Author - Andreas

Litauische Sutartinės und ihre Symbolwelt

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Hinter dem Begriff Sutartinės verbirgt sich eine von altersher überlieferte, spirituelle litauische Kunstform heidnischen Ursprungs. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Gesang und Tanz, die dem Ohr beim ersten Hören meist sehr fremdartig erscheint, was an der Polyphonie und den ungewohnten, dissonanten Harmonien des Gesanges liegt. Merkwürdigerweise bedeutet das Verb sutarti allerdings soviel wie ‚harmonisieren‘ oder ‚in Einklang miteinander sein‘ – also genau nicht das, wonach es im ersten Moment klingen mag. Man kann sich das so erklären, dass auch musikalisches Geschmacksempfinden kulturell gebunden ist und abhängig ist davon, was wir häufig hören und kennen. Dem ist vermutlich so, aber man kann sich dann weiter fragen, worin denn diese besondere Harmonie besteht, wenn solche Klänge für „heidnische“ litauische Ohren die Norm waren. Sicher harmonieren auch Gesang, Tanz und Instrumentalmusik miteinander, schließlich gehören sie zusammen und machen gemeinsam eine Sutartinė aus. Allerdings…
… besteht die Harmonie oder vielmehr der Einklang noch auf einer sehr viel tieferen Ebene. Lasst mich etwas ausholen:
In der Regel wurden, und werden, Sutartinės von Frauen gesungen. Vereinzelt sangen zwar auch Männer, für gewöhnlich oblag ihnen aber das Begleiten auf Instrumenten. Da die Begleitmusik jedoch kein unverzichtbarer Bestandteil von Sutartinės war, nahmen Männer gar nicht zwangsläufig an ihnen teil. Sie wurden auch beiweitem nicht von allen Frauen getanzt und gesungen.

Sutartinės kann man klassifizieren nach der Anzahl der Sängerinnen: Dvejinės singt man zu zweit, Trejinės zu dritt und Keturinės zu viert – die Bezeichnungen sind abgeleitet von den Zahlen zwei, drei und vier. Die Mathematik der Sutartinės ist nur noch ein kleinwenig komplizierter – oder einfach differenzierter. Die Melodie besteht immer aus zwei gleichlangen Teilen. Bei den Dvejinės ist es ganz einfach: Eine der Frauen ist die Rinkėja, was soviel heißt wie ‚Sammlerin‘ oder ‚Wählende‘. Sie wählt und gibt im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an und gibt Text und Melodie vor. Wenn sie begonnen hat, wiederholt die Sutartėja, die ‚Einstimmende‘ oder ‚Harmonierende‘, den vorgegebenen Refrain zeitversetzt in einem bestimmten Intervall. Trejinės werden von allen drei Frauen im Kanon gesungen, selbstverständlich beginnt die Rinkėja. Die anderen beiden singen beide Teile der Melodie jeweils zeitversetzt mit Intervall. Bei den Keturinės gibt es zwei Zweierpärchen, die jeweils aus einer Rinkėja und einer Sutartėja bestehen. Dass das nicht das Ende vom Lied ist, seht ihr, wenn ihr euch das Video anseht, aber ich kann und möchte es nicht noch komplizierter machen. Read More

ЧС – Час Стихов – Der Greifswalder Lyrikabend

 

gedicht mit üb. großIm Sommer 2012 entstand am Greifswalder Slawistikinstitut die Idee, Literatur mal anders — außerhalb von Vorlesungen und Theorie — zu begegnen. Literatur lebt, hieß es, im (Vor-)lesen, Nachdenken und Diskutieren. Nach einigen vorsichtigen Probesitzungen wurde klar: Solche Lyrikabende machen Spaß! Seitdem trafen sich Studenten, Dozenten und andere Literaturliebhaber regelmäßig im Slawistenkeller „Tschaika“, bei sich zu Hause, im Café und sogar im Park…
Zu einem vorher vorgeschlagenen Thema bringen wir Gedichte mit, die uns beeindruckt, gewundert oder schockiert haben, lesen sie einander vor, sprechen darüber, tauschen unsere Eindrücke aus. Die Originalsprache der Gedichte (Deutsch, Russisch, Ukrainisch, Finnisch, Estnisch etc., was wir nicht alles schon hatten!) ist egal — eine (grobe) Übersetzung ins Deutsche ist aber immer willkommen.

Der nächste Lyrikabend findet voraussichtlich im Oktober statt.

Schaut auf unserer facebook-Seite vorbei, um den genauen Termin zu erfahren und bringt eure Freunde und Bekannten mit!
https://www.facebook.com/groups/516511761776105/

Fragen oder Bemerkungen könnt ihr per E-Mail richten an: slata.roschal@mail.ru

Im Alltag, in der Freizeit, sogar in einem literaturwissenschaftlichen Studium lesen wir wenig Gedichte. Lyrik ist heute nicht besonders in und gehört nicht zu den Bestsellern auf dem Buchmarkt. Um Gedichte zu lesen, braucht man Zeit. Genau diese Zeit wollen wir uns bei den Lyrikabenden nehmen und uns über das mal Gelesene und wieder in Vergessen Geratene unterhalten. Oft hört man dabei zum ersten Mal ein Gedicht, das später einen festen Platz im eigenen Leben einnimmt oder unbekannte Autornamen, hinter denen sich viel verbirgt. Auch selbstgeschriebene Gedichte werden mitgebracht.

Zu den schönsten Gedichten, die wir beim Lyrikabend gelesen haben, gehören zweifellos:

gedicht trakl

gedicht mandelstam

Verfasserin: Slata Roschal

 

Russland so konzentriert wie Tomatenmark

Gregor war Apollo-Praktikant für den Deutschunterricht in Russland. Mit der Erlaubnis von Apollo hat er Baltic Cultures seinen Bericht zur Verfügung gestellt. Nun könnt ihr ihn also lesen – wenn ihr Lust habt…  Und wer sich danach für Apollo allgemein oder ein ähnliches Praktikum interessiert, darf gerne hier vorbeischauen: http://www.apollo-online.de/aktiv-werden/daf.html

So, jetzt lasse ich aber Gregor zu Wort kommen:
Lust auf einen Bericht aus Izhevsk? Setz dich hin und mach es dir gemütlich. Das habe ich in Izhevsk häufig gemacht. Mich hingesetzt, es mir gemütlich gemacht. Und was habe ich sonst noch so gemacht? Hast du ein bisschen Zeit? …

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Die Zeit läuft in Russland anders. Nicht immer rückwärts, aber doch entscheidend anders als in Deutschland. In einer zwanzigstündigen Zugfahrt von Moskau nach Izhevsk hat man viel von dieser komisch verlaufenden Zeit. Die eine Minute rinnt einem durch die Finger und die andere will nicht enden. In Izhevsk können einzelne Tage sehr schnell vergehen, andere langsamer. Zwei Monate letztlich sind eine ordentliche Zeit. Man hat viel erlebt, aber vielleicht sehnt man sich doch ein bisschen nach der Heimat. Read More

Am Anfang war das Ei – Islandexkursion 2014

Vorab: Dieser Beitrag enthält nur einen Bruchteil dessen, was unsere Exkursionsgruppe auf Island alles gesehen und erlebt hat. Island ist bekannt als das Land der Sagas und der Wikinger, der Elfen und der Launen der Natur. Obwohl wir viele Sagastätten, Museen, Kirchen und andere für die Isländer kulturell und politisch sehr bedeutsame Orte bereist haben, habe ich das nicht aufgeführt oder nicht explizit erwähnt. Ich bitte den Leser darum, das zu berücksichtigen und beim Lesen alles Fehlende im Geiste zu ergänzen.

Foto: Lisa Below

Wall art in Reykjavík – Foto: Lisa Below

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