Darf es ein bisschen mehr sein? Ein Marktbummel in Riga.

Gemüse und Obst in allen Farben und Formen stapelt sich auf den Verkaufstischen und bildet ein farbenfrohes Gesamtkunstwerk. Fische aus der nahen Ostsee wie auch aus fernen Fjorden werden auf die frostigen Auslagen gehieft. Es riecht nach dampfendem Kaffee, warmem georgischen Brot und süßem lettischen Honig. Die ersten Kundinnen, etwas beleibte Babuschkas mit verzierten Kopftüchern und noch leeren Plastiktüten, scharren vor den Toren bereits mit den Hufen und ertränken ihre Nervosität in Small-Talk über den rauen lettischen Winter, während hinter ihnen die aufgehende Sonne das morgendliche Riga in einen goldroten Schimmer taucht. Pünktlich öffnen sich die Türen und die Babuschkas ringen um den besten Platz, Schulter an Schulter, Tüte an Tüte, um sich durch die Eingangstür zu kämpfen.

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„Dear Eternity, I think about you all the time“

Ausstellung von Bjargey Ólafsdóttir

Zeichnung von Bjargey Ólafsdóttir, zur Zeit im art cube CUBIC zu sehen ist

„Dear Eternity“ – „Liebe Ewigkeit“: Wie in einem Brief entfaltet die isländische Künstlerin Bjargey Ólafsdóttir ihre kreative Zwiesprache mit der Ewigkeit, die aktuell im Kunstkubus CUBIC am Karl-Marx-Platz sowie in der Galerie ETcetera in Greifswald zu sehen ist. Die Ausstellung wurde zusammen mit dem Festival Nordischer Klang organisiert und am 11. Mai im Rahmen des Festivalprogramms eröffnet. Hier verriet die Künstlerin, was sie zu dieser Ausstellung inspiriert hat und warum das gesamte Projekt den Titel „The Singing Nomad Project“/“Das Projekt der singenden Nomadin“ trägt.

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Nordic Noir und Finnish Weird

Informationsforum zum Nordischen Klang in Greifswald

© KiWi Verlag

Eine einsame rot-weiße Hütte in einem verschneiten Wald in monochromen Farben: Dieses Bild ist typisch für so viele Buchcover oder Filmplakate von Krimis aus dem Norden, die sich weltweit sehr großer Beliebtheit erfreuen. Krimis von Bestsellerautoren wie Stieg Larsson, Henning Mankell oder Jo Nesbø oder auch TV-Produktionen wie „Die Brücke“ oder „Das Verbrechen“ sind als weltweit erfolgreiche Exportschlager längst eine Art Inbegriff der nordischen Literatur und Fernsehproduktionen geworden; sie sind Nordic Noir. Dieses Genrelabel steht für düstere Krimis, die oft ausgesprochen brutal sind und gleichzeitig schonungslos die gesellschaftlichen Probleme in den nordischen Ländern ansprechen.

Doch was fasziniert eigentlich so viele Menschen an dieser Art von Krimi? Ist es diese (für viele Städter exotisch anmutende) einsame Landschaft? Ist es vielleicht doch ein außergewöhnlich brutaler Mord und die Faszination für das Böse? Sind es die gesellschaftskritischen Aspekte oder die ausgeklügelte Psychologie der Figuren? Oder am Ende doch das perfekt durchgestylte Wohnzimmer des Opfers mit skandinavischen Designerstücken?

© Paul Garaizar via Unsplash

Dabei ist Nordic Noir nicht die einzige erfolgreiche „Marke“, die derzeit aus den nordischen Ländern in die Welt exportiert wird, auch AutorInnen des Finnish Weird erregen internationale Aufmerksamkeit. Auch hier spielen Geheimnisse und mysteriöse Zwischenfälle eine große Rolle, die die Grenze zwischen Traum und Realität verschwimmen lassen und magische Kräfte und Fabelwesen mit der Realität verweben.

Warum sind diese beiden Labels so erfolgreich und was genau versteht man eigentlich unter diesen Begriffen? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, veranstaltete das Institut für Fennistik und Skandinavistik im Rahmen des Nordischen Klangs am 7. und 8. Mai ein zweitägiges Informationsforum zu diesem Thema.

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Neue Nordische Novellen VI – Im großen Kreis

Von Mareen Patzelt und Claudia Nierste

Die Neuen Nordischen Novellen kurz erklärt? Ganz einfach: 31 – 308 – 41 – 23 – 11 – 11!

31 Studierende des Instituts für Fennistik und Skandinavistik und des Instituts für Slawistik und Baltistik haben in den letzten 308 Tagen gemeinsam an einer Anthologie von Kurzgeschichten aus Nord- und Osteuropa gearbeitet, die insgesamt 41 Kurzgeschichten von 23 Autoren in deutscher Erstübersetzung enthält. Die Studierenden übersetzten aus dem Färöischen, Isländischen, Norwegischen, Schwedischen, Dänischen, Finnischen, Estnischen, Russischen, Polnischen, Ukrainischen und Tschechischen – also aus insgesamt 11 Sprachen.

Am 11.05.2018 präsentieren wir dann unsere Anthologie, die demnächst im Greifwalder freiraum-verlag erscheint, und einige der übersetzten Geschichten um 18.00 Uhr im Koeppenhaus.

© freiraum-verlag

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Ein Elefant und finnischer Fuchspelz

Wie der Tierrechtsverbund Loomus die estnische Politik aufmischt.

Stattlich erhebt die Hermannsfestung in der estnischen Stadt Narva ihren Turm in den blauen Sommerhimmel. Ihr gegenüber prunkt das mächtige russische Schloss von Ivangorod. Beide Burgen haben zahlreichen Angreifern Widerstand geleistet. Ein tiefer, reißender Fluss trennt die beiden Bollwerke voneinander und dabei nicht nur die Städte, sondern gleich zwei Staaten und Russland von der europäischen Union. Ungeachtet dieser bedeutenden Lage tummeln sich an beiden Ufern munter Angler und Sonnenbadende. Die brennende Sonne treibt Eltern und Kinder an diesem Tag im Sommer 2013 an den aufgeschütteten, flussnahen Strand. Der deutsche Zirkus Renz, der zum Gastspiel nach Narva einkehrte, schickte seine betagte Elefantendame zur Abkühlung in das kühle Nass des gleichnamigen Narva-Flusses.  Nur wenige Tage später wird dieser warme Sonnentag durch europäische Zeitungen gehen und für eine anhaltende Empörung sorgen. Die Elefantendame war, den Wärter auf dem Rücken, abgerutscht und im Fluss ertrunken. Wenige Stunden später scharten sich unzählige Schaulustige um den wuchtigen, toten Körper der Elefantin, der mit einem Bagger aus dem Fluss gehoben wurde.

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