Author - Berit

„Doing Heimat. Migration – Diaspora – soziale Mobilität in schwedischer Gegenwartsliteratur“

heimatNicht erst seit der Begriff „Globalisierung“ in aller Munde ist, kann die Bezeichnung „Heimat“ ambivalent aufgefasst werden. Allerdings betont unser Bewusstsein, in einer globalisierten Welt zu leben, die dynamischen Aspekte, die mit Heimat verbunden sind und die oft über die Definition „Heimat = Herkunft“ hinausgehen. In meiner Masterarbeit „Doing Heimat. Migration – Diaspora – soziale Mobilität in schwedischer Gegenwartsliteratur“ habe ich anhand autobiographischer Romane dreier auf Schwedisch schreibender, zeitgenössischer Autoren untersucht, wie Heimat in diesen Texten dargestellt wird bzw. inwieweit autobiographisches Schreiben maßgeblich für die persönliche Konstruktion einer Heimat ist. Dabei handelt es sich um Verfasser, die Heimat v.a. durch die Erfahrung der Heimatlosigkeit thematisieren. Theodor Kallifatides (1938–) kam in den 1960er Jahren als Migrant aus Griechenland nach Schweden und beschreibt in seinen Texten ein Leben zwischen zwei Kulturen. Leif Zern (1939–) wuchs innerhalb der jüdischen Gemeinde in Stockholm auf und muss erkennen, dass selbst für die 3. Generation jüdischer Einwanderer Schweden keine selbstverständliche Heimat darstellt. Per Olov Enquist (1934–) hingegen löste sich von der pietistischen Gemeinde, in der er aufwuchs, und ist gezwungen, nach neuen Bezugspunkten zu suchen.

Sie alle sind damit konfrontiert, sich eine eigene Heimat aktiv konstruieren zu müssen, wie es z.B. der Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger und die Psychologin Beate Mitzscherlich beschreiben. Sie definieren Heimat als offene Struktur, die nicht vorgegeben ist, sondern mit jeder Handlung immer wieder neu geschaffen wird. Deshalb können statt „Heimat“ auch die Bezeichnungen „Beheimatung“ oder „Doing Heimat“ verwendet werden, die den aktiven, fortlaufenden Prozess unterstreichen, der notwendig ist, damit etwas als heimatlich betrachtet werden kann. Als grundlegende Handlung dieses „Doing Heimats“ kann das Erzählen angesehen werden. Es ermöglicht, ein persönliches Heimatkonzept zu gestalten und verdeutlicht, dass Beheimatung etwas ist, das ständig weitererzählt – d.h. aktiv fortgeführt – werden muss, um nicht an Bedeutung zu verlieren.

Deutlich wird das z.B. an Kallifatides´ Ett nytt land utanför mitt fönster (2001) und Det gångna är inte en dröm (2010). Die fortwährende Bearbeitung seiner Erfahrungen in schriftlicher Form lässt ihn erkennen, dass Griechenland zur geistigen Heimat geworden ist, die ihn moralisch geprägt hat und somit Voraussetzung für das Schaffen einer neuen Heimat in Schweden ist. Heimat beschreibt Kallifatides als kontinuierliche Reise, um eine Verbindung zwischen den zwei Ländern herzustellen. Reisen kann als Metapher für seinen persönlichen Entwicklungs- und Beheimatungsprozess verstanden werden, der kontinuierlich weitergeführt wird. Einen ähnlich mobilen Zustand beschreibt Zern in Kaddish på motorcykel (2012). Als Erbe der jüdischen Diaspora und Kind des schwedischen „Folkhemmet“ lernt er v.a. vom Vater, diese verschiedenen Aspekte seiner Identität zu verbinden, um eine Heimat im Dazwischen zu schaffen. Auch Enquist beschreibt in Ett annat liv (2008), wie die in der Kindheit vermittelten Werte seine weitere Beheimatung beeinflusst haben, obwohl ihn diese geographisch, sozial und mental weit von seinem pietistischen Ursprung entfernt hat. So ist er einerseits, wie Kallifatides und Zern, fest verankert in einer Prägung, die für ihn Heimat darstellt. Andererseits nutzt auch Enquist das Motiv des Unterwegs-Seins als eigentliches Heimatkonzept, das durch diese Prägung erst ermöglicht wird und neue Ziele, und damit auch zukünftiges Schreiben, eröffnet.

Die eigene ambivalente Situation wird in allen untersuchten Texten positiv gewertet. Sowohl Kallifatides als auch Zern und Enquist nutzen ihr Schreiben als aktive Handlung der Reflexion, die ein persönliches Heimatkonstrukt schafft. Allerdings zeigt das auch, dass Beheimatung wie der Schreibprozess kontinuierlich fortgesetzt werden muss, da der Versuch einer einmaligen, absoluten Darstellung nie gelingen kann. Somit ist Heimat als wandelbares Konstrukt zu verstehen, das erst aktiv geschaffen werden muss, das aber im Gegenzug zu weiteren Entscheidungen und Handlungen, z.B. beim Schreiben, befähigt.

(Die Autorin Franziska Sajdak M.A. studierte den Masterstudiengang Skandinavistik der Uni Greifswald. Der Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung ihrer Masterarbeit.)

Frohe Weihnachten mit den Skagenmalern

Ende des 19. Jahrhunderts gründete sich im dänischen Skagen an der Norsdpitze Juütlands eine Künstlerkolonie, die mit ihrere Freiluftmalerei und bildlichen Darstellungen von Fischern und dem dänischen Landleben große Bedeutung erlangte. Besonders die Lichtverhältnisse an der Küste prägten die Bilder der Skagenmaler, die beeinflusst waren von französischer Freiluftmalerei. In den Sommermonaten entwickelte sich der Ort Skagen zu einem Treffpunkt dänischer Künstler. Von den Skagenmalern gibt es eine Reihe sehr schöner Darstellungen von Festtagen und Feierlichkeiten, darunter auch das Weihnachtsfest.

God Jul – Frohe Weihnachten – Merry Christmas

Viggo Johansen: "Glade Jul" (1891)

Viggo Johansen: „Glade Jul“ (1891) // Quelle: Wikimedia

 

Finnisch färbt ab

Repovesi Nationalpark in Finland (Quelle: Wikimedia Commons)

Repovesi Nationalpark in Finland (Quelle: Wikimedia Commons)

Nach dem Ursprung ihrer Finnlandbegeisterung befragt, antworten Finnlandfreunde egal welchen Alters immer wieder, Finnland habe sie schon nach einer ersten intensiven Begegnung nie wieder losgelassen. Oftmals heißt es dann metaphorisch, man sei vom „Finnlandvirus infiziert worden“. Dass eine Begegnung mit Finnland hartnäckige Spuren im Gemüt hinterlassen kann, ist also wohlbekannt. Wie sieht es aber mit der Sprache aus? Hinterlässt das angeblich so anders- artige Finnische Spuren in der Sprache deutscher Muttersprachler, wenn sie sich z.B. über Jahre hinweg in Finnland aufgehalten haben und partiell zweisprachig geworden sind? Read More

Das typisch finnische Märchen

1155__suomen_kansan3649Schöne, alte Märchenbücher, wahre Märchenschätze: Nach wie vor entführen sie Kinder wie Erwachse in eine Phantasiewelt, in der alles möglich scheint. Unverändert bieten sie Stoff zum Lachen und zum Weinen, lassen den Leser mit dem in eine missliche Lage geratenen Helden sympathisieren, unterhalten mit romantischen Liebesgeschichten, span-nenden Abenteuerreisen oder wunder-samen Begebenheiten. Jedoch dienen Märchen nicht der bloßen Unterhaltung. Der Märchenschatz ist ein wichtiger Teil des Kulturerbes eines jeden Landes, er spiegelt seine Geschichte und Kultur wieder. Auch in Finnland sind die Volksmärchen neben dem Kalevala untrennbar mit dem Begriff des Nationalen verbunden. Aber was ist ein typisch finnisches Märchen und was wird als typisch finnisches Märchen in Finnland selbst und z.B. in Deutschland angesehen?

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Die Kategorie „Bandname“ – die große Unbekannte innerhalb der Namenforschung

Ergebisse der Bachelor-Arbeit Von Aalto ˈWelleˈ bis Öiset Kulkijat ˈNächtliche Wandererˈ– Eine korpusgestütze linguistische Analyse finnischer Bandnamen von Sabrina L.V. Scholz 

Finnische BandnamenTrotzdem Musik allgegenwärtig und als kulturelles Phänomen weltweit bedeutsam ist, kommt der Beschäftigung mit Bandnamen in der Forschung erstaunlicherweise kaum Beachtung zu. Dabei finden immer neue Namens-schöpfungen Eingang in den Bandnamenkanon und vermögen dabei äußerst verschiedenartige Formen annehmen. Für meine Bachelor-Arbeit an der Universität Greifswald haben mich eben jene Formen interessiert. Qualitativ wie quantitativ galt es mithilfe der Internetdatenbank Suuri Suomalainen Bändirekisteri neben der Frage nach typischen Quellsprachen finnischer Bandnamen auch zu klären, wie bei der Bandnamenschöpfung generell mit Sprache umgegangen wird. Wird mit ihr gespielt, wird sie modifiziert oder finden sich überwiegend gängige Begriffe wieder? Lässt sich feststellen, ob kurze und somit leichter einprägsame Namen dominieren oder aber ein Hang zu ausschweifenden, mehrteiligen Namen deutlich wird? Warum dies von Belang ist, liegt in der Vielzahl an Funktionen begründet, die ein Bandname zu erfüllen hat. Denn über die generelle Identifikation einer bestimmten Gruppe und deren Abgrenzung zu den übrigen Akteuren auf dem Markt hinaus werden die Namen markenähnlich verwendet: CDs, Konzerte, Merchandise-Artikel, überall taucht der Name zu Verkaufszwecken auf. Daher sollte er ansprechend und eingängig sein. Ist er zudem kurz und prägnant und folgt der konventionellen Schreibweise, so kommt dies neben der Erinnerbarkeit auch seiner Verwendbarkeit in schriftlichem, mündlichem sowie audiovisuellem Kontext zugute. Komplexere Namen dagegen, die womöglich zudem ungewöhnlichen Sprachmustern folgen und aufgrund ihres Erklärungsbedarfs Schwierigkeiten bei der Aussprache oder dem Verständnis verursachen, setzen sich weniger leicht im Gedächtnis fest. Es besteht sogar die Möglichkeit, dass die jene Namen in Kommunikationssituationen vermieden werden, um sie nicht fehlerhaft wiederzugeben. Letzten Endes wäre also ein kurzer, wohlklingender, graphisch attraktiv in Szene setzbarer Name ideal, der vielleicht sogar etwas über die Musik verrät und mit dem sich der potentielle Hörer gern identifiziert.

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