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Zwischen Tradition und Moderne – Europas letztes Urvolk

Die Samen, ihre Geschichte und ihr Leben 2/3

Auf meiner Reise durch die Finnmark lerne ich schnell, dass sich das traditionelle Leben der Samen, das ich aus Erzählungen, Museen und von Vorträgen kannte, verändert hat. Technischer Fortschritt und Globalisierung haben ihr Leben beeinflusst. Und die Grenze von Samen und Norwegern scheint zunehmend zu verschwimmen.
Aus seiner einst halbnomadisch lebenden Rentierhirtenfamilie ist Jon das einzige von fünf Kindern, das nicht zum Studium nach Tromsø gezogen und zum Arbeiten dort geblieben ist. Die Landflucht ist in Norwegens nördlichstem Bundesland[1], das mit einer Bevölkerungsdichte von nur 1,5 Einwohnern pro Quadratkilometer [im Vergleich: in Mecklenburg-Vorpommern sind es 69 Einwohner/km2], besonders ausgeprägt. Die meisten norwegischen Samen wohnen heute in Oslo.
Jon selbst plant nicht weit voraus, arbeitet in Lakselv, etwa 75 km nördlich von seinem Heimatort Karasjok entfernt. Hier wohnen noch immer seine Eltern; seinem Vater und einem seiner Brüder, der dafür gelegentlich aus der Stadt Tromsø anreist, gehören einige Rentiere, deren alleinige Haltung jedoch nicht als Verdienst ausreichen würde.

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Der Natur und den Anderen trotzend – Europas letztes Urvolk

Die Samen, ihre Geschichte und ihr Leben 1/3

Weit im Norden, am äußersten Zipfel von Europas Festland, begebe ich mich auf eine Entdeckungsreise. Ich reise durch die Finnmark, Norwegens nördlichstem Regierungsbezirk. Ein Gebiet das zwar norwegisch ist, aber gleichzeitig mehrheitlich[1] von Samen (Sámi in der Landessprache) bewohnt wird. Die Samen – Europas letztes indigenes Volk. Ich frage mich, wer diese Menschen sind, die der kargen Natur trotzen, die mich von Anfang an fasziniert hat. Wie hat sich ihr Leben in den letzten Jahren durch Globalisierung und technologischen Fortschritt verändert? Und was bedeutet es heute Same zu sein? In dieser dreiteiligen Reihe möchte ich diesen Fragen nachgehen.

Die rund 70.000 Samen, wobei die Zahl sehr unsicher ist, leben in einem Land ohne Staatsgrenzen und Besitz, das sie selbst Sápmi nennen. Fälschlicherweise wird es häufig mit Lappland gleichgesetzt; Sápmi ist jedoch weitreichender als die gleichnamigen Provinzen in Finnland und Schweden. Das Siedlungsgebiet der Samen umfasst außerdem weite Teile Norwegens, wo der Großteil aller Samen wohnt, und reicht bis zur russischen Kola-Halbinsel. Schon vor mehr als 10.000 Jahren sollen die Vorfahren der Samen in den arktischen Regionen Nordeuropas gelebt und mit Ackerbau, Fischfang und Rentierzucht über Jahrhunderte hinweg der besonderen Lebensbedingungen nördlich des Polarkreises getrotzt haben. Zur Rentierhaltung, die für die Samen auch heute noch am charakteristischsten ist, folgten sie den Tieren zu ihren jahreszeitlich wechselnden Weideplätzen. Dieses halbnomadische Leben, das bis ins 20. Jahrhundert noch weit verbreitet war, zeigt sich eindrucksvoll in Nils-Aslak Valkeapääs (1943-2001) Gedicht, der zeitlebens der bekannteste samische Künstler war:

My home is in my heart[2]
it migrates with me
 
You know it brother
you understand sister
but what do I say to strangers
who spread out everywhere
how shall I answer their questions
that come from a different world Read More

Der Vater des Göta-Kanals

Euer Baltic Cultures Adventskalender – Türchen 5

Als im Mai 1618 der Dreißigjährige Krieg, ein Religionskrieg, in dem Katholiken und Protestanten um die Vorherrschaft ihres Glaubens gegeneinander kämpften, in Prag entbrannte, sollte es nicht mehr lange dauern bis sich dieser auf viele Kriegsherde in ganz Europa ausweitete und der Krieg zum Kräftemessen der europäischen Großmächte ausartete. Besonders Vorpommern blieb damals nicht verschont und wurde zum Schauplatz von Kämpfen, Brandschatzungen und strengen Lebensmittelrationierungen, die schätzungsweise ungefähr zwei Drittel der Bevölkerung dahinrafften. Dreißig Jahre nach Ausbruch des Krieges einigte man sich schließlich im Jahr 1648 darauf, die Waffen niederzulegen und man erklärte den Krieg für beendet. In Folge dessen wurde dem Schwedischen Reich unter anderem die Region Vorpommern mit Stettin, Stralsund und Rügen zugesprochen, welche fortan in weiten Teilen bis 1815 unter dem Namen Svenska Pommern unter schwedischer Herrschaft stehen sollte. In dieser Zeit von mehr als 150 Jahren haben in Svenska Pommern einige wichtige und für die schwedische Geschichte einflussreiche Persönlichkeiten gelebt und gewirkt, von denen wir im Adventskalender nun drei vorstellen wollen. Den Anfang macht Baltzar von Platen.

© Hbkitty via Wikimedia Commons

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„Ich sehe uns als Labor“ – e-Estonia im Faktencheck

Jeder Erstklässler lernt, zu programmieren anstatt in Schreibschrift zu schreiben. Immer und überall gibt es kostenloses Wi-Fi. Wahllokale gibt es nicht mehr. Jeder wählt online.
Estlands digitaler Fortschritt ist weit bekannt. Sogar große Nationen wie Deutschland und Frankreich zieht es häufig in den Norden des Baltikums, um dem digitalen Staat einen Besuch abzuleisten. Das Land gilt nicht nur als Vorreiter, sondern regelrecht als Wegweiser im digitalen Zeitalter. Auch Zeitungen und Blogs haben das Phänomen e-Estonia für sich entdeckt. Doch nicht selten mischt sich Wahrheit mit Fiktion. Um die digitale Gesellschaft ranken sich Mythen und Legenden. Wir haben uns die Zeit genommen, einen Blick hinter das Phänomen zu werfen und ein paar der verbreitetsten Mythen aufzudecken.

Quelle: brand.estonia.ee

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Schaurig-schön – Gespensterwald Nienhagen

Es spukt

Abends, wenn die Heimchen singen,
Wenn die Lampe düster schwelt,
Hör‘ ich gern von Spukedingen,
Was die Tante mir erzählt.

Wie es klopfte in den Wänden,
Wie der alte Schrank geknackt,
Wie es einst mit kalten Händen
Mutter Urschel angepackt.

Wie man oft ein leises Jammern
Grad um Mitternacht gehört,
Oben in den Bodenkammern,
Scheint mir höchst bemerkenswert.

Doch erzählt sie gar das Märchen
Von dem Geiste ohne Kopf,
Dann erhebt sich jedes Härchen
Schaudervoll in meinem Schopf.

Und ich kann es nicht verneinen,
Daß es böse Geister gibt,
Denn ich habe selber einen,
Der schon manchen Streich verübt.

Wilhelm Busch (1832-1908) Read More