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Bevor es brennt: Klimaschutz im Norden (Teil 1)

Greta Thunberg – die moderne Pippi Langstrumpf?

Seit vergangenem Sommer sorgt eine schwedische Teenagerin international für Furore. Ihr Schulstreik für eine konsequente Klimapolitik, dem sich sehr bald hunderte Jugendliche aus ganz Europa anschlossen, erweckte schnell mediales Aufsehen. Als Ikone der Klimaschutzbewegung gefeiert, sprach sie im Dezember letzten Jahres sogar bei der Klimakonferenz in Katowice und vor ein paar Wochen noch beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Die heute 16-jährige Greta Thunberg spricht das aus, was kaum ein Politiker sich einzugestehen vermag: Klimapolitisch haben wir bisher auf ganzer Linie versagt. Souverän und mit stoischer Ruhe tritt sie vor die Mächtigsten dieser Welt und führt ihnen ihren eigenen Egoismus vor Augen. „Unser Haus brennt“, sagt sie mit Nachdruck, wir seien schließlich laut dem Weltklimarat weniger als zwölf Jahre davon entfernt, unsere Klimasünden nicht mehr rückgängig machen zu können. Mit eindringlichen Worten kündigt sie an: „Der Wandel kommt, ob es euch passt oder nicht. Die echte Macht liegt beim Volk.“ Sie werde sich ihre Zukunft jedenfalls nicht stehlen lassen.

Mit ihren jungen Jahren wirkt Greta wie eine moderne Pippi Langstrumpf. Sie setzt sich durch, sagt geradeaus, was sie denkt und beweist vor allem eins: Mut. Sie verleiht der aktuellen Klimabewegung ein Gesicht und erreicht, vielleicht gerade dadurch, dass sie keine gewöhnliche Aktivistin ist, eine sehr hohe Medienpräsenz und damit auch Gehör für ihre Anliegen. Mit acht Jahren hörte Greta in der Schule zum ersten Mal von der menschengemachten Erderwärmung und sie beschloss, selbst etwas dagegen zu tun. So schaffte sie etwa bei ihren Eltern ein Bewusstsein für Energieeinsparungen im Haushalt.  Je älter sie wurde, desto mehr Wissen eignete sie sich an. Sie beschloss vegan zu leben, nicht mehr zu fliegen und überzeugte ihre Familie davon, es ihr gleichzutun. Mit elf Jahren folgte eine Depression. Die Untätigkeit der Politiker, das Nichteinhalten von Klimaschutzabkommen, wissend, dass unser verschwenderischer Lebensstil unseren Lebensraum bedroht, setzten ihr so zu, dass sie vorübergehend aufhörte zu essen und zu sprechen. In diesem Zuge wurde bei ihr das Asperger-Syndrom diagnostiziert. Gegenüber dem US-amerikanischen Magazin The New Yorker erklärte sie später: „Ich sehe die Welt etwas anders, aus einer anderen Perspektive. Ich habe ein besonderes Interesse. Es ist sehr üblich, dass Menschen im Autismus-Spektrum ein besonderes Interesse haben.“ Greta Thunbergs besonderes Interesse heißt Klimaschutz. Im vergangenen Sommer traf sie mit 15 Jahren die Entscheidung für den Klimaschutz den Schritt an die Öffentlichkeit zu wagen.

Mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ (Schulstreik für das Klima) bewaffnet, setzte sie sich am 20. August 2018, dem ersten Schultag nach den Ferien in Schweden vor das Gebäude des schwedischen Reichstags in Stockholm. Was als einsamer Sitzstreik begann, ging schnell viral und breitete sich als internationale Bewegung aus. Bald schon folgten die ersten Nachahmer in Deutschland, Belgien, Frankreich, Finnland, Dänemark und Australien. Die Bewegung, die über soziale Netzwerke mit Hilfe des Hashtags #FridaysForFuture kommuniziert, brachte bis Ende des Jahres 2018 mehr als 20.000 Schüler in rund 270 Städten weltweit dazu, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um dadurch auf die Umweltprobleme unserer Zeit aufmerksam zu machen. In einem Interview mit dem Spiegel antwortete Greta Thunberg auf die Frage, warum sie nicht in ihrer Freizeit demonstriere: „Weil es weniger bringen würde. Wissen Sie: Ich darf nicht wählen, obwohl es hier um meine Zukunft geht. Und zur Schule muss ich gehen. Wenn ich dann schwänze, um gegen die Klimakrise zu protestieren, wird auf meine Stimme viel eher gehört.“ Sie behält recht: Schon bald darauf wird sie eingeladen, mit Staatschefs und Wirtschaftsvertretern zu reden. Sie begeistert die Massen mit ihrem Mut und ihrer unbeirrbaren Ausdauer, ihre Reden werden als virale Videos millionenfach verbreitet. Doch wo ein Internethype ist, lässt auch der nächste Shitstorm nicht lange auf sich warten.

Greta polarisiert. Ihre Reden in Katowice und Davos rufen nicht nur Befürworter, sondern auch einige Hater auf den Plan. Auf Twitter und anderen sozialen Netzwerken prasseln lauter negative Kommentare auf das Mädchen ein. Sie sei fremdgesteuert, schreibe ihre Reden nicht selbst, sei nur eine Marionette ihrer Eltern. Sie wird dafür kritisiert, während ihrer 32-stündigen Zugfahrt nach Davos in Plastik verpackte Lebensmittel gegessen zu haben, wo sie doch klimaschädliches Verhalten anprangere. Zu schade, dass sich Plastik in unserer Welt nunmal leider nicht immer vermeiden lässt. Erschütternd sind aber vor allem jene Kommentare, die auf ihr Alter, ihr Geschlecht oder das Asperger-Syndrom abzielen. Diese Kommentare scheinen größtenteils aus dem rechtspopulistischen Milieu zu stammen und sind gar nicht darauf ausgelegt, sich auf Augenhöhe mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen. Vielmehr geht es darum, sie als Person abzuwerten und zu diskreditieren. Doch Greta lässt sich nicht einschüchtern. Dem Spiegel sagt sie: „Es ist ein gutes Zeichen, dass sie über mich schreiben und mich hassen. Denn das zeigt, dass sie mich als Bedrohung ansehen. Und das bedeutet, dass sich schon etwas verändert hat.“

Tatsächlich scheint es in Schweden seit dem letzten Jahr ein gesteigertes Bewusstsein für die Umwelt zu geben und das ist mit Sicherheit auch Greta Thunberg zu verdanken.

Fortsetzung folgt!

Der Natur und den Anderen trotzend – Europas letztes Urvolk

Die Samen, ihre Geschichte und ihr Leben 1/3

Weit im Norden, am äußersten Zipfel von Europas Festland, begebe ich mich auf eine Entdeckungsreise. Ich reise durch die Finnmark, Norwegens nördlichstem Regierungsbezirk. Ein Gebiet das zwar norwegisch ist, aber gleichzeitig mehrheitlich[1] von Samen (Sámi in der Landessprache) bewohnt wird. Die Samen – Europas letztes indigenes Volk. Ich frage mich, wer diese Menschen sind, die der kargen Natur trotzen, die mich von Anfang an fasziniert hat. Wie hat sich ihr Leben in den letzten Jahren durch Globalisierung und technologischen Fortschritt verändert? Und was bedeutet es heute Same zu sein? In dieser dreiteiligen Reihe möchte ich diesen Fragen nachgehen.

Die rund 70.000 Samen, wobei die Zahl sehr unsicher ist, leben in einem Land ohne Staatsgrenzen und Besitz, das sie selbst Sápmi nennen. Fälschlicherweise wird es häufig mit Lappland gleichgesetzt; Sápmi ist jedoch weitreichender als die gleichnamigen Provinzen in Finnland und Schweden. Das Siedlungsgebiet der Samen umfasst außerdem weite Teile Norwegens, wo der Großteil aller Samen wohnt, und reicht bis zur russischen Kola-Halbinsel. Schon vor mehr als 10.000 Jahren sollen die Vorfahren der Samen in den arktischen Regionen Nordeuropas gelebt und mit Ackerbau, Fischfang und Rentierzucht über Jahrhunderte hinweg der besonderen Lebensbedingungen nördlich des Polarkreises getrotzt haben. Zur Rentierhaltung, die für die Samen auch heute noch am charakteristischsten ist, folgten sie den Tieren zu ihren jahreszeitlich wechselnden Weideplätzen. Dieses halbnomadische Leben, das bis ins 20. Jahrhundert noch weit verbreitet war, zeigt sich eindrucksvoll in Nils-Aslak Valkeapääs (1943-2001) Gedicht, der zeitlebens der bekannteste samische Künstler war:

My home is in my heart[2]
it migrates with me
 
You know it brother
you understand sister
but what do I say to strangers
who spread out everywhere
how shall I answer their questions
that come from a different world Read More

Frohe Weihnachten!

Euer Baltic Cultures Adventskalender – Türchen 24

Nun ist es endlich so weit: Der Tag, auf den wir den ganzen Advent lang hinfiebern. Der eine Tag im Jahr, der perfekt sein soll und es meistens dann doch nicht wird. Aber das ist irgendwie auch nicht so schlimm. Denn wir haben die Plätzchen, die funkelnden Lichter, die vertrauten Weihnachtslieder und den ganzen Weihnachtsglanz um uns herum und oft reicht das allein, um zu bekommen, wonach wir uns sehnen.

Foto: Malene Thyssen via Wikimedia Commons

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Finnisches Gebäck für den vierten Advent

Pikkupulla aus Finnland.
(Bild ist von myllynparas.fi)

Morgen ist der vierte Advent und übermorgen Weihnachten. Falls ihr euch noch Gedanken darüber macht, was es zum Kaffee am Nachmittag geben soll, möchten wir noch ein weiteres Rezept vorstellen. Das heutige Rezept kommt aus Finnland und trägt den Namen „Pulla“. Es ist ein Hefegebäck, von dem es viele unterschiedliche Varianten gibt. Die klassische Versionen sind die kleinen Pulla ( Pikkupulla), die vor dem Backen mit Ei und Hagelzucker bestrichen werden. Eine zweite Variante sind die Laskiaspulla. Sie werden zum Laskiasfest 40 Tage vor Ostern zubereitet und mit Mamelade und Sahne gegessen. Eine weitere sehr beliebte Art, Pulla zu backen, sind die Voisilmäpulla ( Butteraugenpulla). Vor dem Backen wird ein Loch in die Mitte gedrückt und anschließend mit Butter und Vanillezucker gefüllt.

Dieses Rezept ist für einen ganz normalen Grundteig, der aber natürlich abgewandelt werden kann. Die Finnen messen ihre Zutaten meistens in Dezilitern ab.

Dazu benötigt man:

5 dl Milch  / 50 g Hefe / 1-2 Tl Salz / 1-2 dl Zucker / 1 Tl Kardamom / 1-2 Eier / ca. 1kg Mehl / 100-200g Butter oder Margarine

Die Milch in einem Topf erwärmen, in eine Schüssel geben und die Hefe darin auflösen. Salz, Zucker, Kardamom und das Ei hinzugeben und verrühren. Anschließend das Mehl nach und nach unterheben bis ein Teig entstanden ist, der nicht mehr klebt. Den Teig an einem warmen Ort gehen lassen, bis er sich verdoppelt hat. Aus dem Teig kleine Brötchen formen, diese mit Ei und Hagelzucker bestreichen und bei 225 Grad für 10 bis 15 Minuten backen.

Die Pulla können abgewandelt werden, indem man sie nach dem Backen aufschneidet und mit Marmelade und Sprühsahne bestreicht. Oder man macht vor dem Backen eine kleine Kuhle in die Pulla und füllt sie mit Butter und Vanillezucker. Aus Pullateig kann man außerdem Zimtschnecken machen. Dazu den Teig nach dem Gehen flach ausrollen, mit einer Mischung aus Butter, Zimt und Zucker bestreichen, aufrollen, kleine Stücke abschneiden und diese mit dem Finger eindrücken.

Guten Appetit!

( Das Rezept ist von myllynparas.fi )