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Einige von euch haben vielleicht das ein oder andere Konzert beim diesjährigen Nordischen Klang besucht und wissen noch, was sich hinter diesen drei Buchstaben verbirgt – IKI.

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Die Gruppe (ganz recht, dies ist ein Beitrag zum Ensemble IKI – zu anderen Bedeutungen, wie einer litauischen Einzelhandelskette, siehe hier.) besteht aus einer wechselnden Anzahl junger Frauen, die alle aus den verschiedensten Ecken Nordeuropas stammen. Kennengelernt haben sie sich am Rhythmic Music Conservatory in Kopenhagen. Ihr erstes Album schaffte es auf den ersten Platz des Danish Music Award 2011. Kürzlich erschien ihr zweites, Lava. Schwer zu sagen, ob ihr Konzert das beste des diesjährigen Klanges war, das ist letztlich eine Frage des Geschmacks. Zweifellos war es aber das merkwürdigste und beeindruckendste. Read More

Helene Schjerfbeck als moderne Künstlerin.

Helene Schjerfbeck

Porträt 1890

„Ich mag Grau, das ist genau wie ich meist gemalt habe. Weiß, Grau, Schwarz und nun kürzlich habe ich versucht Farbe hinzuzufügen.“
Helene Schjerfbeck, Juli 1914

Im Jahre 1880 erhält die Finnin ein Stipendium in Paris für ein Studium an einer privaten Kunstschule. Staatliche Kunstschulen waren Frauen bis dahin nicht zugänglich. Schjerfbeck überzeugt mit Frauenbildern, Männerakten, zahlreichen Selbstporträts, auch mit ihrem Gemälde „Verwundeter Krieger im Schnee“ von 1880, obwohl historische Malerei zu der Zeit eine Männerdomäne darstellt. Ihr Malstil verändert sich während ihrer langen Schaffensperiode bis zu ihrem Tod im Jahre 1946, von einem realistischen zu einem expressionistischen.

Ihre Werke werden bis zum 11. Januar 2015 in der Frankfurter Schirn Kunsthalle zu sehen sein und Einleitendes sowie Bildmaterial wird hier präsentiert.

Am Ende ihrer Lebenszeit malt sich die Greisin in einer umfangreichen Serie von Bildern, die immer karger werden. Mund und Nase verrutschen, die Augenhöhlen werden größer und leerer. Eine stets moderne Künstlerin im natürlichen Wandel der Zeiten und Alter.

Kunst, Kultur& skandinavische Sprachen. Filme aus dem Norden!

Obwohl wir die Nordischen Filmtage in Lübeck bereits vor einigen Wochen besucht haben, wirken Geschichten, Filmtitel, Figurennamen und besondere Situationskomik der Retrospektivfilme unter dem Leitthema Komik weiter nach. Ein Erfahrungsbericht mit der Überschrift „Von Lachmuskeln& plattgesessenen Hintern. Die Nordischen Filmtage 2014 in Lübeck.“, wird nur allzu gut vorstellbar. Darüber hinaus liefern die Filmtage unzählige Hinweise auf weitere Spiel-, Dokumentar-, Stumm- oder Kurzfilme. Welche Filme interessieren? Mit welchem Film sollte man beginnen?

Ausufernder Filmkatalog der Filmtage Lübeck.

Ausufernder Filmkatalog der Filmtage Lübeck.

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Und alle singen im Chor

Woran denkt Ihr zuerst, wenn ihr an das Baltikum denkt? An die Ostsee und die Natur? An Sport? Immerhin sind die drei Länder recht erfolgreich in ihren Nationalsportarten Floorball (Estland), Eishockey (Lettland) und Basketball (Litauen). Oder denkt Ihr sogar an absolvierte Sprachkurse in der Baltistik oder Fennistik? Und wer von Euch denkt zuerst an Chöre und Singen?

Für das Nationalbewusstsein der baltischen Staaten ist das gemeinsame Singen von zentraler Bedeutung. Im Chor zu singen, ist ein beliebtes Hobby und in kaum einer Stadt vergeht eine Woche ohne einen Abend im Sinne eines Chorkonzertes. Auch für die Wiedererlangung ihrer Unabhängigkeit demonstrierten die Balten mit ihren Liedern. Von 1987 bis 1991 führten sie die „Singende Revolution“ gegen die Sowjetunion und hatten zuletzt Erfolg. Immer wieder trauten sich Einzelne zu dieser Zeit, sogar eine der zuhause versteckten, weil von den Sowjets verbotenen, Nationalflaggen mitzubringen, und mutig während des Singens zu schwenken.
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Litauische Sutartinės und ihre Symbolwelt

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Hinter dem Begriff Sutartinės verbirgt sich eine von altersher überlieferte, spirituelle litauische Kunstform heidnischen Ursprungs. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Gesang und Tanz, die dem Ohr beim ersten Hören meist sehr fremdartig erscheint, was an der Polyphonie und den ungewohnten, dissonanten Harmonien des Gesanges liegt. Merkwürdigerweise bedeutet das Verb sutarti allerdings soviel wie ‚harmonisieren‘ oder ‚in Einklang miteinander sein‘ – also genau nicht das, wonach es im ersten Moment klingen mag. Man kann sich das so erklären, dass auch musikalisches Geschmacksempfinden kulturell gebunden ist und abhängig ist davon, was wir häufig hören und kennen. Dem ist vermutlich so, aber man kann sich dann weiter fragen, worin denn diese besondere Harmonie besteht, wenn solche Klänge für „heidnische“ litauische Ohren die Norm waren. Sicher harmonieren auch Gesang, Tanz und Instrumentalmusik miteinander, schließlich gehören sie zusammen und machen gemeinsam eine Sutartinė aus. Allerdings…
… besteht die Harmonie oder vielmehr der Einklang noch auf einer sehr viel tieferen Ebene. Lasst mich etwas ausholen:
In der Regel wurden, und werden, Sutartinės von Frauen gesungen. Vereinzelt sangen zwar auch Männer, für gewöhnlich oblag ihnen aber das Begleiten auf Instrumenten. Da die Begleitmusik jedoch kein unverzichtbarer Bestandteil von Sutartinės war, nahmen Männer gar nicht zwangsläufig an ihnen teil. Sie wurden auch beiweitem nicht von allen Frauen getanzt und gesungen.

Sutartinės kann man klassifizieren nach der Anzahl der Sängerinnen: Dvejinės singt man zu zweit, Trejinės zu dritt und Keturinės zu viert – die Bezeichnungen sind abgeleitet von den Zahlen zwei, drei und vier. Die Mathematik der Sutartinės ist nur noch ein kleinwenig komplizierter – oder einfach differenzierter. Die Melodie besteht immer aus zwei gleichlangen Teilen. Bei den Dvejinės ist es ganz einfach: Eine der Frauen ist die Rinkėja, was soviel heißt wie ‚Sammlerin‘ oder ‚Wählende‘. Sie wählt und gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an und gibt Text und Melodie vor. Wenn sie begonnen hat, wiederholt die Sutartėja, die ‚Einstimmende‘ oder ‚Harmonierende‘, den vorgegebenen Refrain zeitversetzt in einem bestimmten Intervall. Trejinės werden von allen drei Frauen im Kanon gesungen, selbstverständlich beginnt die Rinkėja. Die anderen beiden singen beide Teile der Melodie jeweils zeitversetzt mit Intervall. Bei den Keturinės gibt es zwei Zweierpärchen, die jeweils aus einer Rinkėja und einer Sutartėja bestehen. Dass das nicht das Ende vom Lied ist, seht ihr, wenn ihr euch das Video anseht, aber ich kann und möchte es nicht noch komplizierter machen. Read More