensstil unseren Lebensraum bedroht, setzten ihr so zu, dass sie vorübergehend aufhörte zu essen und zu sprechen. In diesem Zuge wurde bei ihr das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Gegenüber dem US-amerikanischen Magazin The New Yorker erklärte sie später: „Ich sehe die Welt etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Ich habe ein besonderes Interesse. Es ist sehr üblich, dass Menschen im Autismus-Spektrum ein besonderes Interesse haben.“ Greta Thunbergs besonderes Interesse heißt Klimaschutz. Im vergangenen Sommer traf sie mit 15 Jahren die Entscheidung für den Klimaschutz den Schritt an die Öffentlichkeit zu wagen.

Mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik für das Klima) bewaffnet, setzte sie sich am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Ferien in Schweden vor das Gebäude des schwedischen Reichstags in Stockholm. Was als einsamer Sitzstreik begann, ging schnell viral und breitete sich als internationale Bewegung aus. Bald schon folgten die ersten Nachahmer in Deutschland, Belgien, Frankreich, Finnland, Dänemark und Australien. Die Bewegung, die über soziale Netzwerke mit Hilfe des Hashtags #FridaysForFuture kommuniziert, brachte bis Ende des Jahres 2018 mehr als 20.000 Schüler in rund 270 Städten weltweit dazu, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um dadurch auf die Umweltprobleme unserer Zeit aufmerksam zu machen. In einem Interview mit dem Spiegel antwortete Greta Thunberg auf die Frage, warum sie nicht in ihrer Freizeit demonstriere: „Weil es weniger bringen würde. Wissen Sie: Ich darf nicht wählen, obwohl es hier um meine Zukunft geht. Und zur Schule muss ich gehen. Wenn ich dann schwänze, um gegen die Klimakrise zu protestieren, wird auf meine Stimme viel eher gehört.“ Sie behält recht: Schon bald darauf wird sie eingeladen, mit Staatschefs und Wirtschaftsvertretern zu reden. Sie begeistert die Massen mit ihrem Mut und ihrer unbeirrbaren Ausdauer, ihre Reden werden als virale Videos millionenfach verbreitet. Doch wo ein Internethype ist, lässt auch der nächste Shitstorm nicht lange auf sich warten.

Greta polarisiert. Ihre Reden in Katowice und Davos rufen nicht nur Befürworter, sondern auch einige Hater auf den Plan. Auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken prasseln lauter negative Kommentare auf das Mädchen ein. Sie sei fremdgesteuert, schreibe ihre Reden nicht selbst, sei nur eine Marionette ihrer Eltern. Sie wird dafür kritisiert, während ihrer 32-stündigen Zugfahrt nach Davos in Plastik verpackte Lebensmittel gegessen zu haben, wo sie doch klimaschädliches Verhalten anprangere. Zu schade, dass sich Plastik in unserer Welt nunmal leider nicht immer vermeiden lässt. Erschütternd sind aber vor allem jene Kommentare, die auf ihr Alter, ihr Geschlecht oder das Asperger-Syndrom abzielen. Diese Kommentare scheinen größtenteils aus dem rechtspopulistischen Milieu zu stammen und sind gar nicht darauf ausgelegt, sich auf Augenhöhe mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Vielmehr geht es darum, sie als Person abzuwerten und zu diskreditieren. Doch Greta lässt sich nicht einschüchtern. Dem Spiegel sagt sie: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sie über mich schreiben und mich hassen. Denn das zeigt, dass sie mich als Bedrohung ansehen. Und das bedeutet, dass sich schon etwas verändert hat.“

Tatsächlich scheint es in Schweden seit dem letzten Jahr ein gesteigertes Bewusstsein für die Umwelt zu geben und das ist mit Sicherheit auch Greta Thunberg zu verdanken.

Fortsetzung folgt!

Der Natur und den Anderen trotzend – Europas letztes Urvolk

Die Samen, ihre Geschichte und ihr Leben 1/3

Weit im Norden, am äußersten Zipfel von Europas Festland, begebe ich mich auf eine Entdeckungsreise. Ich reise durch die Finnmark, Norwegens nördlichstem Regierungsbezirk. Ein Gebiet das zwar norwegisch ist, aber gleichzeitig mehrheitlich[1] von Samen (Sámi in der Landessprache) bewohnt wird. Die Samen – Europas letztes indigenes Volk. Ich frage mich, wer diese Menschen sind, die der kargen Natur trotzen, die mich von Anfang an fasziniert hat. Wie hat sich ihr Leben in den letzten Jahren durch Globalisierung und technologischen Fortschritt verändert? Und was bedeutet es heute Same zu sein? In dieser dreiteiligen Reihe möchte ich diesen Fragen nachgehen.

Die rund 70.000 Samen, wobei die Zahl sehr unsicher ist, leben in einem Land ohne Staatsgrenzen und Besitz, das sie selbst Sápmi nennen. Fälschlicherweise wird es häufig mit Lappland gleichgesetzt; Sápmi ist jedoch weitreichender als die gleichnamigen Provinzen in Finnland und Schweden. Das Siedlungsgebiet der Samen umfasst außerdem weite Teile Norwegens, wo der Großteil aller Samen wohnt, und reicht bis zur russischen Kola-Halbinsel. Schon vor mehr als 10.000 Jahren sollen die Vorfahren der Samen in den arktischen Regionen Nordeuropas gelebt und mit Ackerbau, Fischfang und Rentierzucht über Jahrhunderte hinweg der besonderen Lebensbedingungen nördlich des Polarkreises getrotzt haben. Zur Rentierhaltung, die für die Samen auch heute noch am charakteristischsten ist, folgten sie den Tieren zu ihren jahreszeitlich wechselnden Weideplätzen. Dieses halbnomadische Leben, das bis ins 20. Jahrhundert noch weit verbreitet war, zeigt sich eindrucksvoll in Nils-Aslak Valkeapääs (1943-2001) Gedicht, der zeitlebens der bekannteste samische Künstler war:

My home is in my heart[2]
it migrates with me
 
You know it brother
you understand sister
but what do I say to strangers
who spread out everywhere
how shall I answer their questions
that come from a different world Read More