Author - Anna

Kein Sack Flöhe, aber ein lettisches Floorballteam

Wer schonmal ein Erasmus-Semester gemacht hat, früher auf Ferienfreizeiten mitgefahren ist, oder ehrenamtlich arbeitet und Seminare mit anderen Freiwilligen mitmacht, der kennt das bestimmt: Man fährt irgendwo hin, trifft dort eine Gruppe fremder Menschen, und nach einiger Zeit, sei es eine Woche oder ein Jahr, muss man sich von Freunden verabschieden.
So war es auch bei mir, als ich mich vor zwei Wochen in den Zug setzte und nach Österreich fuhr, um dort freiwillig bei den Special Olympics World Winter Games zu arbeiten. Read More

„Gehen Sie nicht über Los…“ – Das Thema Menschenrechte greifbar gemacht

Ungefähr im April 2015 flatterte eine E-Mail in mein Postfach. Absender: Die Domus-Dorpatensis-Stiftung in Tartu, in deren Mailingliste ich mich irgendwann mal eingetragen hatte. Betreff: Für einen internationalen Jugendaustausch wurden Teilnehmer gesucht. An dem Seminar mit dem Titel „The Spirit of Democracy“ sollten sieben Deutsche, sieben Esten und sieben Letten zwischen 18 und 30 Jahren teilnehmen, organisiert wurde das Seminar von der Deutschbaltischen Studienstiftung, und finanziert von der EU beziehungsweise Erasmus+, so dass auf die Teilnehmer kaum Kosten zukommen würden. Seminarorte: Liepāja und Rīga in Lettland. Abgesehen davon, dass ich für den Zeitraum des Seminars noch keine anderen Pläne hatte und eine kostenlose Reise nach Lettland ganz attraktiv fand, hatte ich schon lange immer wieder von Seminaren der Deutschbaltischen Studienstiftung gehört und Interesse daran gehabt, daran einmal teilzunehmen. Ich schickte meine Bewerbung ab, und bekam einige Wochen später die Nachricht, dass ich teilnehmen durfte. Read More

Osterwanderung durchs Hochmoor

Der Wanderweg Selli-Sillaots führt durch ein Hochmoor im Landschaftsschutzgebiet Alam-Pedja, das im Landkreis Tartu in Estland liegt. Hier leben ungefähr genauso viele Bären, Elche und Luchse wie Menschen. Außerdem ist das Gebiet das wichtigste Brutgebiet der Doppelschnepfe – und ein Paradies der Stille für Menschen.

Geburtstagslied für Lettland

Riga

„Mama Milda, wie war das, als ich geboren wurde?“
„Das erzähle ich dir ein anderes Mal.“
„Das sagst du immer! Ich bin jetzt fünfundneunzig Jahre alt, ich bin groß genug dafür!“
„Vielleicht bist du fünfundneunzig Jahre alt, aber denk nur daran, wie viele dieser Jahre du geschlafen hast. Erst seit zweiundzwanzig Jahren bist du wieder wach, damit bist du fast noch ein Baby.“
„Mama, bitte!“

„Also gut. Irgendwann musst du es ja erfahren. Dein Vater hätte dich lieber nicht gehabt. Und erst recht wollte er nicht, dass du wieder erwachst… aber er hat nicht aufgepasst. Er hat versucht, es zu verhindern, dich wieder in den Schlaf zurück zu drängen als du erwachtest, und dich in Rīga verletzt. Aber du wolltest aufwachen, und gegen deinen Gesang war dein Vater machtlos.“
„Darum sagen die anderen, dass ich so gut singen kann?“
„Ja, Glasnost und Perestroika ließen deinen Tiefschlaf leichter werden, doch du wachtest auf durch Gesang.“

„Mama, sind Estland, Litauen und ich Drillinge?“
„Natürlich nicht, wer sagt denn so etwas?“
„Die anderen. Sogar die aus unserer Klasse. Wenn wir zusammen in Brüssel sind. Ich glaube, manchmal wissen sie nicht, wer von uns wer ist.“
„Ihr habt Vieles gemeinsam, das ist wahr. Und die Geschichte lässt euch zusammenhalten. Denk nur an die baltische Kette, die an jenem Tag unvergleichlich machtvoll eure Hauptstädte verband.
Aber trotzdem seid ihr auch verschieden, und jeder, der euch besucht, kann das sehen. Denk nur an Tallinn mit seinen mittelalterlichen Festungsgemäuern, an Vilnius, die barocke Schönheit, und Rīga, mit all seinem Jugendstil, den alle Besucher bewundern.“

„Mama, bin ich eigentlich schön?“
„Warum stellst du denn solche Fragen, mein Kind?“
„Na, die Leute möchten doch immer schöne Länder sehen. Und mich schauen nur wenige Leute genauer an…“
„Die Leute wissen nichts. – Schau, wie sich die Lichter Rigas in der Daugava spiegeln. Sieh von der Burg Turaida auf Livland herab. Schwimme in Semgallen in einem der Flüsse, die die Landschaft aus fruchtbaren Feldern durchziehen. Streife durch die Wälder in Letgallen, und laufe an den Stränden Kurlands entlang, wo man Bernstein findet und wo die letzten Liven leben. Dann wirst du keinen Zweifel mehr daran haben, wie schön du bist.
Und wenn du durch die Städte und Dörfer streifst, dann sieh die Menschen an, die dort leben. Deine Menschen, die für dich einstanden und immer für dich einstehen werden.“

„Mama, warum fährt der Mann aus dem großen Haus nebenan immer mit seinem großen Auto die Straße auf und ab, und warum hält er immer vor unserem Haus an und schaut so komisch in unseren Garten?“
„Das ist eine törichte Frage, mein Kind. Ich kann sie dir nicht beantworten, du würdest die Antwort nicht verstehen.“
„Aber Mama, das macht mir Angst.“
„Ich weiß, aber es ist nun einmal so.“
„Aber…“
„Schluss jetzt. Das waren genug Fragen für dieses Jahr.“

„Aber eine einzige Frage hab ich noch, Mama.“
„Na gut. Welche denn?“
„Warum hab ich eigentlich sechs Zehen?“

(geschrieben zum lettischen Unabhängigkeitstag 2013)

Küsse aus der Nordischen Mythologie

Frigg umarmt ihren toten Sohn Baldr. Illustration von Lorenz Frølich (1895). Quelle: Wikimedia

Frigg umarmt ihren toten Sohn Baldr. Illustration von Lorenz Frølich (1895). Quelle: Wikimedia

In wenigen Tagen ist es wieder so weit: Valentinstag, der Tag, an dem vielleicht so viel geküsst wird wie an keinem anderen Tag im Jahr. Deshalb möchte ich mit Euch einen Ausflug in die Nordische Mythologie machen, zu den Ursprüngen eines Brauches, bei dem es auch ums Küssen geht, auch wenn er eher mit Weihnachten in Verbindung gebracht wird: Warum küssen wir uns eigentlich unter einem Mistelzweig?

Snorri, der im 13. Jahrhundert auf Island gelebt hat, hat uns die größte Quelle zu den Glaubensvorstellungen seiner Landsleute hinterlassen, er hat allerhand Anekdoten aus dem Leben der Götter in der Edda niedergeschrieben. Eine davon handelt von von Baldr, dem Gott des Lichts, dem Sohn von Odin und Frigg. Er träumte von seinem Tod, und seine Mutter Frigg hatte genau den gleichen Traum. Baldr erschrak, doch seine Mutter wollte nicht hinnehmen, dass ihr Traum vom Tod ihres Sohnes eine Vorsehung sein sollte.

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