Ein Gespräch mit Christine Nickel

Ehemalige erzählen

Im Rahmen unserer Reihe Ehemalige erzählen berichten Alumni des Instituts für Fennistik und Skandinavistik in Greifswald über ihre Erfahrungen und geben ihre Antwort auf die alles entscheidende Frage: „Und was macht man dann damit?“. Heute stellen wir Christine Nickel, die Geschäftsführerin des Kulturvereins Nordischer Klang, vor. Christine studierte Germanistik und Skandinavistik in Greifswald und Hamar/Norwegen, wobei sie sich in Hamar auf norwegische Sprache und Literatur konzentriert hat.

 

Baltic Cultures: Warum hast du dich damals für ein Skandinavistikstudium entschieden?

Christine Nickel: Es war eine recht emotionsgeleitete Entscheidung, die nicht nach dem Sinn oder Unsinn, nach Ziel oder Erfolgsaussichten auf dem sogenannten Arbeitsmarkt gefragt hat. Ein dreiwöchiger Norwegenaufenthalt in den Sommerferien zwischen der 11. und 12. Klasse genügte, um mich rumzukriegen. Ich hatte mich danach viel mit norwegischer und skandinavischer Landeskunde, Geschichte und Literatur beschäftigt und wollte das in einem Studium vertiefen. Das ruhige Gemüt der Norweger, der Singsang der Sprache, die atemberaubende Natur und vieles mehr bewirkten, dass ich mich dort heimisch fühlte und immer wieder fühle, wenn ich dort bin.

Baltic Cultures: Warst du während deines Studiums im Ausland?

Read More

Wo die zwei Linien eins werden: Ein Reisebericht aus Nordost-Estland

Ich wollte die Stadt schon immer besuchen. Seitdem wir bei einem Schulausflug im Juni 2012 während der Belye Nochi („weißen Nächten“) über sie St. Petersburg erreichten, ist Narwa (estn. Narva), die ostestnische Grenzstadt, auf meiner Wunschliste stehengeblieben. Nicht, dass es zu weit wäre (von Tallinn aus 194 km, von Tartu 139 km), auch nicht, dass ich nicht die Zeit gehabt hätte, ihr nahezukommen, das dauert eine Weile. Wahrscheinlich, um den Besuchswunsch noch zu verstärken. Inzwischen stellt sie mir Fragen: Wieso gibt es in Estland ein Gebiet mitsamt einer Landeshauptstadt, in der man kaum mit dem Estnischen klarkommt? Warum habe ich keinen Kontakt zu den Menschen und deren Ansichten, warum bin ich, sind wir, so ignorant? Oder nicht? Liegt es doch an der Sprache?

Ich bin wieder im Jahr 2018 und nach sechs Jahren ist es mir gelungen, diesen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Read More

100 Jahre Ingmar Bergman

Ingmar Bergman schrieb mit Filmen wie Das Schweigen, Das siebente Siegel, Wilde Erdbeeren oder Fanny und Alexander Filmgeschichte. Heute, am 14. Juli, wäre der 2007 verstorbene schwedische Drehbuchautor, Film- und Theaterregisseur 100 Jahre alt geworden. Grund genug dafür, das Leben und Werk des begnadeten Filmemachers einmal genauer zu betrachten.

Bergman, am 14. Juli 1918 in Uppsala geboren, wuchs als mittleres von drei Kindern in einer von strenger Erziehung und protestantischem Glauben geprägten Familie auf. Mit aller Härte legte sein Vater, der Pfarrer war, besonderen Wert auf die Einhaltung von Moral und Sitte und auch seine Mutter forderte die Gehorsam der Kinder ein. Die Beziehung zu den Eltern war sehr konfliktgeladen. Ungehorsam wurde sofort mit Rohrstockschlägen oder mit Einsperren in der Garderobe bestraft. „Mutters Ohrfeigentechnik war nicht zu überbieten. Der Schlag wurde blitzschnell und mit der linken Hand ausgeführt, an der zwei schwere Eheringe der Strafe schmerzhaften Nachdruck verliehen“, erinnerte sich Ingmar Bergman in späten Jahren. Diese Erlebnisse verarbeitete er unter anderem in Filmen wie Die Hörige (1944), Die Stunde des Wolfs (1968) oder Von Angesicht zu Angesicht (1976). Read More

Wie ein einziger Tag

Reisebericht Moskau

Es sind einige wenige Tage im Juni, die ich in Moskau verbringe. Viel zu kurz, um alles zu sehen, viel zu kurz, um alles zu verstehen.

Ich fahre U-Bahn, fühle mich dabei sehr einheimisch, wenn ich mit der Menge fließe, dem Strom folge, wir verschmelzen, zu einem werden. Fühle mich sehr touristisch, wenn ich anhalte, um von den imposanten, schönen Stationen Bilder mache, die Hallen beinahe besinnlich auf mich wirken lasse.

Baltic Cultures-Autor Marcel hat von den russischen U-Bahnen bereits hier berichtet.

Die wenigen Tage im Juni in Moskau verschmelzen zu einem einzigen Tag. Aufwachen, Metro fahren, die Stadt entdecken, die Sonne – ich Glückskind – im Gesicht. Eine sanfte Brise begleitet unsere Entdeckungstouren durch die Stadt. Majestätische, beeindruckende Bauten aus anderen Jahrhunderten mit Schnörkeln, Türmchen und Säulen wechseln sich mit strikter Symmetrie ab.

Read More

7 Dinge, die man in Vilnius gemacht haben sollte

Es ist ein lauwarmer Morgen im Mai. Ich bin mit zwei Freunden auf einer Tour von Danzig nach Tallinn unterwegs. Der Bus, mit dem wir über Nacht von Warschau aus die polnisch-litauische Grenze überquert haben, hält an. Sind wir etwa schon da? Eifrig suchen wir unsere sieben Sachen zusammen, verlassen den Bus und stehen schließlich vor den Toren einer Stadt, die so gar nicht nach Hauptstadt aussieht. Das soll Vilnius sein? Fehlalarm, der Busfahrer gibt uns zu verstehen, dass wir uns erst in Kaunas, der immerhin zweitgrößten Stadt Litauens befinden. Also, schnell wieder rein in den Bus und so erreichen wir knapp zwei Stunden später unser tatsächliches Zwischenziel. Read More