23. Türchen

Joulusauna

In Finnland geht man an Weihnachten in die Sauna, an Silvester, an Ostern, wenn es kalt ist, wenn es warm ist, draußen oder drinnen und sowieso eigentlich immer, wenn man Lust hat. Ein ganz besonderes Gefühl ist es allerdings, um die Weihnachtstage in der Rauchsauna am See zu sitzen und zu beobachten, wie es draußen langsam dunkel wird und der Schnee das letzte Licht des Tages auffängt.

Wir kommen also am mökki an. Omas mökki liegt an einem See, ist rot angestrichen und gleich daneben steht eine Rauchsauna – eine kleine Blockhütte, aus deren Kamin es schon raucht. Oma hat schon mal vorgeheizt. Die ganze Familie ist da, es gibt Saft für die Kinder, Kaffee für die Erwachsenen und alle freuen sich, dass es Wochenende ist. Dann ruft Oma: „Naisten vuoro!“ Die Frauen sind also als erstes dran und dürfen in die Sauna. Wir nehmen alle unsere Taschen, machen uns in der noch kleineren Hütte neben der Blockhütte saunafertig, nehmen uns jeder ein laudeliina zum Draufsitzen und gehen in die vorgewärmte Rauchsauna hinein, die von innen pechschwarz ist. Der Rauch wird nicht direkt hinausgeleitet, sondern bleibt noch eine Weile in der Sauna, während sie angeheizt wird. Wir sitzen also in der Sauna und es wird mir ganz schön schnell warm. Oma erzählt den Kleinen eine Geschichte vom saunatonttu, dem Wichtel, der in der Sauna wohnt. Man will ihn natürlich nicht stören, deswegen spricht man leise. Im Fenster der Sauna hängt eine kleine Laterne und an ihr vorbei kann man direkt auf den See blicken. Es wird schon langsam dunkel und langsam färbt sich das Licht vor dem Fenster – der Schnee, der gefrorene See und der aufgehende Mond färben das letzte Licht des Tages blau. „Sininen hetki“, der blaue Moment, erklärt mir Oma, als sie meine Bewunderung bemerkt. Die Stimmen um mich herum murmeln weiter, ich höre ab und an ein leises Lachen und dann das Knarzen der Sitzbänke. Meine Tanten Mervi, Anna und die jüngeren ihrer Töchter sind aufgestanden und gehen zur Tür. Es kommt mir noch gar nicht so lange vor, dass wir in der Sauna sitzen, aber jetzt bemerke ich auch, dass mir heiß ist. Ich nehme mein laudeliina und gehe ihnen hinterher.

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Wir nehmen uns Cider und Limonade und setzen uns auf die Bank vor der Sauna. Es kostet Überwindung, aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat … ich gebe Mervi meinen Cider, gehe hinaus, lege mich hin und bin fest entschlossen, mich in dem Puderzucker-Schnee zu rollen. Die Flocken stechen überall wie Tausende kleiner Nadeln. Schnell, schnell, wieder aufstehen und zurück ins Warme. Auf einmal wirkt alles gar nicht mehr so heiß. Ich nehme die Kelle im Wassereimer, fülle sie und werfe Wasser auf die heißen Steine auf dem Saunaofen – löyly heißt das – bis die ganze Sauna voller Dampf ist. Die anderen bleiben tapfer sitzen, vielleicht finden sie den heißen Dampf sogar angenehm. Man darf so viel Wasser werfen wie für einen selbst angenehm ist – nur löyly werfen und dann rausgehen, das ist nicht gern gesehen. Wir sitzen noch eine Weile, beobachten wie das Blau vor dem Fenster langsam zu schwarz wird, gehen nochmal auf die Veranda – nochmal ein bisschen löyly – und bleiben ein wenig sitzen. Nach einer Weile duschen wir. Fließendes Wasser gibt es im mökki aber nicht. Vielleicht sollte man daher eher sagen, wir übergießen uns mit Wasser, das wir aus einem großen Kessel nehmen und in einer Schüssel mit Schnee mischen, um die richtige Wärme zu bekommen.

Mit roten Wangen, die Haare noch leicht nach Rauch riechend, kommen wir zurück ins mökki. Die Männer haben schon joulupuuro (Reisbrei) vorbereitet. Nun sitzen wir wieder alle zusammen, die dampfenden Schüsseln vor uns, draußen hat es angefangen zu schneien. Noch drei Tage bis Weihnachten. Der Zimt, der Rauch, der Punsch – man kann es fast schon riechen.

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Mareen

Mareen

Fühlt sich an vielen Orten zu Hause: in Süddeutschland, Finnland, Greifswald und sowieso überall, wo es Kaffee, spannende Geschichten und schöne Landschaften gibt. Seit kurzem für die Fennistik in Greifswald und vor allem interessiert an den Geschichten und Sprachen des Nordens – mit gelegentlichen Abstechern an andere bunte Orte der Welt.