1 Fotograf, 14 Schweden, viele Geschichten, Träume und Wünsche

In Würde zu leben mit Behinderung – das ist nach der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ein Menschenrecht. Dass das aber noch lange nicht im Alltag umgesetzt wird, ist nicht nur hierzulande leider Realität. Auch dem schwedischen Fotografen Markus Marcetic und dem Schweden-Institut ist dieser Missstand und das Bewusstsein dafür ein Anliegen. Zusammen haben sie deshalb eine Ausstellung gestaltet, die noch ein paar Tage in Greifswald zu sehen ist und aussagekräftige Portraits von Schweden mit Behinderung zeigt.

20161017_1209341Eigentlich hat der große Raum im ersten Stock des Instituts für Fennistik und Skandinavistik weiße Wände. Und eigentlich sehen wir uns auf dem Weg zu einem der Seminarräume, in dem Vorlesungen, Seminare und Sprachkurse stattfinden, nicht bewusst dort um. Eigentlich – denn im Moment sind die Wände überhaupt nicht mehr leer und weiß. Zu Beginn des neuen Semesters, wieder auf dem Weg zum Schwedischunterricht, blicken mir plötzlich einige fremde aber freundliche Gesichter entgegen. Ich sehe mich um und an den Wänden hängen Bilder von sehr unterschiedlichen Menschen; Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Männer und Frauen. Neben jedem Bild hängt eine kleine Texttafel, die mehr über das Bild erzählt, über Nora und Aluspah beispielsweise, ihre Geschichte, ihren Alltag, ihre Träume und Wünsche.

Große Portraits von den unterschiedlichsten Menschen in unserem Institut? Das muss einen besonderen Grund haben. Und tatsächlich verrät ein genauerer Blick, warum diese Bilder den Weg nach Greifswald gefunden haben. Am Eingang informiert darüber eine Tafel. Die Ausstellung heißt BarriereFreiheit und ist vom Schwedischen Institut gestaltet. Es soll auf eines der Menschenrechte aufmerksam gemacht werden, das leider noch viel zu oft bewusst oder unbewusst in Vergessenheit gerät: das Recht, in Würde zu leben trotz Behinderung. Nach der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen ist das ein Menschenrecht. Dafür fehlt es aber in Gesetzen und den Haltungen der Mitmenschen noch an Bewusstsein. Die Ausstellung mit ihren Portraits ist ein Schritt auf dem Weg, Menschen mit Behinderungen als Individuen mit individuellen Bedürfnissen zu sehen. Bis zum 24.10. ist sie noch in unserem Institut zu sehen.

Das Institut für Fennistik und Skandinavistik findet ihr in der Hans-Fallada-Straße 20, Greifswald, 1. OG Zeit: Mo-Fr, 8-18 Uhr Der Eintritt ist frei.

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Mareen

Mareen

Fühlt sich an vielen Orten zu Hause: in Süddeutschland, Finnland, Greifswald und sowieso überall, wo es Kaffee, spannende Geschichten und schöne Landschaften gibt. Seit kurzem für die Fennistik in Greifswald und vor allem interessiert an den Geschichten und Sprachen des Nordens – mit gelegentlichen Abstechern an andere bunte Orte der Welt.