Alte Etymologien neu entdeckt

Schon gewusst, dass die Wörter Birne und brennen etymologisch miteinander verwandt sind und dass das im nordeuropäischen Raum keine Seltenheit und auch kein Zufall ist?

APRILSCHERZ

DER INHALT DES ARTIKELS IST FREI ERFUNDEN. DAS GILT INSBESONDERE FÜR DAS FORSCHUNGSPROJEKT, DIE ANGEBLICH BETEILIGTEN UNIVERSITÄTEN UND DEN STUDENTEN STEPHAN WEIGERS. FALLS ES AN DER UNI BOCHUM TATSÄCHLICH EINEN GLEICHNAMIGEN STUDENTEN GEBEN SOLLTE, IST DAS REINER ZUFALL UND VON BALTIC CULTURES NICHT BEABSICHTIGT. MIT UNSEREM BEITRAG HAT ER NICHT DAS GERINGSTE ZU TUN!

Eine kürzlich veröffentlichte Forschung einer Gruppe von Linguisten, Historikern und Biologen von den Universitäten Helsinki, Amsterdam und Leiden untersuchte die gegenwärtige und historische Ausdehnung des Verbreitungsgebietes wilder und kultivierter Birnenarten in Nordeuropa und kam zu verblüffenden Ergebnissen, die wieder einmal zeigen, wie Sprache Kulturgeschichte konserviert und wie Kultur von unserer Umwelt geprägt ist. Vielen Dank an Stephan Weigers für seine Kurzzusammenfassung!

Die Wildbirne (Pyrus pyraster) gehörte in den vergangen zwei bis drei Jahrhunderten  nicht zur heimischen Fauna Nord- und Nordosteuropas. Die  Winter sind zu lang und zu kalt, die Sommer zwar sehr intensiv, aber zu kurz. Grabungen in etwas älteren Bodenschichten und die Auswertungen darin gefundenen pflanzlichen Materials belegen jedoch ihr Vorkommen im äußersten Südschweden und der südlichen Hälfte des Baltikums bis um das 4. Jhd. n. Chr. Der Zeitraum deckt sich mit einer Periode ausreichend warmen Klimas. In groben Zügen lässt sich eine Linie Halmstad–Riga ziehen, unterhalb der man Spuren des ehemaligen Wildbirnenbestandes findet. Der Baum war für die damals dort lebenden  Menschen überlebenswichtig. Seine Frucht ist holzig, erst überreif oder nach Frost ist sie für den menschlichen Verzehr geeignet. Hier zahlte sich der früh einsetzende nordische Winter aus. Als Viehfutter wurde die Frucht vermutlich beständig genutzt. Die Wildbirne lieferte auch robustes Bau- sowie gutes Brennholz, was den Baum im nordeuropäischen Raum zu einem begehrten Rohstoff machte.
Die Nutzung als Brennmaterial überwog vermutlich bei weitem. Davon zeugt die Bezeichnung Birne/Birnbaum, deren Bestandteil birn- vom Verb brennen abgeleitet ist. Es handelt sich hier um eine Metathese, eine Lautumstellung – in diesem Falle des r und seines benachbarten Vokals. In benachbarten Sprachen sieht es ähnlich aus:

  • dt. Birne und brennen, schwed. päron und brinna, engl. pear und burn, isl. und fär. pera und brenna, lit. kriaušė und kurti (Feuer entfachen, entzünden), lett. krausis und kurt (siehe lit. kurti), russ. груша (sprich gruscha) und гореть (sprich garjétj)

Die deutschen und skandinavischen Missionare schließlich brachten seit dem zwölften Jahrhundert auch die Kulturbirne (Pyrus communis) mit nach Finnland und in das nördliche Baltikum. Ihre Kultivierung in den dortigen Breiten wäre ohne die damals vorherrschende, sogenannte Mittelalterliche Warmzeit kaum möglich gewesen. Mit dem Baum bürgerte sich auch die von den Fremden verwendete Bezeichnung ein. Das finnische päärynä, das estnische pirn und das lettische bumbieris sind Lehnwörter aus germanischen Sprachen. Im Lettischen existiert noch immer das Wort krausis (Birne), die gewöhnliche Bezeichnung ist aber bumbieris. Die Silbe bum- steht tatsächlich mit dem deutschen Wort Baum in Zusammenhang. Es ist die Birne an einem Baum, in Abgrenzung zur Wildform, die mitunter auch als dornentragender strauchartiger, kleiner Baum vorkommt.

 Autor: Stephan Weigers, Bachelorstudent „Linguistik/Archäologische Wissenschaften“ an der Uni Bochum

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Andreas

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Kein Freund von Entscheidungen, aber ein Freund Nord- und Osteuropas. Ich pendle zwischen Finnland, Deutschland und dem Baltikum hin- und her, bade gerne in Seen, gehe wandern und arbeite im Garten. Einen MP3-Player brauche ich dabei nicht, denn die Musik ist stets an meiner Seite. Besonders angetan hat es mir die slawische Folklore.